Sind Hintergründe bei einem Skandal Nebensache?

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RettungswagenSicherlich haben viele von euch neulich bereits vom Schicksal des Notarztfahrers Alexander Hatz gehört. Eigentlich hatte ich dazu auch einen Text verfasst, der sich dann aber von selbst „überholt“ hatte, da das Verfahren gegen den Mann zwischenzeitlich eingestellt wurde. Dennoch sind ein paar Fragen offen geblieben, die bis dato unbeantwortet sind, weswegen ich mich dennoch noch einmal mit der Thematik befassen möchte.

Hatz war vor einigen Monaten mit Blaulicht und Martinshorn zu einem Einsatz unterwegs, um einem Kind das Leben zu retten, welches zu ersticken drohte. Das hat auch wunderbar geklappt. Allerdings erhielt er später von der Polizei einen Strafbefehl über 4.500 Euro, zudem drohte ihm ein sechsmonatiger Führerschein-Entzug. Warum? Weil jemand angezeigt hat, dass Hatz ihn mit seinem entgegenkommenden Rettungsfahrzeug auf der Straße zu einer Vollbremsung und Ausweichen auf den Seitenstreifen genötigt habe. Dies wurde von einem hinter dem Anzeigenden fahrenden Zeugen bestätigt.

Schnell machte diese Nachricht im Internet die Runde. Viele bekundeten ihr Unverständnis diese Strafe und zeigten sich solidarisch mit Hatz, der die Strafe auch nicht akzeptierte, sondern dagegen vor Gericht ziehen wollte. Wäre jedoch ein Urteil gegen Hatz ergangen, befürchteten viele Rettungsfahrer und auch Polizisten in Zukunft vermehrt ähnliche Klagen. Dies hätte zur Folge gehabt, dass entsprechende Rettungskräfte künftig defensiver gefahren wären und am Ende wertvolle Minuten fehlen könnten, die manchmal über Leben und Tod entscheiden.

Grundsätzlich war auch ich in diesem Fall eher auf der Seite von Alexander Hatz. Dennoch störte mich an der Sache ein Detail ganz entscheidend. Nirgendwo wurden mal Details der Gegenseite dargestellt, so dass man sich eigentlich kein besonders objektives Bild von dem Vorfall machen konnte… und sei es auch nur, um sich in seiner Meinung bestärken zu lassen, dass Hatz in der Tat keine Schuld traf.

Aber mich würden einfach wirklich wahnsinnig die Begleitumstände interessieren, die den Fahrzeugführer und den Zeugen im zweiten Fahrzeug dazu brachten, die Anzeige zu erstatten. Auch wäre es schon interessant zu erfahren, ob der Zeuge ein völlig unbeteiligter Dritter war, oder den Fahrer vor ihm vielleicht kannte und dadurch eher geneigt wäre, dessen Aufgebrachtheit zu unterstützen.

Oder warum musste der Fahrzeugführer eigentlich eine Vollbremsung machen? War er tatsächlich mit voller Geschwindigkeit unterwegs, obwohl ihm ein Rettungsfahrzeug mit Blaulicht und Sirene entgegenkam? War die Stelle so unübersichtlich? Und warum hat er die Fahrt nicht verlangsamt und / oder war bereits zur Seite gefahren, als er das Martinshorn gehört hatte? Warum fuhr er nicht vorsichtiger, wie man das normalerweise macht, wenn man einen Rettungswagen hört, ihn aber vielleicht (noch) nicht sieht? Oder hat er ihn schon von weitem gesehen – dann wieder die Frage, warum er mit unverminderter Geschwindigkeit weitergefahren ist? Und der Zeuge hinter ihm anscheinend ja auch!

Ihr seht, da gibt es wirklich einige offene Fragen. Zumindest für mich. Die deuten für mich auch eher auf ein Fehlverhalten des Anzeigenden und ggf. auch des Zeugen. Aber zweifelsfrei kann ich mir dazu keine Meinung bilden, eben weil genau diese entscheidenden Fragen scheinbar niemand stellt? Warum nicht? Schwieg der Anzeigen-Steller? Warum stand das dann nirgends? Und selbst wenn er schweigt, muss dann nicht zumindest die Staatsanwaltschaft vor Erlass des Strafbefehls diese Fragen gestellt haben? Warum sagte die dann nichts dazu? Oder hat einfach keiner gefragt? Warum nicht?

Versteht mich nicht falsch, auch ich denke nach allem, was man so erfahren hat und sich selbst so denkt, dass Alexander Hatz hier freigesprochen gehörte. Dennoch würde ich schon gerne die offenen Begleitumstände erfahren, wenn schon sämtliche Medien das Ereignis (berechtigterweise) für so berichtenswert halten. Warum ihn jemand anzeigte, warum dies von einem Zeugen unterstützt wurde, und warum die Staatsanwaltschaft letztlich ebenfalls dann den Strafbefehl erließ, der erst „einkassiert“ wurde, nachdem das mediale Echo unüberhörbar war.

Wie seht ihr das? Fehlen euch diese Angaben nicht? Habt ihr sie vielleicht irgendwo doch detailliert geschildert nachlesen können? Und was haltet ihr ganz allgemein von diesem Vorfall?

Foto: Paulwip / pixelio.de

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