Lehrerin verbietet Kleidung bestimmter Marken im Unterricht!

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SchuleVon Zeit zu Zeit gibt es in der Öffentlichkeit ja immer mal wieder die Diskussion um Schul-Uniformen an deutschen Schulen. Hintergrund ist der, dass auf die Weise alle Schüler gleich angezogen wären und niemand ausgegrenzt werden könnte, nur weil er keine Marken-Klamotten trägt. Aus diversen Gründen sind Vorschläge dieser Art in der Vergangenheit immer wieder gescheitert. Zum einen haben solche Schul-Uniformen in Deutschland keine Tradition, manche tun sich mit Uniformen historisch bedingt generell schwer, man sieht es als unzulässigen Eingriff in die Privatsphäre bzw. gegen die freie Persönlichkeitsentfaltung etc. Gründe dagegen gibt es viele, dafür vielleicht auch.

Nun habe ich auf der Arbeit jedoch eine Kollegin, die mehrere schulpflichtige Kinder hat. Von denen kam jetzt eines heim und hatte eine Liste dabei. Scheinbar hat sich eine Religionslehrerin an der Schule gedacht, wenn man schon keine Schul-Uniformen durchsetzen kann, damit sich niemand benachteiligt vorkommt, dann verbietet man wenigstens alle „bösen“ Marken-Klamotten!

Daher hat sie die Kinder eine Liste schreiben lassen, welche Kleidungsstücke welcher Marken ab sofort in „ihrem“ Unterricht nicht mehr erwünscht sind:

Markenkleidung Verbotsliste

Parfum, Schmuck und Schuhe sind übrigens -wie auf dem Zettel zu lesen ist- hiervon ausgeschlossen… da möchte die gute Frau wohl selbst nicht auf alles verzichten. Und um auch gleich ein wenig Druck auf die Kids auszuüben, hat sie wohl festgelegt, dass alle(!) Kinder Hausaufgaben von ihr aufbekommen, wenn auch nur ein einziges Kind es wagt, im Unterricht trotzdem Kleidung dieser Marken zu tragen.

Zunächst war ich wirklich sprachlos, als ich diese Liste sah. Mein erster Gedanke war dann: Hausaufgaben… in Religion?!? Ernsthaft?

Man mag ja über das Thema mit Marken-Kleidung denken, wie man will. Ich persönlich finde, dass da viel zu oft dramatisiert wird. Ich war ja selbst mal Schüler, auch wenn das nun schon einige Jahre her ist. Und ich habe damals nie großen Wert auf irgendwelche Marken gelegt – das tue ich heute noch nicht. Ich habe auch nie geraucht. Und trotzdem wurde ich von den Marken-Kids und den Rauchern nicht ausgegrenzt, niedergemacht, verspottet oder dergleichen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass ich zufällig in der einzigen „Oase“ zur Schule gegangen bin, oder dass ich nur deswegen trotzdem respektiert wurde, weil ich so ein toller Typ war – was ich natürlich war… und bin 😉

Nein, mal Spaß beiseite: es mag natürlich Gruppen von Menschen geben, die gesteigerten Wert auf Marken-Kleidung legen und andere geringschätzig betrachten, wenn diese nicht die favorisierte Marke tragen, weil sie es sich nicht leisten können, weil sie ihnen nicht passt oder warum auch immer. Aber zum einen stellt sich mir da immer die Frage, ob man auf die Meinung solcher Personen wirklich wert legen muss. Und zum anderen gibt es eben auch immer genug „normale“ Menschen / Mitschüler, denen es völlig egal ist, ob ihr Gegenüber die gleichen Marken trägt wie sie selbst.

Davon abgesehen halte ich die Aktion der Lehrerin aus vielerlei Gründen für absoluten Mist:

Als Kind, Jugendlicher und Heranwachsender muss man eben auch damit klarkommen, sich gegen Widerstände mal durchzusetzen. Wenn man von jemandem wirklich nicht gemocht wird, weil demjenigen die Klamotten nicht passen, die man am Leib trägt, dann muss man lernen, damit umzugehen und seine Schlüsse daraus zu ziehen. Diese ewigen Versuche, Kinder so lange wie möglich in Watte zu packen und nur ja nicht zu frustrieren, geht mir gewaltig auf den Sack! Früher oder später -in Ausbildung, Studium oder spätestens im Beruf- ist dieser Welpenschutz endgültig vorbei. Dann wird man knallhart mit der realen Welt konfrontiert, die dann keine Rücksicht mehr darauf nimmt, ob man es gewohnt ist, mit ihr umgehen zu können. Gut, wenn man dann in der Schule schon ein wenig gelernt hat, wie man Konfliktsituationen löst, statt sie nur zu umschiffen.

Außerdem macht die Liste einen ziemlich willkürlichen Eindruck. Diese Marken sind „böse“, andere sind gut und dürfen getragen werden? Wer entscheidet so etwas? Nach welchen Maßstäben? Und was soll die ganze Sache bringen, wenn es eben nicht alle Marken betrifft?

Zudem empfinde ich die „Strafe“ als ziemlich widerlich. Die Grupe bestrafen, wenn ein Individuum sich nicht an die Regeln hält, ist zwar in der Tat ein wirksames Mittel, welches ich auch noch vom Militär kenne, aber es hat im Schulunterricht nichts zu suchen. Du darfst nicht so sein, wie du bist, weil ich sonst dafür sorge, dass es anderen schlecht geht und die dich dann hassen. Tolle Methode. DAS ist Druck! Dagegen ist irgendeine infantile Schmähung eines unreifen Mitschülers wegen NoName-Klamotten der reinste Kindergeburtstag.

Zuletzt gilt diese „Regel“ dann auch noch ausschließlich für den Religionsunterricht (sieht also sehr so aus, als wäre das ein klassischer Alleingang der Lehrerin, den sie nicht mit Kollegen abgesprochen hat). Heißt im Klartext, dass sich die Kids theoretisch danach wieder umziehen können und in Marken-Kleidung herumlaufen – so dass dann mit der Aktion wieder nichts erreicht wäre. Das ist im Übrigen ein Grundproblem all dieser „Taktiken“. Spätestens in der Freizeit kann man den Kids nicht vorschreiben, wie sie herumlaufen sollen. Dann sehen sie sowieso, wer sich welche Marken leisten kann. Solche Listen oder auch Uniformen lösen eben nicht das Problem, sondern blenden es bestenfalls lediglich aus dem Schul-Alltag aus. Besser wäre es doch, wenn man -sollten derartige Probleme tatsächlich auftreten- die Unterrichtszeit konstruktiv nutzt, um solche Dinge im Klassenverband zu besprechen und zu zeigen, dass das Herabsetzen eines Menschen aufgrund seiner Kleidung ein reichlich dämlicher Maßstab ist. Glaubt mir, liebe Pädagogen, Kinder sind nicht doof, die kapieren das recht schnell, wenn man es ihnen einfach mal deutlich vor Augen führt.

Was denkt ihr darüber? Könnt ihr der Liste bzw. der Regelung der Lehrerin etwas Positives abgewinnen? Kann das irgendetwas bewirken, außer dass wir hier jetzt darüber diskutieren? Mag das vielleicht die Intention der Dame sein: die Eltern und Schüler dazu zu bringen, eine fruchtbare Diskussion zum Thema zu führen? Oder war das ein pädagogischer Schnellschuss, den die Dame sich nicht genau überlegt hat? Was haltet ihr von der Aktion?

Foto: knipseline / pixelio.de

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