Steckt nicht in jedem von uns ein kleiner Lokomotivführer?

ModellbahnAls ich ein Kind war, war ich großer Fan der Augsburger Puppenkiste. Insbesondere von Jim Knopf und Lukas, dem Lokomotivführer. Damit war ich auch nicht allein. In meinem damaligen Freundeskreis gab es gleich mehrere Kinder, die wegen dieser Sendung gerne Lokomotivführer werden wollten. Wie das halt so ist bei Kindern. Da wollte man Feuerwehrmann oder Lok-Führer werden, weil man Jim Knopf oder Grisu, den kleinen Drachen („Ich will Feuerwehrmann werden!“) toll fand. Oder Polizist, weil Polizisten immer die Bösen jagen und am Ende gewinnen.

Mit der Zeit wird man dann älter und erkennt, dass man als Feuerwehrmann einen extrem gefährlichen, anstrengenden und entbehrungsreichen Job hat. Oder dass Polizisten eben am Ende längst nicht immer gewinnen, weil sich „die Bösen“ in der Realität nicht immer so dumm anstellen wie in den Kindersendungen. Dass Tierärzte nicht nur das Leben von Tieren retten, sondern auch viele Tiere sterben sehen.

Da bleibt dann oft erst einmal nur der Lokomotiv-Führer übrig. Weswegen man dann begeistert zu den Freunden und Familienmitgliedern blickt, die eine Modell-Eisenbahn haben. Zugegeben, wenn man sich -gerade in der letzten Zeit- näher mit dem Beruf des Lok-Führers beschäftigt, findet man auch dort gewaltige Schattenseiten:

Aufgestaute, unbezahlte Überstunden und eine im Vergleich zum europäischen Umland geringere Bezahlung sind die Punkte, die im Rahmen des Tarifstreits zwischen GDL und Bahn derzeit immer wieder genannt werden. Hinzu tritt noch diese grausame Statistik, wonach statistisch gesehen jeder Lokführer im Laufe seiner Berufslaufbahn drei Menschen überfährt. Das kann schon kräftig an der Psyche nagen.

Aber das blenden wir als Nicht-Lokführer gerne erfolgreich aus. Wir sehen dann eher die romantisch-verklärte Sicht auf diesen Beruf. Der Lokomotiv-Fahrer, der im Führerhaus einer alten Diesel- oder Dampf-Lokomotive sitzt, den Kopf aus dem Fenster hält, den Fahrtwind um die Nase wehen lässt und unaufhaltsam durch die Natur, einen dichten Wald oder die Prärie des wilden Westens fährt. Und schon sind sie wieder da, die Träume nach einer Modell-Eisenbahn.

Mein Opa hatte mal so eine. Sie nahm einen kompletten Raum in der Wohnung meiner Großeltern in Beschlag. Mit viel Liebe zum Detail waren dort Häuschen, Wälder, Figuren, Tunnel und vieles mehr aufgebaut worden. Und dann fuhren die Bahnen durch diese Landschaften. Der gesamte Schienenverkehr war perfekt aufeinander abgestimmt, um Kollisionen zu vermeiden.

Wenn ich heute mal darauf zurückblicke, glaube ich, dass mich gar nicht so sehr das Fahren der Loks fasziniert hat, sondern eher der Aufbau des Modells. Denn wenn die Züge einmal fahren, dann fahren sie halt. Man kann noch ein wenig mit den Weichensetzungen spielen, aber das war es dann. Viel spannender ist da doch vielmehr der Aufbau der ganzen Bahn-Anlage. Wenn man sich Gedanken macht, wie die Landschaft aufgestellt sein soll, wo welche Figuren stehen werden, welche Gechichte sie quasi erzählen werden. Die Zeit, die man in die Planung und Umsetzung seiner Idee investiert, damit später alles so aussieht und läuft, wie man das möchte.

Auf der anderen Seite sind solche Modell-Eisenbahnen ein ziemlich kostspieliges Hobby. Können sie zumindest sein. Da gibt es hier noch etwas, und dort noch etwas, um die Umgebung noch natürlicher wirken zu lassen oder den Schienenverkehr genauer steuern zu können. Und je kleiner die Züge werden, desto mehr kann man zwar auf begrenztem Raum bauen, desto mehr kostet es aber oftmals auch.

Wer keinen Platz für eine große, üppige Modelleisenbahn hat, oder wem das alles zu teuer ist, wer aber gleichzeitig dennoch nicht auf dieses Gefühl verzichten will, eine eigene kleine (oder auch große) Bahn-Anlage aufzubauen und sein eigenes Lok-Imperium aufzubauen, der kann heutzutage dank PCs immerhin auf entsprechende Simulatoren zurückgreifen. Inzwischen kann man sich sogar den Kauf und die Installation passender Spiele sparen und stattdessen auf entsprechende Browsergames wie z.B. das Strategie-Browsergame Rail Nation zurückgreifen, so dass das komplette Programm vollständig online im Internet-Browser abläuft.

Auch hier geht es darum, sein eigenes Eisenbahn-Imperium aufzubauen. Man erhält Zugriff auf diverse Lokomotiven und Bahnen der verschiedenen Epochen, so dass für jeden Geschmack etwas dabei sein dürfte. Das Spiel an sich ist dank Freemium-Modell komplett kostenlos spielbar. Und es bietet alles bzw. noch mehr, als eine reale Modellbahn zu bieten hätte. Auch hier könnt ihr viel Zeit in den Aufbau der Bahn stecken, mit viel Liebe zum Detail euren Zug-Verkehr planen, auf Wunsch Fahrpläne optimieren und alles aneinander anpassen. Dazu noch eine hübsche Grafik, so dass man wie bei einer echten Modell-Eisenbahn ins Träumen gerät und sich unweigerlich vorstellt, selbst am Steuer des Zugs zu stehen und durch die Landschaft zu fahren.

Wie war das denn damals bei euch? Hattet ihr eine eigene Modell-Eisenbahn oder kanntet jemanden, der eine hatte? Gab es für euch auch diese Faszination an den Modellbahnen, oder wolltet ihr nie eine haben? Falls ihr eine haben wolltet (oder vielleicht immer noch habt), was machte oder macht für euch den Reiz an den kleinen Modellbahnen aus?

Foto: Örnii / pixelio.de

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