Kein Kuchen im Büro, kein Salat auf Festen? Neue EU-Verordnung erschwert Mitbringen von selbst gemachtem Essen!

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kuchenBei uns in der Abteilung hat es sich eingebürgert, dass man für sich und die Kollegen immer mal wieder etwas Süßigkeiten zum Essen für zwischendurch mitbringt. Nicht unbedingt gesund, aber so ein kleiner Zucker-Schub kann wahre Wunder wirken, hebt zusätzlich die Laune und mitunter auch die Kreativität.

Wir männlichen Kollegen beschränken uns hierbei oftmals auf Süßigkeiten wie kleine Schoko-Riegel, Kekse oder Fruchtgummis aus dem Supermarkt, die wir mitbringen. Die Kolleginnen zeigen da oftmals wesentlich mehr Einsatz und bringen selbstgebackene Muffins, Kekse und ganze Kuchen mit. Jetzt, wo die Weihnachtszeit näher rückt, könnte es da sogar noch mehr als sonst geben. Da schlägt das Schleckermäulchen-Herz höher.

Es sei denn, uns machen die Bürokraten in der EU auch hier mal wieder einen dicken Strich durch die Rechnung. Die Damen und Herren in Brüssel wollen den Verbraucher- und Gesundheitsschutz in Europa nämlich auf einen neuen Level bringen und machen dabei auch vor den oben genannten Leckereien nicht halt:

Man kennt es ja bereits von den Verpackungen aus dem Supermarkt, dass auf allen Lebensmitteln komplette Zutatenlisten aufgedruckt sein müssen. Macht Sinn, da der interessierte Verbraucher so nachvollziehen kann, was die Industrie ihm da teilweise für ein Zeug vorsetzt. Momentchen mal, haben sich da die Bürokraten in Brüssel gedacht. Was ist denn mit den Speisen, die man z.B. für Schul-Feiern, für Vereine oder eben auch für die Kollegen auf der Arbeit macht. Da könnte ja auch wer weiß was drin sein! Also hat man flugs die Lebensmittelinformationsverordnung (solche Worte denkt man sich nur in der Politik aus) aktualisiert, die ab Mitte Dezember 2014 in neuer Form inkraft tritt. Hiernach ist in Europa jede(!) Privatperson verpflichtet, vollständige(!) Zutatenlisten neben selbst hergestellte, lose Lebensmittel zu stellen, die außerhalb des privaten Familienbereichs anderen Menschen angeboten werden.

Und wer sich jetzt noch über diesen Unsinn amüsiert, dem sei gleich noch mit auf den Weg gegeben, dass ab 2016 zusätzlich noch gefordert wird, dass dann die Kalorien pro 100g angegeben werden müssen. Super! Wenn da mal nicht Heiterkeit aufkommt.

Keine Ahnung, ob die EU auf diese Weise den Leuten das Mitbringen potentiell ungesunder, selbstgebackender Lebensmittel madig machen will, um auf die Weise die Wirtschaft zu stärken, weil man dann lieber zum fertig bedruckten Produkt greift, statt noch etwas Leckeres selber zu machen. Zuzutrauen wäre es ihnen. Wirklich Sinn macht das alles jedenfalls nicht. Während es auf industriellen Verpackungen noch Sinn macht, da man ja selten jemanden vor Ort fragen kann, was denn nun genau alles im Produkt verarbeitet wurde, ist das auf der Arbeit ja nun wirklich kein Problem. Da fragt man kurz, ob irgendwas drin ist, auf das man beispielsweise allergisch reagiert und dann ist es gut. Und dass das ein oder andere Stück Sahne-Torte am Arbeitsplatz sich auf Dauer auch auf den Hüften niederschlagen kann, war uns allen sicherlich auch ohne ausgerechnete Kalorien-Anzeige klar. Nur noch eine Frage der Zeit, bis dann auch noch eine Wage Pflicht wird, damit man genau nachwiegen kann, wie schwer das Stück Kuchen denn nun eigentlich ist.

Man mag es kaum glauben, aber DIE Verordnung war dann sogar den Beamten des Verbraucherschutzministeriums in NRW zu verrückt, weswegen man dort beschloss, die Anwendung auf Privatpersonen auszuschließen, die nur gelegentlich Speisen für Kollegen, die Schule, den Verein etc. zubereiten. Es bleibt zu hoffen, dass die Beamten in den anderen Bundesländern nachziehen und ebenfalls entsprechende Ausnahmeregelungen erlassen.

Wobei sich natürlich sofort die Frage stellt, was denn genau „gelegentlich“ ist? Und überhaupt: muss man künftig mit Polizei-Razzien rechnen, bei denen auf Schulfesten und in Büros kontrolliert wird, ob bereitgestellte Lebensmittel illegal, also ohne gebotene Kennzeichnung, dargeboten werden? Wird da vielleicht ein ganz neues Feld der Kriminalität eröffnet? Werden Muttis nur noch früh morgens im Schutz der Dunkelheit ihre Kekse zur Schule und Arbeit bringen? Und wie viel wird man dem Hausmeister als Schweigegeld zahlen müssen?

[via]

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