Der Laubbläser als Zeitmaschine ins Mittelalter

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HerbstWenn man von einem wütenden Mob hört, der mit Mistgabeln bewaffnet durch die Stadt zieht, denkt man fast unweigerlich ans Mittelalter. Beispielsweise an eine Hexenjagd, ei der sich die Stadtbevölkerung -eben bewaffnet mit Mistgabeln und vielleicht noch Fackeln- zum Haus der vermeintlichen Hexe bewegt, um dort dann das „Problem“ zu beseitigen und der Hexe den Prozess zu machen, indem man sie zum Beispiel ertränkte, von einer Klippe warf oder auf dem Scheiterhaufen verbrannte. Wie gesagt – tiefstes Mittelalter… oder?

Nicht ganz! Den mit Mistgabeln bewaffneten Mob, der einem anderen Menschen ans Leder will, gibt es immer noch. Und zwar nicht irgendwo weit weg, sondern hier bei uns in Deutschland. Und wer nun direkt wieder vermutet, dass so etwas nur in Bayern passiert sein kann, der liegt schon wieder falsch!

Vielmehr war ausgerechnet Nordrhein-Westfalen kürzlich Platz eines solchen „Schauspiels“. Dort wurde die Polizei in Aachen von mehreren entsetzten Augenzeugen und Anwohnern gerufen, weil dort angeblich hunderte Menschen mit Mistgabeln und Kettensägen(!) aufeinander losgehen und ein Massaker veranstalten wollten.

Tatsächlich wurden beim Eintreffen der Polizei zwar keine „hunderte Menschen“ angetroffen, aber vierzig waren es immerhin schon, die da wirklich mit Mistgabeln, Golf- und Baseballschlägern sowie Kettensägen angetroffen wurden. Und wer nun glaubt, dass es sich hier um eine Schauspieler-Truppe, einen Flashmob oder irgendeine entartete Werbe-Kampagne gehandelt habe, der irrt erneut. Echte Menschen, echte Bewaffnung, echte Wut.

Glücklicherweise konnte die Polizei einschreiten, bevor Schlimmeres passierte. Lediglich ein Mann musste verletzt ins Krankenhaus gebracht werden, weil er mit einer Leiter(!) am Kopf getroffen worden war. Es stellt sich nun die Frage, was denn der Auslöser für diesen Massen-Tumult gewesen sein mag.

Nun, Stein des Anstoßes war -passenderweise- wirklich ein Stein! Genauer gesagt ein Steinchen. Landschaftspfleger hatten den Auftrag erhalten, die an diesem Ort befindlichen Bäume und Hecken zu schneiden. Das dabei herunterfallende Laub sollte mit einem Laubbläser zusammengetragen werden, damit niemand später auf dem Laub ausrutschen konnte, was teuer werden kann. Allerdings wurde durch den Laubbläser wohl auch besagtes Steinchen aufgewirbelt und gegen ein in der Nähe stehendes Auto geschleudert.

Zufällig bemerkte der Halter des parkenden Fahrzeugs diesen Vorgang und konnte auch eine durch den Stein verursachte Beschädigung an seinem Auto feststellen. Da das Auto des Deutschen liebstes Kind ist, fand er das gar nicht lustig und stellte den Arbeiter mit dem Laubbläser zur Rede. Ein Wort gab das andere, es entwickelte sich ein Streit, der dann zu Handgreiflichkeiten und später laut Polizei zur letzten Eskalationsstufe, der Bewaffnung, führte.

Wie bereits ausgeführt, ist die Sache letztlich recht glimpflich abgelaufen. Dennoch wurden natürlich gegen alle Beteiligten entsprechende Strafverfahren wegen Körperverletzung, Bedrohung und Nötigung eingeleitet. Und auch, wenn die ganze Situation so absurd klingt, dass man darüber -auch dank des glimpflichen Ausgangs- schmunzeln kann, ist es dennoch erschreckend, wie manche Kleinigkeiten auch heutzutage noch sehr, sehr schnell eskalieren können.

Immerhin reden wir hier als Auslöser nur von einem beschädigten Auto! Egal, ob der Stein nun eine Beule, einen Lackschaden oder einen Steinschlag im Fenster hinterlassen hatte – dieser Schaden reichte aus, damit letztlich knapp vierzig Menschen mit Heckenscheren, Mistgabeln und Kettensägen aufeinander losgehen wollten! Vierzig! Mit Kettensägen! Erwachsene(?) Menschen! Mitten in Deutschland!

Da gehen mir bald die Ausrufezeichen aus. Habt ihr auch schon mal (als Beteiligter oder auch nur als Augenzeuge) erlebt, dass aus einer Mücke ein Elefant gemacht wurde und eine Situation wegen einer Kleinigkeit regelrecht eskaliert ist? Wenn ja, was war da passiert? Habt ihr daraus irgendwelche Lehren gezogen?

Foto: SarahC. / pixelio.de
[via]

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