Sex demnächst nur noch mit Vertrag und Multiple-Choice Beischlaf-Liste?

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Sexy PoEs gibt Dinge, die sind grundsätzlich gut gemeint und behandeln ein ernstes Thema, können aber bei näherer Betrachtung und Nachdenken fast schon unfreiwillig komisch werden, mindestens jedoch dafür sorgen, dass man mit dem Kopf schütteln muss, weil „gut gemeint“ eben nicht gleich „gut gemacht“ heißt. So ging es mir kürzlich, als ich einen Artikel in der Zeit gelesen habe. Demnach ist in Kalifornien Sex jetzt nur noch mit ausdrücklicher Zustimmung aller Beteiligten möglich.

Klingt zunächst einmal logisch. Ist es auch. Schließlich würde alles andere als Vergewaltigung gelten. Dennoch sah man sich in Kalifornien dazu berufen, dies noch einmal durch ein separates Gesetz festzustellen. Gut gemeint. Allerdings lässt die Umsetzung die Leute mit vielen offenen Fragen zurück:

In erster Linie zielt das Gesetz scheinbar auf Studenten in Kalifornien ab. Vor allem während wilder Studenten-Partys war es da in der Vergangenheit wohl zu sexuellen Übergriffen gekommen. Später hatten die Opfer allerdings Probleme damit zu beweisen, dass sie „Nein“ zum Geschlechtsverkehr gesagt hatten. Aus diesem Grund dreht das neue Gesetz die Beweislast herum und fordert, dass alle am Akt direkt beteiligten Personen vorab dem Sex ausdrücklich zustimmen müssen.

Nicht gültig zustimmen können laut Gesetz Personen, die bewusstlos, alkoholisiert oder durch Einnahme sonstiger Drogen benebelt sind. Deren „Ja“ reicht nicht aus, um als Einwilligung zu gelten. Hier ergibt sich bereits das erste Problem: wer definiert, ab wann man so „dicht“ ist, dass man nicht mehr einwilligungsfähig ist? Oder reicht bereits grundsätzlich die Einnahme von noch so kleinen Mengen Alkohol, um eine Einwilligung per se zunichte zu machen? Dann wird es ganz schön gefährlich, wenn man sich demnächst bei einem romantischen Dinner ein Glas Wein gönnt und den Abend dann ebenso „romantisch“ ausklingen lassen möchte.

Klar, die Zielrichtung des Gesetzes ist deutlich. Man möchte nicht, dass Betrunkene ausgenutzt werden. Aber das Gesetz ist an dieser Stelle nicht eindeutig in seinem Wortlaut. Kann es auch kaum sein, denn zwischen „nur ein Glas Wein getrunken“ und „hackedicht“ gibt es bekanntermaßen eine Vielzahl von Abstufungen, die jeder Mensch individuell erreicht.

Ähnlich verhält es sich mit dem Punkt der sonstigen Drogen. Was ist, wenn man jemanden auf einer Party kennenlernt, der auch einen zurechnungsfähigen Eindruck macht, sich am nächsten Morgen aber herausstellt, dass er vor dem Kennenlernen schon etwas eingeworfen hatte, wovon man nichts wusste? Wie „high“ muss man nach außen hin sein, um als einwilligungsUNfähig zu gelten?

Aber auch fernab solcher Definitions-Probleme gestaltet sich die Ausführung des Gesetzes mitunter problematisch. Denn wie bereits erwähnt, findet nun eine Beweislastumkehr statt. Im Fall einer Anzeige muss das Opfer nicht mehr beweisen, dagegen gewesen zu sein, sondern der vermeintliche Täter muss beweisen, dass der Partner zugestimmt hat. Die Zustimmung kann zwar auch durch z.B. ein Nicken erfolgen (ist DAS wirklich eindeutig???), aber es wird im Zweifel genauso schwer zu beweisen können wie früher das „Nein“ des Opfers. Menschen mit genug krimineller Energie werden nicht lange brauchen, um hier Szenarien zu entwicklen, mit denen man Sex-Partner nachträglich wunderbar erpressen kann. Es sei denn, man treibt es auf die Spitze und unterschreibt(!) vor jeder sexuellen Handlung vorab eine Art Vertrag!

Man stelle sich die Situation einfach einmal bildlich vor. Ihr schmust gerade mit dem Objekt eurer Begierde und seid beide nicht abgeneigt. Statt nun aber „zur Sache“ zu kommen, zückt ihr erst einmal euer Vertragswerk, was ihr natürlich immer für alle Fälle dabei habt, tragt in die Muster-Formulare eure Namen und sonstigen Daten ein und kreuzt auf einer Liste am besten noch an, welche Handlungen genau in Ordnung sind und welche nicht. Hach, da kommt man doch so richtig in Stimmung, oder? In der Theorie ja alles gut gedacht und mit den besten Absichten erstellt, aber hat sich jemand mal Gedanken um die praktische Ausgestaltung gemacht?

Foto: Michael Schuster / pixelio.de

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