Wie die Zeit vergeht

Anzeige

Neulich beim Durchschalten der unzähligen Fernsehprogramme stieß ich eher zufällig auf einen Musiksender, auf dem -haltet euch fest- tatsächlich vorwiegend Musik gespielt wurde! Das ist heutzutage ja längst nicht mehr selbstverständlich, wird man doch auf einschlägigen Sendern dieser Art gerne abwechselnd mit irgendwelchen amerikanischen Pseudo-Reality-Formaten oder Klingeltonwerbung in Beschlag genommen.

Hier wurde stattdessen tatsächlich Musik gespielt. Querbeet aus allen möglichen Jahrzehnten. Und plötzlich wurde Natalie Imbruglia mit ihrem hierzulande sicherlich bekanntesten Song „Torn“ gespielt. Unweigerlich dachte ich darüber nach, dass das Lied auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Das musste so gegen ’97 gewesen sein, sinnierte ich noch, als neben Namen und Titel auch das Jahr der Veröffentlichung eingeblendet wurde. Es war tatsächlich von 1997. Während ich mir gedanklich noch selbst auf die Schulter klopfte, weil ich hier so gut geschätzt hatte (eigentlich kann ich nämlich nicht besonders gut schätzen), erschrak ich plötzlich innerlich:

Hallo? Von 1997?!? Das war immerhin schon 17 Jahre her. SIEBZEHN! Eine verdammt lange Zeit. Ich erinnerte mich, dass ich selbst mal 17 war und was ich damals so gemacht habe. Wie es der Zufall so will, ist das ebenfalls ziemlich genau 17 Jahre her. Mit 16 / 17 Jahren habe ich vor 17 Jahren Natalie Imbruglia im Radio gehört und nun, siebzehn Jahre später, wird dieses Lied plötzlich im Fernseher vor dir gespielt.

Das sind die Momente, wo mir oft erst so richtig bewusst wird, wie schnell die Zeit vergeht. Geht mir teilweise auch so, wenn ich eine Serie oder einen Film sehe und dann am Schluss eingeblendet wird, von wann die Serie bzw. der Film ist. Manch älterer Leser wird beim Lesen dieser Zeilen hier vielleicht nur müde lächeln und sich denken, dass ich junger Spund mal abwarten solle, bis ich in ihrem Alter bin. Und das mag auch richtig sein. Heute scheint mir ein Alter von 50, 60 Jahren noch in weiter, weiter Ferne.

Aber mit 17 schien mir auch die 34 in weiter Ferne. Jetzt bald steht sie stattdessen auf der Geburtstagstorte. Und ich habe das Gefühl, die Zeit verging seither wie im Flug. Klar, es ist eine Menge passiert. Schöne Erlebnisse, schlimme Erlebnisse. Vor allem während der schlimmeren Phasen schien die Zeit üerhaupt nicht zu vergehen, sondern zog sich wie Kaugummi. Und dennoch fühlt es sich rückblickend bei vielen Ereignissen wie ein Wimpernschlag an, was die vergangene Zeit angeht. Es kommt mir vor, als wäre die Zeit, als Natalie Imbruglia im Radio so oft rauf und runter gespielt wurde, bis man es nicht mehr hören wollte, gerade mal einen kleinen, zeitlichen Steinwurf entfernt. Und doch sind es jetzt bereits 17 Jahre, anders betrachtet knapp die Hälfte meiner bisherigen, gelebten Lebenszeit.

In weiteren siebzehn Jahren, also einem weiteren, kleinen, zeitlichen Steinwurf, werde ich über 50 Jahre als sein, sofern mir nicht wider Erwarten meine Gesundheit oder irgendein Unfall oder Verbrechen einen Strich durch die Rechnung machen. Wer weiß, vielleicht werde ich dann David Guetta hören und plötzlich denken: Mensch, das ist doch der Typ, der damals ständig im Radio gespielt wurde. Wie lange mag das wohl her sein?

Die Zeit vergeht -natürlich nur rein subjektiv- mit zunehmendem Alter scheinbar immer schneller. Als Schüler hat sich ein Halbjahr ewig hingezogen, heute hingegen kommt es mir vor, als wäre vorgestern erst Silvester gewesen, da steht Weihnachten schon fast wieder vor der Tür.

Ich frage mich, ob irgendwann mal der Punkt im Leben kommt, wo dieser Effekt sich wieder umkehrt, langsamer wird oder stagniert? Oder ob es immer schneller wird im Karussell der Zeit? Fühlt es sich für euch auch so oder ähnlich an? Oder empfindet ihr das alles ganz anders? Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Lauf der Zeit gemacht? Und kommen euch manchmal ähnliche Gedanken, wenn ihr alte Lieder hört, alte Serien oder Filme seht?


Anzeige