Der Psycho-Test im Badezimmer

DuscheDerzeit schaue ich mir aus beruflichen Gründen sehr viele Webseiten bzw. Internet-Shops an. Es ist schon interessant, wenn man so etwas mal wirklich ganz bewusst macht. Wenn es also nicht darum geht, dort etwas zu suchen bzw. zu kaufen, sondern sich den Aufbau und die Stilmittel bewusst zu machen, die dort verwendet werden. Da fällt einem erst auf, wie ähnlich sich Shops trotz unterschiedlichster Systeme oftmals eigentlich sind.

Das ist eigentlich auch kein Wunder. Schließlich gibt es für alles immer wieder Studien, die den Shop-Betreibern sagen, was Kunden -zumindest angeblich- wollen. Wo erwartet der Kunde das Logo eines Shops? Wo vermutet er intuitiv das Feld für die Suche? Welche Sachen sollte der Kunde immer im Auge haben? Wie sollte ein Warenkorb optimalerweise gestaltet sein? Teilweise nehmen diese Entwicklungen geradezu groteske Züge an. Ich meine mich sogar erinnern zu können, dass Microsoft mal eine Studie in Auftrag gegeben hat, die dann ergab, welcher blaue Farbton eines Links von Internet-Nutzern am häufigsten geklickt wird.

Natürlich sind die ganzen Erkenntnisse auch nie in Stein gemeißelt, sondern ändern sich im Laufe der Zeit. Eben genauso wie die Geschmäcker der Kunden. So hieß es beispielsweise jahrelang, dass der Kunde eine Shop-Suche immer oben rechts auf dem Bildschirm sucht. Inzwischen soll es wohl so sein, dass die Kunden die Suche dank der „Trendsetter“ Amazon, Ebay & Co. eher oben zentral in der Mitte vermuten. Und schon ziehen unzählige Shops nach und lassen die Suche von rechts in die Mitte wandern. Achtet ruhig mal darauf.

Wobei ich persönlich immer mit einer Portion Skepsis an solche Empfehlungen herangehe. Zum einen muss es ja nicht verkehrt sein, wenn man sich von anderen Webseiten auch mal ein wenig abhebt, um aus dem Einheitsbrei herauszustechen. Und gerade bei der Suche denke ich, wird das Ergebnis wohl kaum sonderlich verheerend sein, wenn das Suchfeld nicht oben in der Mitte, sondern oben rechts oder gar oben links angebracht ist. Als ob der Kunde so blöd wäre und das Feld auf der anderen Seite nicht sofort sehen würde, wenn es nicht an der angeblich erwarteten Stelle steht. Schwierig wäre es höchstens, wenn das Suchfeld irgendwo unten auf der Seite versteckt ist und man erst scrollen muss, um es zu finden. Ich denke einfach, dass man einen Kunden nicht für komplett bescheuert halten sollte.

Auf der anderen Seite gibt es auch Empfehlungen, bei denen es mich freut, dass diese mehr und mehr umgesetzt werden. Das gilt insbesondere für den Bereich der Interaktivität bei Onlineshops. Früher bestand ein Shop aus Artikeln, einsortiert in Kategorien und einer Suche, über die man die Artikel finden konnte, wenn man sich nicht durch die Kategorie-Navigation wühlen wollte – und wer will das schon? Inzwischen bieten Shops weit mehr. Müssen sie auch, wenn sie Aufmerksamkeit erregen und den Kunden auf der Seite halten wollen. Interaktive Elemente war da das Zauberwort. Manche versuchen das schlicht mit einer Masse von Videos zu realisieren. Finde ich weniger spannend. Ich bin generell kein Fan von Videos in Shops, egal ob Produktvideo oder Anwendungs-Video. Natürlich bieten diese Videos einen Mehrwert. Aber sie kosten mich auch Zeit. Ich bekomme die Anwendung eines Produktes lieber in wenigen Bildern oder einer kurzen Auflistung erklärt, als in einem Video mit 1:30 Minuten Länge. Aber das ist nur meine persönliche Meinung.

Andere sind bei der Umsetzung der Interaktivität ungleich kreativer. Ein gutes Beispiel, welches mir da im Kopf hängen geblieben ist, war der Shop von Mach-dein-Bad.de, bei denen die Suche übrigens auch oben mittig zu finden ist – das aber nur am Rande. Sieht für das geschulte Auge auf den ersten Blick aus wie hunderte andere Shops auch. Aber der Teufel steckt -wie so oft- im Detail. Wie der Name des Shops bereits vermuten lässt, kann man dort vom Wasserhahn über die Toilettenschüssel bis hin zur Dusche alles fürs Bad kaufen. Abheben will man sich dadurch, dass die Produkte ganz klaren Design-Linien folgen. Nun wird sich mancher jedoch fragen, welche Stilrichtung im Bad denn nun die richtige für einen ist. Das mag man beispielsweise für Wohnzimmermöbel, die eigene Mode oder vielleicht auch für das Auto recht schnell beantworten können, aber im Hinblick auf das eigene Bad hat man sich oftmals bislang gewiss wenige Gedanken darum gemacht.

Und genau hier setzt das Element der Interaktivität ein, denn um diese Frage, die sich sicherlich einige Kunden stellen werden, individuell beantworten zu können, hat man auf der Seite einen separaten Bereich mit einem interaktiven Stil-Berater eingerichtet. Der funktioniert ähnlich wie ein Psycho-Test aus Frauenzeitungen. Man beantwortet fünf kurze Fragen (geht schnell) und bekommt dann das Ergebnis, welcher Badezimmer-Typ man ist. Meist geht es einfach darum, sich für eines von drei dargestellten Bildern zu entscheiden – mit Dingen aus Lebensbereichen, wo man einfach selbst besser weiß, was für ein Typ man ist, als beim Badezimmer.

Natürlich würde es theoretisch alles noch viel interaktiver gehen. Aber von der grundsätzlichen Idee finde ich diesen Style-Berater schon toll. Denn er ist nicht einfach dort eingebaut worden, damit man „irgendwas Interaktives“ auf der Seite hatte, sondern er erfüllt einen echten Zweck im Hinblick auf den speziellen Fokus der Seite auf die diversen Design-Stile im Bad. Oder wüsstet ihr sofort, welcher Badezimmer-Typ ihr seid?

Ich bin übrigens laut „Psycho-Test“ der klassisch-moderne Badezimmer-Typ. Da kann ich gut mit leben. Was kommt bei eurem Test heraus? Und könnt ihr euch mit diesem Ergebnis ebenfalls anfreunden? Welche interaktiven Elemente würdet ihr euch generell noch auf Seiten von Onlineshops (viel häufiger) wünschen?

Rainer Sturm / pixelio.de

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