Sehr geehrte Frauen und Nicht-Frauen. Die Auswüchse des Genderns der deutschen Sprache.

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Gleichberechtigung ist ja immer ein kontrovers diskutiertes Thema. Seien es irgendwelche sog. „Frauen-Quoten“, die von der Politik verabschiedet werden und die in Unternehmen für mehr Chancengleichheit sorgen sollen, oder sonstige Gesetze, die eine Gleichbehandlung von Frau und Mann im Alltag gewährleisten wollen.

Ein Teilaspekt hierbei sind auch sog. „Gender-Debatten“ bezüglich unseres Sprachgebrauchs. Da unsere Sprache in manchen Bereichen eher maskulin geprägt ist, sehen manche Kreise darin ebenfalls eine Unterdrückung der Frau, die sich aus der sprachlichen Nutzung heraus ggf. auch auf den weiteren sozialen Umgang mit dem anderen Geschlecht auswirken kann. Mit anderen Worten: wer schon alltäglich in der Sprache Frauen (unbewusst) unterdrückt, dem könnte auch in sonstigen Lebenslagen die richtige Sensibilität für das Thema fehlen.

So war es früher z.B. in der Straßenverkehrsordnung üblich, von DEM Fußgänger oder DEM Autofahrer zu reden. Von Fußgängerinnen war da nicht die Rede, obwohl diese natürlich auch unter dem Begriff zusammengefasst waren. Um solchen Problemen(?) aus dem Weg zu gehen, gibt es bekanntlich die verschiedensten Ansätze:

Manche forderten einfach, dass -um beim Beispiel der Straßenverkehrsordnung zu bleiben- nicht mehr von Fußgängern, sondern von „Fußgängern und Fußgängerinnen“ die Rede sein sollte. Wobei sich dort dann das Problem(?) ergab, dass man hierbei ein Geschlecht bevorzugt hätte, indem man es als erstes genannt hätte. Um dies zu umgehen, gibt es das sog. Binnen-I. Damit wird aus „Fußgänger und Fußgängerinnen“ einfach FußgängerInnen. Kennt man so oftmals inzwischen in Schulen, wo dann von LehrerInnen und SchülerInnen die Rede ist.

Zweckmäßig ist diese Lösung vielleicht, besonders hübsch sieht sie allerdings -in meinen Augen- nicht aus. Bei der Straßenverkehrsordnung ist man übrigens letztlich einen anderen Weg gegangen, und hat absolut geschlechtsneutral formuliert. Dort ist jetzt z.B. nur noch die Rede von „wer zu Fuß geht,…“. Damit umgeht man die sonstigen Fettnäpfchen, riskiert allerdings üble Satzkonstruktionen bzw. Satzungetüme. Man stelle sich nur einen Satz vor, in dem vorher Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger vorkamen, wohingegen jetzt von jemandem, der zu Fuß geht, jemandem, der ein Rad führt und jemandem, der einen Personenkraftwagen führt, gesprochen wird. Das wird dann schon alles ein wenig länger und im Zweifel auch unübersichtlicher. Gut, in Gesetzestexten ist das den meisten Menschen wahrscheinlich egal, da diese in der Regel gerne mal ein wenig „steif“ und verschachtelt konstruiert sind. Im ganz normalen Alltag wird es dann aber schon holprig.

Noch einen Schritt weiter geht man derzeit scheinbar bei der grünen Jugend. Wenn man sich dort als Mitglied (welch ein Glück, dass dieses Wort so schön neutral ist) anmelden möchte, muss man unter anderem auch sein biologisches Geschlecht angeben – warum auch immer. Dort kann man dann aber nicht einfach zwischen weiblich und männlich wählen, sondern erhält stattdessen folgende Optionen zur Auswahl:

mitglied_gruene_jugend

Ganz ehrlich, ich finde diese ganzen Feilereien an der Sprache und deren Auswüchse mitunter ein wenig „verstörend“. Mag daran liegen, dass es einfach so ungewohnt ist. Oder weil bei den ganzen Vorschlägen für mich eher ein Kampf der Geschlechter durchklingt, als bei den bislang gebräuchlichen sprachlichen Elementen, die so selbstverständlich genutzt wurden, dass erst niemand auf die Idee gekommen wäre, hier eine Unterdrückung oder Benachteiligung zu vermuten. Oder weil es -wenn man es im allgemeinen Alltag umsetzen wollen würde- zu einer ziemlichen Aufblähung der Sprache führen bzw. diese unnötig kompliziert machen würde. Wie wäre denn ein kurzes „Haltet den Dieb!“ geschlechtlich korrekt ausgedrückt? Wer sich gerade widerrechtlich einen Gegenstand angeeignet hat, ist unverzüglich aufzuhalten?!?

Wie seht ihr das? Welche Meinung habt ihr zum Thema Gleichberechtigung, auch und vor allem im Hinblick auf die Anpassungen bei der Sprache? Nerven euch die ständig neuen Formulierungen? Oder begrüßt ihr sie vielleicht? Kann die Nutzung der bisherigen, maskulin geprägten Sprache vielleicht tatsächlich zu weniger Sensibilität für das Thema Gleichberechtigung allgemein führen?


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