Machen Brillen Leute? Der K(r)ampf mit dem richtigen Gestell für den richtigen Typ

brillen_by_hhsow_pixelio.deWie einige von euch sicherlich wissen, bin ich Brillenträger. Meine erste Brille bekam ich während meiner Schulzeit. Wenn ich mich richtig erinnere, ging es damals in erster Linie um meine Schwester. Sie sollte beim Augenarzt untersucht werden und bei der Gelegenheit wurde meine Sehkraft dann auch gleich mal überprüft. Das Ergebnis war nicht allzu wild, eine Brille jedoch erforderlich. Theoretisch hätte es gereicht, wenn ich sie während des Unterrichts getragen hätte, aber da ich auf ewiges An- und Ausziehen der Brille keine Lust hatte, wurde es eine dauerhafte Einrichtung. So blieben mir dann wenigstens auch Peinlichkeiten erspart, wie diese hier, von der ich mal berichtete, als ein Kollege von mir etwas aufhob, ohne direkt erkennen zu können, was er da plötzlich in der Hand hielt.

Interessanterweise fand ich das damals auch gar nicht so schlimm, obwohl es optisch ja schon eine große Veränderung ist, wenn jemand plötzlich eine Brille trägt. Aber abgesehen von einem Spruch meines Biologie-Lehrers, der nur grinsend fragte, wer denn der neue Schüler da sei, gab es eigentlich keine blöden Kommentare, was die Sache für mich im Nachhinein betrachtet sicherlich einfacher machte.

Ein Arbeitskollege von mir, den ich auch nur mit Brille kenne, spielt derzeit mit dem Gedanken, sich Kontaktlinsen zuzulegen. Für mich war das irgendwie nie eine Option. Die Vorstellung, mir ans Auge fassen zu müssen, behagte mir noch nie. Klar, wenn man den Dreh einmal raus hat, ist das sicherlich alles kein großes Ding, schließlich beweisen dies täglich Millionen von Kontaktlinsenträgern. Aber auch mein Kollege hat genau damit momentan noch sehr zu kämpfen und muss das erst einmal „trainieren“, bevor an Linsen überhaupt zu denken ist.

Zudem kamen Kontaktlinsen für mich nie infrage, weil ich mich selbst als „Brillen-Typ“ empfinde. Eine Brille steht mir und verleiht mir -so blöd das jetzt vielleicht klingen mag- den Anschein von mehr Kompetenz und Intelligenz. Nicht, dass ich ohne Brille dümmer wäre, aber mit dem richtigen Gestell auf der Nase kann man optisch ganz einfach bei sich und vor allem anderen Menschen natürlich auch ganz andere Wirkungen entfalten. So gesehen ist eine Brille nicht nur ein Nutz-Gegenstand, sondern ein Kleidungsstück.

Der Spruch „Kleider machen Leute“ kommt ja nicht von ungefähr. So, wie bestimmte Kleider Wirkungen entfalten können, können das auch Brillen. Oder wie würdet ihr reagieren, wenn der Bank-Mitarbeiter plötzlich nicht im Anzug, sondern mit T-Shirt, kurzer Hose und Sandalen (mit weißen Sportsocken natürlich, ein bisschen Spießigkeit muss sein!) in der Bank vor euch stünde? An seiner tatsächlichen Kompetenz würde das nichts ändern, und dennoch käme uns die Situation -zumindest im ersten Moment- sicherlich irgendwie „falsch“ vor.

Was ich damit sagen will ist, dass man mit einer Brille auch wunderbar seinen eigenen Typ definieren oder unterstreichen kann. Man gibt damit ein Statement ab. Und da wir unserem Gegenüber bei einem Gespräch in der Regel in die Augen schauen, nimmt man gerade Brillen hierbei unterbewusst sicherlich ganz besonders stark wahr.

Nerd mit BrilleVon daher habe ich im Laufe der Zeit so manche Brille gehabt. Schließlich habe ich mich seit meiner Schulzeit als Mensch / Typ weiterentwickelt, was sich dann im Laufe der Zeit auch in völlig unterschiedlichen Brillengestellen niederschlug. Da waren es in der Schulzeit eher die farbigen Modelle und später auch mal eines mit Goldrahmen, wohingegen ich während meiner Zeit beim Bund dann sogar mal ein Modell besaß, welches den Rahmen ansatzweise in Tarnfleck-Farben gesprenkelt hatte.

Auch die Formen änderten sich. Anfangs waren mir möglichst große Gläser wichtig. Nicht, weil ich wie ein Nerd aussehen wollte, sondern weil die Brille noch ungewohnt für mich war und ich trotz Brille den Durchblick behalten wollte; dazu gehörte für mich, dass ich nicht plötzlich über einen Rahmen gucken konnte. Später wurden die Gläser dann kleiner und schmaler, was auch besser zu meinem Gesicht passte. Nach einer Phase mit randlosen Brillen bin ich in den letzten Jahren in der Phase, wo es gerne wieder einen deutlichen, meist schwarzen, Rahmen geben darf, der meinem Gesicht ein paar Ecken gibt.

Nur kommen wir genau an der Stelle zu einem Problem. Es ist gar nicht so einfach, ein Gestell zu finden, welches modern aussieht, eine passende Farbe hat und auch von der Form her zwar individuell ist, ohne aber zwanghaft nach Aufmerksamkeit zu schreien. Da ist die Auswahl bei den sog. „Kassen-Gestellen“ leider doch oftmals sehr übersichtlich. Ich bin sicherlich niemand, der ständig unbedingt Marken-Produkte kaufen will oder muss. Allerdings bin ich bei Brillen inzwischen an einem Punkt angelangt, wo ich durchaus eher auch mal zum Markenprodukt schiele.

Mir ist dabei völlig egal, ob darauf irgendwelche Logos sind. Die können sich die Hersteller von mir aus auch sparen. Allerdings merkt man den Gestellen oft einfach an, dass sie von Profis designed wurden, die eben nicht einfach nur einen nützlichen Gegenstand erstellen wollten, sondern einen, mit dem man -wie ich bereits oben schrieb- seinen eigenen Typ unterstreichen kann.

Schaut euch doch einfach mal beispielsweise die Marken-Modelle aus dem Edel Optics Shop an und vergleicht die mit dem, was man so an NoName-Gestellen beim Kassen-Optiker bekommt. Klar, Geschmäcker sind verschieden und mir gefällt längst nicht alles, was man in dem Shop so angeboten bekommt. Aber die Brillen mit dem „gewissen Etwas“, die aus der Masse herausstechen, ohne zu aufdringlich zu wirken, die finde ich persönlich inzwischen oftmals eher bei Marken-Herstellern.

Das bedeutet dann wohl, dass die nächste Brille bei mir vermutlich ein paar Euro mehr kosten wird. Aber so setzt wohl jeder im Leben seine ganz eigenen Prioritäten. Der eine schwört auf eine bestimmte Marke bei TV-Geräten, der andere kauft sich nur teure Marken-Handys und nichts günstiges aus Fernost. Manche handhaben es so bei Autos, wieder andere investieren gern ein paar Euro mehr in bestimmte Friseure oder kaufen nur Marken-Schuhe. Dann setze ich meine Priorität halt einfach mal bei der Brille. Den Augen ist es vermutlich egal, welches Gestell die Gläser festhält, aber ich selbst fühle mich einfach wohler, wenn ich weiß, dass das, was mir da mitten im Gesicht sitzt, optisch zu mir passt.

Wie ist das bei euch? Sind Brillenträger unter meinen Lesern? Achtet ihr sehr auf euer Brillengestell, oder war euch das nie besonders wichtig? Oder auch die Nicht-Brillenträger: ist euch schon einmal aufgefallen, dass Menschen ganz anders wirken, wenn sie plötzlich eine Brille tragen? Wenn ihr eine Brille tragen müsst (oder müsstet), würdet ihr dann zur Brille greifen, oder lieber zu Kontaktlinsen? Oder gar zu einer Laser-OP? Aus welchen Gründen?

Foto oben: hhsow / pixelio.de
Foto unten: Tim Reckmann / pixelio.de

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