Mach es dir doch einfach selbst!

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Wer aufgrund der Überschrift glaubt, dass es in diesem Artikel etwas „zweideutig“ zugehen wird, liegt genau richtig! Und doch fängt alles ganz harmlos an: als ich damals, vor vielen Jahren, damit anfing, meine ersten Gehversuche mit HTML zu machen und erste eigene Webseiten zu gestalten, da griff ich als Editor zu Microsoft Frontpage. Das war ein relativ simpel gehaltener Editor, der wie ein Baukasten aufgebaut war, so dass man sich seine Webseiten mit wenigen Handgriffen zusammenklicken konnte. Er war Bestandteil der Office-Suite, die damals bei meinem PC dabei war. Einfach Web-Elemente auswählen und an der gewünschten Stelle platzieren. Optisch bekam man letztlich das, was man auf seinem Monitor sah, aber der durch den Editor automatisch erstellte HTML-Code war einfach gruselig. Unstrukturiert, einzig und allein auf den Internet Explorer ausgelegt und völlig ohne die Beachtung irgendwelcher Standards.

Das erkannte ich selbst als damaliger Laie schnell, so dass ich Frontpage früh den Rücken kehrte. Webseiten wollte ich dennoch weiterhin erstellen können. Also investierte ich Fleiß und Zeit, las Bücher und Tutorial-Seiten im Netz und eignete mir Stück für Stück das Wissen an, das notwendig war, um die Webseiten-Ideen, die ich im Kopf hatte, in die Tat umsetzen zu können. Von daher reichte mir schon bald ein einfacher Text-Editor aus, um den HTML-Code ohne irgendwelche Baukasten-Systeme zu erstellen. So ist es bis heute geblieben. Zwar nutze ich inzwischen gerne Text-Editoren mit HTML-Zusatzfunktionen (z.B. Hervorhebung der Code-Syntax), aber dennoch konzentriere ich mich fast ausschließlich auf die direkte Bearbeitung des Quellcodes und lasse die Finger von manuellem Hin- und Herschieben von Elementen und automatischer Code-Generierung.

Andererseits kann ich verstehen, dass nicht jeder Zeit und Lust hat, sich in die Materie einzuarbeiten und stattdessen lieber auf entsprechende Baukästen zurückgreift, um in kurzer Zeit optisch ein Ergebnis zu haben, dass er sich ungefähr so vorgestellt hat. Als ich mich jedoch neulich in meinen Facebook-Account eingeloggt hatte, wurde mir doch glatt ein Homepage-Baukasten als gekaufter Beitrag empfohlen, bei dem unfreiwillig(?) eine gewisse Komik aufkam:

Wix

Der Name allein mag dem Umstand geschuldet sein, dass es sich um einen internationalen Service handelt und der Begriff „Wix“ vielleicht nur im deutschsprachigen Raum gewisse Assoziationen weckt. Ob sich die Nutzer des Dienstes selbst als „Wixer“ bezeichnen, entzieht sich im übrigen meiner Kenntnis. Im Zusammenspiel mit dem kommunizierten Inhalt des Angebotes (Homepage zum Selbermachen) können entsprechende Wortspiele dann aber eigentlich nicht mehr vermieden werden. Insgesamt bleibt von der Anzeige die Botschaft hängen: „Eigene Website? Mach es dir doch einfach selbst – mit Wix! Wixen ist einfach und kostenlos!“

Ob das wohl Absicht war? Oder reiner Zufall? Oder ist es letztlich vielleicht einfach nur meiner schmutzigen Phantasie geschuldet? Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß ist, dass ich die gesponsorten Facebook-Anzeigen plötzlich gar nicht mehr so störend empfinde, sondern mich vielmehr darauf freue, vielleicht noch die ein oder andere unfreiwillig komische Pointe präsentiert zu bekommen.


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