Pfandflaschen gegen Armut – Kleinvieh macht auch Mist

PfandflaschenIch kann mich noch gut daran erinnern, wie ich vor einiger Zeit mit dem Auto an einer roten Ampel stand. Während ich darauf wartete, dass die Ampel umschaltete, sah ich zur Bushaltestelle auf der anderen Straßenseite herüber. Dort näherte sich ein älterer Rentner zu Fuß der Haltestelle. Die wenigen Haare auf seinem Kopf waren akkurat gekämmt, sein Gang war für sein Alter sehr fest und er trug einen Anzug, der zwar offensichtlich seine besten Zeiten hinter sich hatte, der aber auch zeigte, dass der Rentner Wert darauf legte, „ordentlich“ auszusehen. Ähnlich war es mit seinem Gesicht. Auch dieses war gezeichnet von den Zeichen der Zeit, die Jahre hatten ihre Spuren hinterlassen. Er ging zielsicher auf den Aushang mit den Fahrplänen zu.

Ich machte mir noch Gedanken darüber, dass es sich um einen dieser typischen „Opas“ handelte, die sich auch nach einem harten, langen Leben nicht hängen ließen, sondern auch im „Herbst ihres Lebens“ noch darauf achteten, nach außen hin ordentlich und adrett zu wirken, weil man so aufgewachsen war und erzogen wurde. Doch als er bei den Fahrplanaushängen angekommen war, musste ich schlucken. Denn dieser stolze, alte Mann in seinem Anzug wollte gar keinen Blick auf den Fahrplan werfen. Er war aus einem anderen Grund dort:

Er griff in den Mülleimer, der unterhalb der Aushänge angebracht war, wühlte ein wenig mit der Hand darin herum und zog schließlich eine Pfandflasche heraus, die er in einen Beutel steckte, den er mit sich führte. So wie der Beutel aussah, steckten schon ein paar weitere Flaschen darin. Mir tat der Mann in dem Moment sehr leid. Vermutlich besserte er auf diesem Weg seine Rente auf. Aber dafür im Müll herumwühlen zu müssen?

Da wurde mir wieder einmal bewusst, wie viel Armut um einen herum inzwischen herrscht, wenn man ganz bewusst darauf achtet. Neulich gab es hierzu einen Bericht in unserem lokalen Radio, in dem über die Organisation „die Tafel“ berichtet wurde, die bei uns in der Stadt für Bedürftige wieder spezielle Pakete aus Geld- und Sachspenden gepackt und verteilt hatte. Inzwischen gibt es Tafeln ja bereits in vielen Städten. Diese versorgen Bedürftige mit allem Notwendigen, von Kleidung bis zu Nahrung. Realisiert wird das alles zum einen aus Sachspenden aus der Bevölkerung und auch von örtlichen Händlern und Supermärkten, die einen Teil ihrer Waren der Tafel übergeben, statt sie wegzuwerfen. Zum anderen finanziert sich das alles natürlich auch durch Geldspenden.

Hierbei gehen die Tafeln einen interessanten Weg. Jeder von uns hat sicherlich schon mal Pfandflaschen im Markt an den Rückgabeautomaten zurückgegeben. Man erhält dann einen Pfandbon, den man an den Kassen mit seinem Einkauf verrechnen lassen kann. Genau hier setzen die Tafeln an. In einer Kooperation mit Lidl hat man an den Rückgabeautomaten die Option eingebaut, dass man den Betrag -oder auch nur einen Teil davon- spenden kann, statt ihn sich auszahlen zu lassen.

Das sind selbstverständlich oftmals nur Klein- und Kleinstbeträge, aber sie summieren sich. Allein bei Lidl wurden durch derartige Pfandbon-Spenden inzwischen sechs Millionen Euro für den Bundesverband Deutsche Tafel e.V. gesammelt. Und weitere Märkte / Ketten haben sich diesem Projekt inzwischen ebenfalls angeschlossen.

Habt ihr bei euren Märkten schon einmal einen solchen Pfandflaschen-Rückgabeautomaten mit Spendenfunktion gesehen oder vielleicht sogar genutzt? Käme für euch eine Spende dieser Art infrage? Haltet ihr dieses Konzept für sinnvoll? Und wie sieht generell die Lage bei euch vor Ort aus – gibt es dort Tafeln oder ähnliche Einrichtungen?

Foto: hupe-graphics / pixelio.de

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