Ja, ich war mal Zocker…

ComputerspielMeine erste Videospiele-Konsole war ein Atari VCS2600, den man an den Fernseher anschließen konnte, recht simpel gehaltene Spiele in grobpixeliger Grafik genießen zu können. Mit heutigen Spielen natürlich nicht im geringsten zu vergleichen, aber damals echte Highlights. Immerhin konnte man selbst steuern, was sich da auf dem Bildschirm bewegte. Den Rest erledigte die eigene Phantasie. Es folgte ein Atari 600XL, mit dem man selbst Spiele in der Programmiersprache BASIC programmieren konnte. Optisch erinnerten die Ergebnisse frappierend an das, was beim VCS2600 herauskam, mit dem Unterschied, dass man es hier selbst in liebevoller Kleinarbeit und durchgetippten Nächten programmiert oder aus Magazinen abgetippt hatte. Gespeichert wurden die eigenen Programme damals übrigens noch nicht auf Disketten (die heute nicht mehr jeder kennt), sondern auf handelsüblichen Musik-Kassetten (die heute noch weniger kennen), die als „Datasetten“ genutzt wurden.

Grafisch und auch spielerisch deutlich vorwärts ging es dann, als ich zum „Nintendo-Jünger“ wurde. Grundsätzlich gab es in den Schulen zwei Fraktionen. Die einen waren Sega-Fans und huldigten ihrem blauen Igel Sonic, die anderen waren Nintendo-Jünger und verehrten den kleinen, dicken, italienischen Klempner Mario. Persönlich fand ich beide Welten reizvoll, entschied mich aber letztlich dann doch für Nintendo. Immer beide aktuellen Konsolen zuhause stehen zu haben, wäre dann doch zu teuer geworden. So hielten dann nach und nach NES, Super Nintendo und Gameboy bei uns Einzug.

Wie gesagt, grafisch war es auf jeden Fall eine Verbesserung zu den alten Atari-Systemen und auch was die spielerische Qualität der Games anging, sind Mario, Link (Zelda) & Co. selbst heute wohl noch über jeden Zweifel erhaben. Dennoch drehte ich irgendwann den Konsolen den Rücken, als ich feststellte, dass die gleichen Spiele für Konsolen meist ungleich teurer waren als für PCs. Außerdem gab es keine gescheiten Fußball-Manger-Spiele für Konsolen, wohingegen der Bundesliga-Manager und die Anstoß-Serie auf dem PC fast schon legendär waren.

Ich stieg also auf PC-Spiele um, in der Hoffnung, so auf Dauer eine Menge Geld sparen zu können. Das war natürlich eine komplette Fehleinschätzung, wie ich schon bald erfahren musste. Denn zwar sind die Spiele auf der einen Seite günstiger, auf der anderen Seite erforderten die Spiele aber auch immer wieder aktualisierte und leistungsfähigere PC-Komponenten. Mehr Festplattenspeicher hier, mehr RAM dort, bessere Grafikkarten waren sowieso fast an der Tagesordnung. Das ging dann doch auf Dauer ganz schön ins Geld – von der ganzen Ein- und Ausbauerei der Komponenten und dem manchmal nicht ganz unkomplizierten Wechsel der Treiber im Windows-System ganz zu schweigen.

Irgendwann, als die Zeit zum Zocken generell immer weniger wurde, wollte ich die Zeit nicht mehr mit Herumbauen am PC verschwenden, weswegen ich mich wieder mehr mit Konsolen beschäftigte. Die waren ja doch immer einige Jahre aktuell und ein Spiel lief, indem man es einlegte. Keine Konfiguration, keine Anpassung, keine langwierige Installation, in der Regel keine Patches nachinstallieren – stattdessen einlegen und loslegen. Sega war inzwischen mehr oder weniger Geschichte, stattdessen kamen die Playstation von Sony, die Wii von Nintendo und die Microsoft XBox ins heimische Wohnzimmer. Doch so richtig glücklich wurde ich mit denen auch nicht mehr.

Wie gesagt, es fehlte zumeist einfach die Zeit, sich tiefer mit den Spielen auseinanderzusetzen. Hier und da mal ein Fußball- oder Renn-Spielchen, das war drin. Aber um sich abends noch die halbe Nacht in dunklen Verliesen um die Ohren zu schlagen und Rätsel in Labyrinthen zu lösen, danach stand mir einfach nicht mehr der Sinn. Schnell und kurzweilig musste sie sein, die Unterhaltung. „Richtige“ Spieler, sog. „Core-Gamer“ würden bei mir vermutlich inzwischen abfällig von einem „Casual-Gamer“ sprechen, der halt ab und an mal ein wenig kurzweilige Unterhaltung möchte, ohne ein Spiel intensiv meistern zu wollen. Und sie hätten Recht damit.

Das ist eine allgemeine Entwicklung, die sich in der breiten Masse inzwischen durchgesetzt zu haben scheint. Core-Gamer gibt es immer weniger, Casual-Gamer immer mehr. Die Gaming-Industrie hat das erkannt und sich dementsprechend angepasst. Gelegenheitsspieler haben sogar einen entscheidenden Vorteil auf ihrer Seite: sie können ihr Hobby sehr kostengünstig ausüben!

Als Gelegenheits-Spieler braucht man nämlich keine Konsole und auch keinen hochgezüchteten PC. Entweder greift man zum Smartphone, für welche es inzwischen eine unüberschaubare Vielzahl von Casual-Games gibt. Oder man setzt sich an den Laptop oder PC und spielt online irgendwelche Browsergames. Hierbei handelt es sich um Spiele, die -meist kostenlos- komplett im Browser laufen und meist auch auf schwachen Systemen wie z.B. einfachen Office-PCs ohne Probleme lauffähig sind. Egal ob Jump’n’Run, Strategie, Sport, Knobelspiel, Glücksspiel, Actionspiel – es gibt für nahezu jeden Geschmack das passende Browser-Spiel.

Wart ihr früher auch Zocker, oder seid es vielleicht sogar heute noch? Was habt ihr so gespielt, auf welchen Systemen? Wart oder seid ihr eher Core-Gamer (Hardcore-Zocker), oder doch eher Casual-Gamer (Gelegenheits-Spieler)? Spielt ihr vielleicht sogar regelmäßig Browser-Games? Oder ist das alles gar nichts für euch?

Foto: Stefan Bayer / pixelio.de

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