Einschneidende Erlebnisse – wenn kurze Momente für den Rest des Lebens prägen

Es gibt Vorfälle im Leben, die vergisst man einfach nicht. Sie brennen sich förmlich ins Gedächtnis ein. Mal handelt es sich dabei um positive Dinge, die einem widerfahren sind, häufig aber auch um negative. Die negativen Momente bleiben einem in der Regel leider sogar präsenter im Kopf.

Ein solches Ereignis während meines Studiums ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben, obwohl ich selbst davon nur indirekt betroffen war. Aber es hat mein Leben bzw. die Sicht auf ebenjenes durchaus beeinflusst.

Zwischen zwei Vorlesungen war ich damals mit ein paar Freunden in der Mittagspause etwas in der Uni-Mensa essen. Wir waren damals alle ungefähr gleich alt, im Alter zwischen Anfang und Mitte 20. Es war -wie so oft- eine lustige Pause vom Lern-Stress. Das Essen war ok und wir alberten viel herum. Da es bis zur nächsten Vorlesung noch ein Stündchen war und das Wetter sich an jenem Tag von seiner besseren Seite zeigte, beschlossen wir nach dem Verlassen der Mensa noch ein wenig in den Park-Anlagen in der Nähe der Uni spazieren zu gehen, um die Sonne zu genießen. Verdauungsspaziergänge sind also auch etwas für junge Leute. Natürlich gingen wir nicht, sondern wir „schlurften“, wie das anständige Studenten halt so machen. Ihr kennt das: man geht hierbei sehr langsam, schließlich hat man als Student ja alle Zeit der Welt, und hebt dabei kaum die Füße an, schließlich muss man sich als Student seine Kräfte einteilen.

Wir „schlurften“ also durch die Sonne, als ich bemerkte, dass einer meiner Freunde zu seiner Hand griff, diese ein paar Mal zur Faust ballte und sie dann knetete. Ich fragte ihn, ob alles in Ordnung sei, was er bejahte. Er sagte, dass seine Hand wohl eingeschlafen wäre und es jetzt so fies in den Fingerspitzen kribbeln würde.

Ich sagte ihm im Scherz, dass er bloß aufpassen solle, so ein Kribbeln in den Fingerspitzen sei schließlich auch ein Frühwarn-System für einen bevorstehenden Herzinfarkt. Er lachte und meinte, dass er mit Anfang 20 wohl kaum in die Risiko-Gruppe fallen würde, als Student jedoch sehr wohl in die Gruppe derer, die gerne mal einschlafen… und wenn es nur die Hand sei. Wir lachten alle und verbrachten noch einen lustigen und sonnigen Tag. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht mehr, ob wir danach noch in die Vorlesung gegangen sind, oder ob die Sonne an dem Tag zu verlockend war.

Am nächsten Tag wunderten wir uns allerdings, dass unser Freund nicht in der Uni auftauchte und auch nicht auf SMS reagierte. WhatsApp gab es damals noch nicht. Wenig später stellte sich dann heraus, was ihr euch sicherlich schon denken könnt: er hatte einen Herzinfarkt. Zum Glück nur einen leichten, der ihn nicht lange außer Gefecht setze. Dennoch war das für ihn -und auch uns- eine intensive Erfahrung. Da ist selbst ein „leichter“ Herzinfarkt nichts, womit man spaßen sollte. Und wie gesagt, unser Freund war damals erst Anfang 20!

Man glaubt halt immer, dass so ein Herzinfarkt nur alte Menschen trifft. Dem ist aber nicht (mehr) so. Neulich erst las ich in einem Artikel, dass Herzinfarkt-Opfer immer jünger werden. Es kann jeden treffen, jederzeit. Das ist uns damals durch dieses Ereignis klar geworden.

Ich habe daraus im Laufe der Jahre meine Schlüsse gezogen. Nein, ich lebe nicht jeden Tag, als wenn es mein letzter wäre. Ehrlich gesagt finde ich dieses beliebte Motto sogar ziemlich dämlich, denn zum einen macht das kaum jemand wirklich, und zum anderen würde wahrscheinlich einiges zusammenbrechen, wenn jeder nach diesem Motto leben würde. Aber ich versuche inzwischen, bewusster zu leben, indem ich -wie auf Netdoktor gelesen- darauf achte, mehr Bewegung in mein tägliches Leben einzubauen. Das fängt schon bei Kleinigkeiten an, bei denen man dann einfach mal für ein paar Etagen das Treppenhaus statt des bequemen Aufzugs nutzt oder kleinere Strecken auch mal ohne Auto zurücklegt. Zudem lege ich wert darauf, mir auch meine Auszeiten zu gönnen. Etwas, dass man vor allem in jungen Jahren gerne mal vernachlässigt, wo man den eigenen Akku immer mit 150% zu belasten versucht, schließlich strotzt man doch nur so vor Energie. So verhielt sich auch mein Freund. Er nahm seinen ganz persönlichen Stress überhaupt nicht wahr. Subjektiv lebte er stressfrei, objektiv sah die Sache laut seinem Arzt für seinen Körper allerdings ganz anders aus.

Rückblickend betrachtet war das ein Ereignis, welches mich, meine Sicht auf das Leben allgemein und meines im Speziellen, sehr geprägt hat. Natürlich denke ich nicht in jeder Sekunde daran und hin und wieder erwische ich mich auch dabei, wie ich genau so lebe, wie ich mir das eben nicht vorgenommen habe. Aber insgesamt kehrt diese Erinnerung an den Vorfall in unregelmäßigen Abständen und bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten in mein Gedächtnis zurück – und es wirkt!

Wie sieht es bei euch aus? Hattet ihr auch mal einschneidende Erlebnisse in eurem Leben, die sich in eurer Erinnerung verankert haben, und welche euch bzw. euer Leben ein Stück weit verändert oder geprägt haben? Es müssen ja nicht immer Krankheiten oder Tode sein, auch weniger intensive Vorfälle können ja bereits dazu führen, dass es im Kopf „Klick“ macht und man etwas ändert, was man sonst nicht geändert hätte.


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