Von der Schwarzwaldklinik in die Zukunft – Fernsehprogramm damals, heute und in Zukunft

FernbedienungFernsehen ist einfach nicht mehr das, was es einmal war. Damals, als ich noch jung war, gab es nur eine handvoll Sender. ARD, ZDF, ein drittes Programm, später kam RTL hinzu, erst einige Zeit später wurde Sat1 bei uns eingespeist. Die Aufteilung war klar damals gegliedert. Die öffentlich-rechtlichen Programme waren noch wesentlich populärer und unumstrittener als heute. Auf dem ZDF war die Schwarzwaldklinik Kult, das Traumschiff schipperte herum, ein weiteres Flaggschiff des ZDF war Elstners bzw. Gottschalks „Wetten, dass…?“, und Werbepausen wurden durch die Mainzelmännchen Anton, Berti, Conni, Det, Edi und Fritzchen aufgelockert.

In der ARD lief hingegen -immerhin das ist geblieben- die Tagesschau und natürlich auch die Sportschau. Das Vorabend-Programm bestand aus amerikanischen Serien wie „Falcon Crest“, „Hart, aber herzlich“ und „Ein Colt für alle Fälle“, aber auch deutschen Klassikern wie „Ich heirate eine Familie“, die Lindenstraße und das Großstadtrevier. Die Mainzelmännchen der ARD hießen Ute, Schnute und Kasimir. Filme des Abendprogramms wurden teilweise per TED gewählt und vorher durch Ansagerinnen angesagt. Jürgen von der Lippe moderierte Sendungen wie „Geld oder Liebe“ oder auch das freche Format „Donnerlippchen“, während Michael Schanze im Flitterabend mit Brautpaaren spielte, lange bevor Linda de Mol dies auf RTL in der Traumhochzeit tat. Und Paola & Kurt Felix versuchten Menschen mit versteckter Kamera aufs Korn zu nehmen.

RTL suchte sich hingegen immer konsequent dort die Lücken, wo die öffentlich-rechtlichen Sender diese Lücken hinterließen. Mittags gab es amerikanische Soaps wie den „California Clan“, danach „Eine Schrecklich nette Familie“ oder „Sledge Hammer!“ abends amerikanische Action-Serien wie das „A-Team“, „Der 6-Millionen-Dollar-Mann“ und „Knight Rider“, oder auch mal einen gemütlicheren „Columbo“. Spät abends folgte am Wochenende „RTL Samstag Nacht“, eine Sendung, die Comedians hervorgebracht hat, die oft heute noch erfolgreich im Geschäft sind. Ganz spät abends kamen dann Erotikfilme wie „Eis am Stiel“, die heute als Komödie im Nachmittagsprogramm laufen – so ändern sich die Zeiten.

Und heute? Heute gibt es immer noch „Wetten, dass…?“, nur dass es nicht mehr so viele interessiert. Und die, die es sich ansehen, schauen es nur noch, um darüber herziehen zu können. Die zwischenzeitliche Phase der Talkshows haben wir zwar überstanden, dafür suchen heute Bauern irgendwelche Frauen, andere Männer tauschen ihre Frauen für eine Woche, Pro7 spielt in Dauerschleife Serien wie „How I Met Your Mother“, „Two and a Half Man“ und „Scrubs“, bis selbst der größte Fan diese Serien nicht mehr sehen kann. Die ARD versucht derweil, Konzepte der Privat-Sender zu kopieren, weil Quote scheinbar trotz Zwangsgebühren eine Rolle zu spielen scheinen. Und als wäre das alles nicht schon tragisch genug, duellieren sich dann auch noch Oliver Pocher und der in die Jahre und Kilos gekommene Boris Becker.

Noch nie hatte ich so viel Auswahl an Sendern im Fernsehen – und gleichzeitig so wenig Wahl zwischen wirklich interessanten Sendungen. Die meisten Eigenproduktionen sind zum Weinen, viele Filme hat man schon zig tausend mal gesehen… außer dann, wenn man mal wirklich Bock darauf hätte. Gute Dokumentationen kann man mit der Lupe suchen. Ich habe da langsam wirklich keine Lust mehr drauf.

Da die Serien und Filme, die ich gerne schaue, nie dann laufen, wenn ich das will -wenn sie denn überhaupt laufen- bin ich dazu übergegangen, mir Filme und Videos auf Abruf bei Diensten wie Watchever anzuschauen. Kostet dank günstiger Flatrates ja alles nicht mehr die Welt und ich kann mir die Serie oder den Film ansehen, den ich wirklich sehen möchte – und zwar dann, wenn ich es möchte. Ohne nervige Unterbrechung für Klingeltonwerbung oder Vaginaltabletten. Klassisches Fernsehen ist dafür nicht mehr zu gebrauchen. Weder von der Flexibilität, noch von der Qualität oder Originalität und dem Abwechslungsreichtum, wie es ihn früher mal gab. Stattdessen mehr Auswahl von Einheitsbrei und Wiederholungen. Da ist irgendwas schiefgegangen.

Ich denke, dass Videos auf Abruf, oder eben „Video on Demand“ tatsächlich die Zukunft darstellt, was Fernsehen angeht. Schließlich hat sich das Fernsehen stets entwickelt. Zuerst war es einfach neu. Dann wurde es farbig. Es folgten immer mehr Sender mit unterschiedlichen Konzepten. Die Geräte wurden flacher. Es kam HDTV. Man muss sicherlich nicht jeden Mist mitmachen. Versuche mit interaktivem Fernsehen, bei dem man mittels Telefon oder Apps über den Fortgang der Handlung abgestimmt werden konnte, haben sich zum Beispiel trotz einiger Versuche nie so recht durchgesetzt. Aber jetzt, in einer Zeit, in der wir alle zeitlich immer flexibler werden müssen, ist zeitlich flexibles Fernsehen der nächste, logische Schritt.

Habe ich Bock auf ein bisschen Comedy mit „The Big Bang Theory“ oder „Community“? Kein Problem, steht auf Abruf bereit. Oder steht mir der Sinn doch eher nach ernsterem Inhalt wie „Breaking Bad“? Steht auf Abruf bereit. Genauso wie Klassiker a la „A-Team“ und „Mac Gyver“, oder die Mutter aller moderner Mysterie-Serien, „Das Geheimnis von Twin Peaks“. Das bekommt man im normalen TV-Programm teilweise gar nicht mehr zu sehen – und erst recht nicht zu den Zeiten, zu denen es einem selbst passt. Im Prinzip ist es wie der Zugang zu einer eigenen Videothek… nur ohne das Haus verlassen zu müssen.

Wie sieht es bei euch aus? Schaut ihr noch viel Fernsehen? Oder fandet ihr das Programm früher besser? Was waren eure Lieblings-Serien? Nutzt ihr heutzutage Video-on-demand Angebote, oder was hält euch davon ab?

Foto: Urs Mücke / pixelio.de

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