Irre Geldverschwendung bei Bau-Projekten

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GeldLetzte Woche wurde -wie jedes Jahr- vom Bund der Steuerzahler das neue „Schwarzbuch 2013“ vorgestellt. Darin werden besonders krasse Fälle von Steuergelder-Verschwendung aufgelistet. Meist handelt es sich dabei um völlig unsinnige Bau-Projekte, in die Unsummen öffentlicher Gelder investiert werden. Mindestens so lange, bis jemand merkt, dass es sich dabei um ein Fass ohne Boden handelt oder das ganze Projekt eigentlich völliger Blödsinn ist. Manchmal aber auch noch länger. Und auch abseits von Bau-Projekten gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, Steuergelder zu „verbrennen“.

Wer Interesse daran hat: das Buch gibt es auf der Seite vom Bund der Steuerzahler kostenlos zum Download. Sollte man aber wirklich nur dann lesen, wenn man besonders gute Laune hat, denn sonst kann es passieren, dass man vom Glauben abfällt und kreischend aus dem Fenster springt.

Aber auch ohne Bücher wie das Schwarzbuch gibt es in den Medien ja immer wieder Berichte über Projekte, die plötzlich „geringfügig“ teurer als geplant werden. Gerade Großprojekte wie der Bahnhof Stuttgart 21 oder der allseits beliebte Berliner Flughafen, der sich für keinen Gag zu schade ist, stehen da gerne im medialen Fokus.

Da stehen dann plötzlich irgendwelche Prüfer auf der Matte und man stellt als Bauherr völlig unvorbereitet fest, dass so ein Flughafen tatsächlich ein Brandschutzkonzept braucht. Wer hätte auch damit rechnen können? Oder die Rolltreppe muss abgerissen und neu gebaut werden, weil sich herausstellt, dass die ursprüngliche Version zu kurz ist. Kann ja alles mal passieren. Theoretisch könnten die Leute auf der Rolltreppe ja auch ruhig einfach mal ein wenig springen. Oder der Bahnhof kann plötzlich doch viel weniger Züge abfertigen, als ursprünglich kalkuliert wurde, weil… tja, warum eigentlich? Aber ist ja auch eigentlich egal, schließlich ist man ja angeblich immer schon längst über den Punkt hinaus, an dem ein Abriss günstiger wäre als die Weiterführung der Prestige-Objekte.

Liest man solche Dinge, kommen einem irgendwann unweigerlich Zweifel an der Kompetenz von Bauherren, Architekten und Planern hierzulande. Und das, wo Deutschland doch immer gerne als Vorbild für perfekte Organisation und Planung herangezogen wird. Da stellt sich zwangsläufig die Frage, ob so ein Mist in anderen Ländern eigentlich auch vorkommt.

Die beruhigende Antwort: ja, kommt es! Und teilweise stehen die den deutschen Rolltreppen, die ins Nirgendwo führen, in nichts nach. Beispiel gefällig? In Spanien sollte ein echtes Vorzeige-Projekt entstehen. Ein Wohngebäude mit 47 Etagen und 188 Metern Höhe, damit das höchste Wohngebäude in der Europäischen Union. Blöd nur, dass man erst nach Fertigstellung der 47. Etage bemerkte, dass der Architekt den Aufzug vergessen hatte! Aber was soll’s, bringt man seine Einkäufe halt durch das Treppenhaus in den 47. Stock. So bleibt man wenigstens fit. Der Pizzabote muss dann eben auch ein wenig mehr Zeit einkalkulieren.

Zur Ehrenrettung des Architekten sei gesagt, dass er den Aufzug nicht komplett vergessen, sondern nur völlig falsch kalkuliert hat. Ursprünglich sollte das Gebäude nur 20 Stockwerke haben. Es wurde dann später aber auf 47. Etagen aufgestockt. Hier zog der Architekt dann nur den bestehenden Aufzugschacht nach oben. Er vergaß, dass man bei mehr als doppelt so vielen Stockwerken / Wohnungen zum einen durchaus mehr Aufzüge brauchen könnte, und dass die gesamte Anlage mehr Hebekraft und somit auch deutlich mehr Platz benötigt. Platz, der jetzt nicht da ist.

Vielleicht lässt man ja auch einfach die Arbeiter in dieses Haus ziehen, die es gebaut haben. Die sind Treppensteigen nämlich gewohnt. Erst nach Fertigstellung der ersten 23 Etagen wurde nämlich ein Lastenaufzug auf der Baustelle installiert. Vorher ging man eben zu Fuß oder musste auf den Kranführer hoffen.

Gibt es bei euch in der Umgebung auch Bauprojekte, die ihr nicht nachvollziehen könnt? Wo Gelder förmlich verbrannt werden? Welche sind das? Und wie fühlt ihr euch, wenn ihr neue Hiobs-Botschaften zu Mammut-Projekten wie Stuttgart 21 oder dem Berliner Flughafen BER lest / hört? Nehmt ihr das nur noch belustigt zur Kenntnis, wundert ihr euch über so viel Inkompetenz oder ärgert ihr euch richtig über die Millionen, die da sprichwörtlich in den Sand gesetzt werden?

Foto: Claudia Hautumm / pixelio.de
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