Gibt der Stift in der Hand Halt für das Leben?

MeetingNeulich saß ich auf der Arbeit mal wieder in einer Besprechung. Neudeutsch spricht man gemeinhin ja auch gerne von einem Meeting. Diese Meetings sind eine ziemlich komplexe Sache. Sie können eine Menge bringen, da man untereinander Ideen und Sachstände austauschen kann, um alle Beteiligten auf einen gleichen Kenntnisstand zu bringen oder auch von spontanen Ideen anderer bei Problemlösungen zu profitieren. Andererseits können solche Meetings auch schnell in Blabla abdriften, bei dem man zwar eine Menge (be)spricht, aber letztlich wenig dabei herumkommt.

Diesmal war das Meeting aber weniger darauf ausgelegt, irgendwelche Probleme oder Sachstände zu diskutieren, sondern es ging um die Vorstellung eines angedachten Projekts, welches nun bereits einmal grob skizziert werden sollte, so dass wir uns im Nachgang alle Gedanken darum machen können, bis wir dann in einem Folgemeeting gemeinsam näher ins Detail gehen werden.

Trotz immer weiter voranschreitender Technik wird eine Sache bei solchen Meetings allerdings wahrscheinlich nie aussterben:

Ich würde mal behaupten, dass wir einen recht gut ausgestatteten Besprechungsraum bei uns haben. Auf einem Beamer kann man gemeinsam Webseiten ansehen oder natürlich auch die allseits gefürchteten Powerpoint-Präsentationen ablaufen lassen. Zudem nutzt der ein oder andere inzwischen einen Tablet-Computer statt einem Notizblock, um sich kurze Stichwörter zu notieren.

Aber trotz all dieser Technik steht weiterhin das Whiteboard wie ein Fels in der Brandung in der Ecke des Besprechungsraums und wird dort auch immer wieder gerne und rege in Anspruch genommen. Mich selbst kann ich davon noch nicht einmal ausnehmen. Es ist halt doch immer noch leichter, mit einem Whiteboard-Marker schnell etwas groß auf das Whiteboard zu schreiben, statt es auf einem Laptop einzugeben und dann über den Beamer an die Wand zu projizieren. Wirklich erklären kann ich mir das nicht, aber es fühlt sich einfach „natürlicher“ an als die digitale Variante. Vielleicht liegt es ja auch ganz einfach daran, dass man beispielsweise ein Tablet nicht während der ganzen Zeit des Meetings in der Hand hält. Bei Stiften sieht das schon anders aus. Da hält man sich gerne an einem Kugelschreiber fest – oder eben an einem Marker.

Ich ertappte mich zwischendurch selbst einmal dabei, dass ich mich gedanklich kurz aus der Projektvorstellung „ausklinkte“ und in Gedanken versunken einen der auf dem Tisch liegenden Whiteboard-Marker in der Hand drehte. Das ging sogar so weit, dass ich mich über den Hersteller des Whiteboard-Markers wunderte. Man kennt ja die „üblichen Verdächtigen“ bei solchen Markern, aber die vorliegenden hatten einen Aufdruck von OTTO. Ok, dass die unter OTTO Office inzwischen eine eigene Büroartikel-Sparte etabliert haben wusste ich zwar, aber dass dort auch unter eigenem Label Produkte veröffentlicht werden, das war mir neu. Es reichte immerhin, um mich gedanklich ein Weilchen aus dem Meeting zu reißen. Ist aber glücklicherweise niemandem aufgefallen.

Stattdessen hatte ich die Gelegenheit, noch ein wenig die Kollegen zu beobachten, die meinen Verdacht bestätigten. Fast jeder von ihnen -egal ob Männlein oder Weiblein- hatte irgendeinen Stift in der Hand. Obwohl kaum jemand von ihnen etwas mitschrieb. Es scheint wirklich so zu sein, dass man während Meetings nicht einfach so dasitzen will, sondern irgendeine unterbewusste Beschäftigung braucht. Und sei es nur das Drehen eines Stiftes. Ein Punkt, der möglicherweise dafür verantwortlich ist, dass Whiteboards in Besprechungen niemals aussterben werden.

Ich weiß gar nicht mehr, ob das in der Schule auch schon so war? Kann sich da jemand von euch noch dran erinnern? Hatte man da auch ständig den Füller oder Kugelschreiber in der Hand, selbst wenn nichts geschrieben wurde? Und konntet ihr ähnliche Erfahrungen vielleicht bei euch auch schon beobachten? Meint ihr, dass es der reine Drang nach Beschäftigung ist, der uns Stifte in der Hand halten lässt? Oder gibt uns das psychologisch vielleicht auch ein Stück weit Halt, weil man metaphorisch etwas hat, woran man sich festhalten kann, damit die Hände nicht nur nutzlos in der Gegend hängen?

Foto: plumbe / pixelio.de

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