Die Finanz-Industrie: raffgierig, dumm oder einfach phantasielos?

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GeldDie Renten sind sicher… den Spruch hat wohl jeder schon einmal gehört. Er geht zurück auf eine Werbekampagne der CDU aus dem Jahr 1986, in welcher sich Norbert Blüm entsprechend inszenierte. Inzwischen dürfte so ziemlich jedem von uns klar geworden sein, dass die Rente leider nicht ansatzweise so sicher ist, wie wir das gerne hätten. Immer wieder muss von der Politik Geld umgeschichtet und anders verteilt werden, um die Löcher zu stopfen, die dadurch zustande kommen, dass die Alterspyramide in Deutschland sich dreht. Früher gab es viele junge Menschen, welche für wenige alte Menschen in die Rentenkassen einzahlten. Heute hingegen werden es immer mehr alte Menschen (die selbst immer älter werden), und gleichzeitig immer weniger junge Menschen, da die Geburtenraten rückläufig sind.

Dass das System da irgendwann an seine Grenzen stößt, ist eigentlich klar. Teilweise wird versucht entgegenzusteuern, indem das Renteneintrittsalter angehoben wird. Tolle Idee! Da freut sich nicht nur der Arbeitnehmer, dass er irgendwann wahrscheinlich bis 75 oder 80 arbeiten soll. Auch stellt sich die Frage, wie viele Menschen in dem Alter wir uns tatsächlich heutzutage in immer hektischer werdenden Jobs denn so vorstellen können. Schließlich hat man es heute schon in den 50ern schwer, einen Job zu finden, wenn man einen sucht.

Und als wäre all das nicht schon schlimm genug, kam jetzt neulich die nächste Hiobsbotschaft: aufgrund der Wirtschafts- und Euro-Krise sind bekanntlich die Zinsen ins bodenlose gesunken, um die Banken zu retten. Das bedeutet dann allerdings auch, dass zum Beispiel Zinsen für Tagesgeld oder andere Geldanlageformen ebenfalls in der Bedeutungslosigkeit versunken sind. Bei den meisten Tagesgeldkonten bekommt man derzeit kaum mehr, als das, was durch die Inflation aufgefressen wird. Auf die Art also etwas für später zurückzulegen, bringt derzeit wohl nichts.

Jetzt werden sich manche vielleicht zufrieden auf die Schulter klopfen, weil sie private Renten- oder Lebensversicherungen abgeschlossen haben. Das Problem ist nur, dass gemäß der Rechenbeispiele im Focus auch hiermit dank der Niedrig-Zinsen nichts mehr zu holen ist.

Mit anderen Worten: man legt derzeit Geld zurück und übt Verzicht, nur um später nichts mehr davon zu haben. Keine besonders schöne Perspektive. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, kommt dann beim Focus auch noch ein „Experte“ zu Wort, der eine „Lösung“ bereithält, wie man doch noch Geld anlegen kann, um seine Rente zu sichern: man solle doch einfach in Aktien investieren, weil diese die einzige Möglichkeit bieten, die notwendige Rendite zu holen.

Super Idee! Aktien. Eine total sichere Wertanlage. Außerdem hat das ganze System mit Spekulationen ja bislang auch immer gut geklappt und uns den ganzen Mist mit Niedrig-Zinsen und in Schieflage gebrachten Wirtschaftssystem ja nicht eingebrockt.

Daran sieht man immer wieder, dass mache Leute in den Finanzkreisen scheinbar wirklich phantasielos sind. Da ist dieses System mit seinen Spekulationen grandios gegen die Wand gefahren worden, die Auswirkungen baden die Bürger gerade aus. Und welche Idee haben die Finanz-Experten, um diese Auswirkungen abzumildern? Na klar, lasst uns doch alle einfach weiter machen wie bisher. Was einmal schiefgelaufen ist, wird beim nächsten Anlauf sicherlich viel besser laufen. Es müssen einfach nur noch viel mehr Menschen mitspekulieren, die wahrscheinlich allesamt noch viel weniger Ahnung von der Materie haben, dafür aber ihre gesamten Alters-Ersparnisse aufs Spiel setzen.

Was glaubt ihr, steckt dahinter? Haben die Jungs wirklich keine anderen Ideen, sind also einfach phantasielos? Wissen sie es tatsächlich nicht besser? Oder wissen sie sogar sehr gut um die Gefahren, nehmen sie aber in Kauf und spielen mit den Ängsten der Menschen vor Altersarmut, um ihnen das noch vorhandene Geld aus den Rippen zu leiern? Glaubt ihr eigentlich noch an eine Rente, wenn ihr altersmäßig „dran“ seid? Oder habt ihr schon Alternativ-Pläne, um im Alter über die Runden zu kommen?

Foto: Claudia Hautumm / pixelio.de

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