Sind Möbel reine Nutzgegenstände oder Teil unseres Lebens?

WohnungEs ist schon erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht. Vor sieben Jahren bin ich mit meiner besseren Hälfte zusammengezogen. Ich kann mich noch daran erinnern, als wenn es gestern gewesen wäre, wie wir ihre Wohnung in Köln damals geräumt haben und alles in unsere neue Wohnung nach Gladbach gebracht haben. In dieser Wohnung wohnen wir noch heute.

Und wie das so ist, wenn man zusammenzieht, sind wir natürlich damals beide einige Kompromisse eingegangen. So musste ich beispielsweise lange und hartnäckig dafür kämpfen, mein liebgewonnenes Kino-Poster vom Film „Star Trek – First Contact“ aufhängen zu dürfen. Der Kompromiss war dann, dass wir es nicht im Wohn-, sondern im Arbeitszimmer aufgehängt haben.

Selbstverständlich mussten wir uns beide damals auch von einigen Möbeln trennen, die uns am Herzen lagen. Aber wenn zwei Menschen zusammenziehen, ist nur selten genug Platz für zwei komplette Inventare. Irgendwie logisch. Allerdings gab es auch Dinge, die wir komplett neu anschaffen mussten:

Zum einen war das die Einbauküche, die wir uns damals gönnten, schon allein, um den geringen Platz in unserer kleinen Küche optimal ausnutzen zu können. Zum anderen musste eine große Couch für das Wohnzimmer (ohne „Star Trek – First Contact“ Poster) her. Das war gar nicht so einfach, wie man meinen könnte. Ich war aus meiner Jugend immer (m)eine alte Ledercouch gewohnt. Auf der hatte ich seinerzeit immer gesessen, wenn ich ferngesehen, programmiert oder auf der Konsole gespielt hatte. Für mich war der Begriff Ledercouch also sehr positiv belegt, so dass ich problemlos wieder zu einer Ledercouch gegriffen hätte.

Meine bessere Hälfte konnte sich dafür jedoch überhaupt nicht begeistern. Im Nachhinein muss ich zugeben, dass sie da mit ihren Argumenten auch wirklich Recht hatte, weswegen ich froh bin, damals auf sie gehört zu haben. So wird es in unserer Dachgeschosswohnung im Sommer gerne verdammt heiß, mit der Folge, dass man entsprechend schwitzt. Wer mal total verschwitzt auf einer Ledercouch gesessen hat, wird das Problem kennen: nach kurzer Zeit „klebt“ man förmlich an der Couch fest. Zusätzlich ergab sich in unserem Fall das Problem, dass die Katze meiner besseren Hälfte ihre Krallen nur zu gern in Leder bohrt. Das habe ich hier bei einem Stuhl sehen können. Und ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie eine Ledercouch inzwischen bei uns aussehen würde.

Letztlich haben wir uns dann für eine sehr pflegeleichte und wiederstandsfähige Couch von Neckermann mit speziellem Stoffbezug entschieden. Erstaunlicherweise verfangen sich die Katzenhaare nicht da drin und mit den Krallen hat sie bislang auch kaum Bekanntschaft gemacht. Man bleibt im Sommer auch nicht daran kleben. Selbst als die Katze mal darauf erbrochen hatte, bekam man den Fleck problemlos wieder heraus. Das war ich vorher von Stoff-Couchs anders gewohnt. Also insgesamt eine gute Entscheidung.

Aber ich werde nie vergessen, wie die Couch damals bei uns ankam. Es war an einem heißen Sommertag. Ich hatte gerade Mittagspause und war zufällig daheim, als sie angeliefert wurde. Der Lieferfahrer wäre eigentlich mit einem Kollegen unterwegs gewesen, welcher aber aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig an dem Tag ausgefallen war. Ich habe dann spontan mit angepackt. Ganz ehrlich, allein hätte der arme Kerl die sperrigen Einzelteile niemals durch das Treppenhaus bis ins Dachgeschoss getragen bekommen. Trotzdem sind wir damals -auch zu zweit- ganz schön ins Schwitzen gekommen. Immerhin hat Neckermann sich später für diese Unannehmlichkeiten entschuldigt und uns einen kleinen Rabatt auf die Couch gewährt. Das fand ich gut.

Tja, und nun sitze ich auf genau dieser Couch und schreibe diesen Text. Die Couch ist nun sieben Jahre alt und hat schon einiges erlebt. An einer Stelle „knarzt“ sie inzwischen etwas, aber ansonsten ist sie für ihr Alter noch prima in Schuss. Wir hatten neulich mal darüber nachgedacht, uns eine neue Couch zuzulegen. Aber es ist gar nicht so einfach, etwas zu finden, wenn man sich einmal an die jetzige Couch gewöhnt hat. Irgendwie vergleicht man andere dann immer damit. Wahrscheinlich geht man im Laufe der Zeit doch eine enge (Gewohnheits-)Beziehung zu seinen Möbeln ein. Schließlich sind sie Teil des täglichen Lebens.

Oder seht ihr das anders? Habt ihr auch Möbel, die euch ans Herz gewachsen sind? Oder könntet ihr euch jederzeit ohne Zögern und ohne mit der Wimper zu zucken von jedem Möbelstück in eurem Haus bzw. eurer Wohnung trennen? Wie wichtig ist euch eigentlich überhaupt eure Einrichtung? Sind das für euch nur Gebrauchs- bzw. Nutzgegenstände, oder sollen die auch optisch etwas hermachen?

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Anzeige