EU mal wieder innovativ: Keine Öl-Kännchen mehr auf dem Restaurant-Tisch ab 2014

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OlivenölDie EU will wieder zuschlagen! Statt jedoch dringende Probleme zu lösen, sollen Verbraucher schon ab 2014 besser geschützt werden, indem in Restaurants keine Ölkännchen mehr auf den Tischen stehen!

Nun mag sich manch einer völlig zurecht die Frage stellen, inwiefern dadurch der Verbraucher geschützt würde? Immerhin sind kaum Fälle bekannt, in denen Verbraucher in Restaurants durch auf dem Tisch stehende Olivenöl-Kännchen ins Rutschen geraten und auf die Nase geflogen sind. Doch darum geht es der Europäischen Union vorliegend auch gar nicht. Das Problem sei ganz anders gelagert.

So könne man bei den derzeit verwendeten, nachfüllbaren Ölkännchen als Verbraucher ja gar nicht erkennen, welches Oliven-Öl man da denn nun serviert bekommt. Ist es wirklich kaltgepresst, ist es ein teures Markenöl, oder doch nur eine billige Massenware? Das geht natürlich gar nicht, sagt die EU. Und will dem ab Januar 2014 einen Riegel vorschieben. Eine entsprechende Reform der „Durchführungsverordnung über die Vermarktungsvorschriften für Olivenöl“ wurde bereits in die Wege geleitet. Dadurch wird sich die Lage auf den europäischen Restaurant-Tischen ab 2014 „dramatisch“ ändern:

Die Öl-Kännchen werden komplett verboten. Wo der arme Verbraucher dem Restaurant-Besitzer bislang völlig schutzlos ausgeliefert war und nur unterscheiden konnte zwischen „das Öl schmeckt mir“ und „das Öl schmeckt mir nicht“, kann er sich zukünftig ausgiebig darüber informieren, warum ihm das Olivenöl gefälligst zu schmecken hat – oder warum eben nicht. Denn dieses darf dann nur noch in versiegelten(!), nicht nachfüllbaren Einweg-Flaschen mit entsprechender Etikettierung (Hersteller, Herkunft, Zutaten etc.) angeboten werden. So könne sich der Verbraucher nach dem Willen der EU vorab ein genaues Bild darüber machen, was er sich da über das Essen kippt.

Wirklich konsequent war die Europäische Union bei der Umsetzung dieses Plans zum Wohle des Verbrauchers jedoch nicht. Denn für andere Lebensmittel wie Essig, Tabasco, Salz oder Pfeffer, die ja ebenfalls auf keinem guten Restaurant-Tisch fehlen dürfen, wird es -zum Glück- keine solchen Regelungen geben. Da stellt sich dann allerdings schon die Frage, inwieweit es hier wirklich um Verbraucherinteressen geht, wenn das alles nur für Olivenöl gelten soll.

Interessant ist in dem Zusammenhang, von wem denn diese Initiative zur Reform überhaupt ausging. Federführend sollen hier insbesondere Spanien, Italien und Griechenland gewesen sein. Das sind zufällig die größten Produzenten von Olivenöl in der EU. Und was haben die jetzt davon, wenn es auf den Tischen keine Kännchen mit Olivenöl mehr gibt? Ganz einfach: Mehreinnahmen! Die sind nämlich aus mindestens drei Gründen absehbar:

  1. Zum einen werden es sich zumindest namhafte Restaurants nicht leisten können, irgendwelche günstigen Öle auf den Tisch zu stellen, selbst wenn die qualitativ und geschmacklich einwandfrei sind.
  2. Es müssen fortan immer wieder viele kleine Einweg-Ölflaschen gekauft werden. Die sind in der Summe natürlich teurer, als wenn man das gleiche Öl in großen Kanistern kaufen und dann in kleine Kännchen umfüllen kann.
  3. Letztlich ist auch fraglich, ob ein Restaurant-Besitzer Fläschchen auf dem Tisch stehen lassen kann, die z.B. nur noch zu 1/4 gefüllt sind. Dadurch ist das Olivenöl zwar nicht schlechter, aber manche Gäste sehen bekanntermaßen ein leeres Gefäß nicht so gerne, weil sie nicht „die Reste“ wollen. Bei Kännchen könnte man einfach nachfüllen und alle wären zufrieden, bei den neuen Einweg-Flaschen ist das hingegen nicht mehr möglich. Dann droht, dass noch nicht leere Flaschen weggeworfen und durch neue, volle ersetzt werden müssen.

Das führt nicht nur zu einer Menge Müll, sondern natürlich auch zu Geld in die Kassen der Olivenöl-Produzenten. Aber um solche wirtschaftlichen Lobby-Interessen geht es der EU natürlich nicht, sondern es steht einzig das Wohl des am Olivenöl interessierten Restaurant-Besuchers im Fokus. Mal sehen, wann auf der Speisekarte jede einzelne Zutat mit Hersteller, Herkunft etc. aufgelistet wird. Bis dahin kann sich der Verbraucher erst einmal auf wahrscheinlich steigende Preise freuen. Denn irgendwie müssen die Mehrausgaben der Restaurantbesitzer durch diese „Öl-Reform“ ja ausgeglichen werden.

Was haltet ihr von dieser EU-Maßnahme? Ist das wirklich geeignet, um uns Verbraucher zu schützen? Oder ist das letztlich doch alles nur wieder im Sinne der entsprechenden Lobbyisten, hier der Olivenöl-Produzenten? Kurbeln wir so vielleicht ein wenig die südeuropäische Wirtschaft wieder an? Werdet ihr euch ab 2014 die Etiketten auf den Ölflaschen dann ganz genau durchlesen und fordert so etwas auch für Essig und Salz?

Foto: w.r.wagner / pixelio.de
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