Auch große Visionäre können mal irren

ErdeBevor man mit einer Idee Erfolg hat, braucht man erst mal die Idee als solche. Hinter den meisten guten und erfolgreichen Ideen steht zudem eine Vision, wie sich die Idee zukünftig entwickeln soll. Natürlich gehört letztlich auch ein Stück weit Glück dazu, mit der richtigen Idee zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, um sie den richtigen Menschen zu vermitteln, welche diese dann toll finden und weiter verbreiten. Dennoch steht am Anfang immer erst die Vision.

Manche Menschen haben hierfür ein besonders gutes Gespür. Sie sind Visionäre, die in ihrem Kopf ein großes Gesamtbild davon haben, wie sich die Welt in Zukunft entwickeln wird und mit welchen Produkten oder Dienstleistungen sie diesen Trend unterstützen bzw. davon profitieren und ihn mitbilden können.

Denkt man im Bereich Technik und Elektronik an solche Visionäre, dann ist immer schnell von Personen wie Steve Jobs von Apple oder auch Bill Gates von Microsoft die Rede, welche mit ihren Ideen und Entscheidungen die Entwicklung im Bereich der Computer und Elektronik maßgeblich beeinflusst haben. So hat Gates intuitiv bedienbare Betriebssysteme zwar nicht erfunden, sie aber mit „seinem“ Windows-System erst für die Masse tauglich gemacht. Genauso hat Steve Jobs das Smartphone zwar nicht völlig neu entwickelt, aber mit dem iPhone und dessen gesamten, aufeinander abgestimmten Konzept den Markt für Smartphones auf Touchscreen-Ebene erst geebnet.

Beide haben sie mit ihren Visionen Milliarden verdient. Und doch haben selbst diese großartigen Visionäre, Strategen und Kenner des Massengeschmacks mit ihren Meinungen manchmal daneben gelegen.

So ging Gates in den 90ern davon aus, dass das Internet nur ein temporärer Hype sei, dem man keine allzu große Bedeutung beimessen müsse. Die spätere Kurs-Korrektur für diese Fehleinschätzung kostete eine Menge Geld. Microsoft startete den sog. Browser-Krieg gegen Netscape, um deren Browser zugunsten des eigenen Internet Explorer vom Markt zu verdrängen. Später übernahm man Yahoo, um den Rückstand auf Google im Bereich der Web-Suche aufzuholen.

Und auch der oft verehrte Apple-Chef Steve Jobs, aufgrund seiner Erfolge häufig als DER Visionär der Neuzeit angesehen, lag nicht immer richtig mit seinen Vermutungen. So gelang ihm zwar der Coup, den Erfolg, den er mit dem iPhone im Smartphone-Bereich hatte, im Tablet-Bereich mit dem iPad zu wiederholen. Inzwischen laufen Tablets in vielerlei Hinsicht Desktop-PCs und sogar Notebooks den Rang ab und verdrängen diese immer mehr vom Markt. Dennoch stand für Jobs stets fest, dass ein Tablet keinesfalls eine kleinere Bildschirmdiagonale als 10 Zoll aufweisen dürfe, da sonst der Unterschied zu Smartphones zu gering sei. Kein Verbraucher würde so etwas benötigen, war sein Credo, mit welchem er die Android-Tablets abkanzelte, welche oft mit 7 Zoll-Bildschirmen daherkamen.

Doch nach seinem Tod setze sich der neue Apple-CEO Tim Cook durch und brachte das iPad mini auf den Markt. Das iPad mini verfügt „nur“ über einen 7,9 Zoll großen Multitouch-Bildschirm, was deutlich näher bei den von Jobs verschmähten sieben Zoll als bei den von ihm favorisierten 10 Zoll liegt. Und obwohl angeblich niemand so etwas braucht, verkauft sich das iPad mini inzwischen besser als seine „großen Brüder“.

Ich selbst hatte in der Vergangenheit ja mehr mit den großen iPads zu tun. Durch eine ehemalige Kollegin hatte ich jedoch auch schon ein iPad mini in der Hand und muss sagen: ja, da hat sich der gute Steve Jobs wirklich mal verschätzt. Es kommt natürlich auch immer ein wenig darauf an, was man mit so einem Tablet machen möchte. Bei meiner Verwendung als digitalem Notizblock bin ich über die größere Fläche der „normalen“ iPads froh. Aber wenn man einfach nur „konsumieren“ möchte, indem man irgendwelche eBooks liest, dann liegt so ein kleines und leichtes iPad mini schon wesentlich besser in der Hand. Zumal man gegenüber einem großen iPad keine besonderen Nachteile hat. Die Apps funktionieren auf beiden Variante und auch technisch stehen die neuen Minis mit 4G-Technologie für unterwegs ihren großen Brüdern in nichts nach.

Doch was lernen wir nun daraus? Auch große Visionäre sind nicht unfehlbar. Manche gute Idee der Menschheit ist sicherlich schon in irgendwelchen Schubladen verstaubt, weil die richtigen Leute nicht daran glauben wollten. Dennoch braucht es auch weiterhin Visionen, um uns alle weiter voranzubringen. Wenn wir nur den Ist-Zustand verwalten, treten wir dauerhaft auf der Stelle. Wir brauchen den Mut, Visionen und Ideen zu haben und diese auch umzusetzen. Und wenn mal etwas daneben geht – egal! Das ist auch den „Großen“ schon passiert.

Habt ihr irgendwelche tollen Ideen im Hinterkopf, die ihr gerne mal in die Tat umsetzen würdet, wozu euch aber Geld und/ oder Mut fehlen? Oder hattet ihr schon mal eine Idee, die dann später so oder so ähnlich von jemand anderem tatsächlich erfolgreich umgesetzt wurde? Oder gehört ihr eher zu denjenigen Menschen, die von solchen Entwicklungen überrascht werden und sich dann fragen, warum sie nicht selber auf so eine Idee gekommen sind?

Foto: S. Hofschlaeger / pixelio.de

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