Conni darf nicht mehr bei Amazon kaufen! Das Schicksal einer Romanfigur.

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VorlesenSachen gibt’s, die kann man kaum glauben. So ging es mir, als ich neulich über Facebook von folgender Begebenheit erfahren habe. Demnach wollte eine Kinderbuch-Autorin mal mit der Zeit gehen – und hat dadurch den Zorn der Buchhändler auf sich gezogen.

Die Dame schreibt eine Kinderbuch-Serie, deren Hauptdarstellerin ein kleines Mädchen ist, welches auf den Namen „Conni“ hört. Nun gut, ganz so klein ist Conni jetzt in der Serie auch nicht mehr, immerhin hat sie bereits die Pubertät erreicht. Wie das mit Kindern in dem Alter heutzutage ist, nutzen die auch schon rege das Internet. Das wollte wohl auch die Autorin aufgreifen, die darum bemüht ist, die Texte modern zu gestalten, so dass sich heutige Kinder problemlos mit der Hauptfigur identifizieren können. Eigentlich ein lobenswerter Ansatz. Um allerdings zum Ausdruck zu bringen, dass Conni auch das Internet nutzt, wählte die Autorin im Buch folgende Worte:

„Mandy hat mir neben ihrer Karte, auf die sie unzählige Kreuze und Os – für jede Menge Hugs and Kisses – gekritzelt hat, einen Amazon-Gutschein geschickt, den ich online einlösen kann. Spitze!“

Dass da ausgerechnet von einem Amazon-Gutschein die Rede war, fanden die stationären Buchhändler allerdings gar nicht lustig, für die Amazon durchaus eine ernste Bedrohung oder zumindest eine gefährliche Konkurrenz darstellt. Dementsprechend beschwerten sich die Händler beim herausgebenden Carlsen Verlag, der daraufhin die Autorin um eine entsprechende Änderung bat.

Die Autorin wollte wohl keinen Ärger riskieren, weswegen sie der Bitte nachkam. So ist dann in der neuesten Ausgabe des Buches nicht mehr von einem Amazon-Gutschein oder zumindest einem Online-Gutschein die Rede, sondern nur noch -völlig neutral- von einem Geschenkgutschein.

Erstaunlich fand ich in dem Zusammenhang den Kommentar einer Mutter unter dem verlinkten Artikel, die diese Maßnahme nicht nur gut fand, sondern schrieb:

(…) Ich halte einen solchen Satz für eine unzulässige Beeinflussung von Kindern und Jugendlichen und als vorlesende Mutter wäre mir der Satz würgend im Halse stecken geblieben (…)

Natürlich kann man prima darüber streiten, inwiefern da jetzt wirklich der Markenname Amazon fallen musste. Der Begriff „Online-Gutschein“ hätte sicherlich gereicht. Der Autorin möchte ich da jedoch keine böse Absicht zur Schleichwerbung unterstellen. Vielmehr ist der Amazon-Gutschein in der digitalen Welt so etwas wie der Inbegriff des Online-Gutscheins geworden, ähnlich wie man auch oft von einem Tempo spricht, wenn man eigentlich nur ein Taschentuch meint, oder man zum Begriff „Mc Donalds“ greift, wenn man nach einem Begriff für Burger-Brater-Bude sucht, den jeder sofort versteht. Auch habe ich schon ältere Bücher aus Zeiten vor gezieltem Product Placement gelesen, in denen nicht nur davon die Rede war, dass der „Held“ ein Auto fuhr, sondern z.B. einen Aston Martin.

Lustig finde ich dennoch, dass der Mutter hierbei beim Vorlesen der Satz im Halse stecken geblieben wäre, sie aber andererseits keine Probleme damit hat, dass vorher im Satz von „Hugs and Kisses“ die Rede ist. Ich hätte gedacht, dass hier viel eher in „Aufregung“ ausgebrochen wird, wenn plötzlich und ohne Not englische Begriffe in einem Kinder-/ Jugendbuch auftauchen, wo man auch locker mit deutscher Sprache hätte beschreiben können, ohne dass es „altbacken“ oder „uncool“ ausgesehen hätte. Zwar fand ich auch diese Stelle nicht sonderlich „schlimm“, aber beim Lesen stockte ich an der Stelle dann doch mal ganz kurz, weil ich auf diese Art von Begrifflichkeit im Zusammenhang mit einem Kinderbuch nicht vorbereitet war.

Wie seht ihr das? Wäre der Amazon-Gutschein im Buch für euch ein „No Go“ gewesen? Findet ihr gut, dass jetzt neutral von einem Geschenkgutschein die Rede ist, oder hätten die stationären Buchhändler zumindest mit der Bezeichnung „Online-Gutschein“ leben müssen? Und sind „Hugs and Kisses“ heute bei jungen Leuten so verbreitet, dass man den Begriff eher nimmt, als entsprechende deutsche Umschreibungen?

Artikelbild: Rolf van Melis / pixelio.de

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