Fehlverhalten der Polizei an Schulen – Was läuft verkehrt in dieser Welt?

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PolizeiWenn man liest, was sich in den letzten Wochen und Monaten so in europäischen Schulen mit der Polizei abspielte, stellt man sich unweigerlich die Frage, in was für einer Welt wir inzwischen leben. Ich bin nun wirklich nicht dafür bekannt, über Polizisten allgemein herzuziehen oder die Polizei als Ganzes zu verdammen. Im Gegenteil habe ich bei den wenigen Begegnungen, die ich bislang mit der Polizei hatte (Verkehrserziehung in der Grundschule, Zeugenaussage, Unfall, Hilfe für Dritte), selbst immer positive Erfahrungen gemacht.

Aber da Polizisten auch nur Menschen sind, gibt es auch in der Polizei schwarze Schafe. Natürlich kann jeder mal Fehler machen, aber bei dem, was sich da in der jüngeren Vergangenheit in deutschen und französischen Schulen abgespielt hat, schüttelt man unweigerlich trotzdem mit dem Kopf und fragt sich, was mit den ausführenden Beamten los war, dass sie so gehandelt haben. Ich will die beiden Vorfälle für euch einmal kurz zusammenfassen:

Zunächst hätten wir da den Vorfall in einer Schule in Bayern Ende November letzten Jahres. Dort sollte eigentlich eine Schulung der Polizei stattfinden, welche die Achtklässler über Zivilcourage aufklären sollte. Allerdings stellte plötzlich eine Schülerin fest, dass ihr ein 5 Euro Schein fehlte, und sie war -wie auch immer- zu 100% sicher, dass sie ihn nicht verloren hatte. Der anwesende Polizist wollte die Situation aufklären. Man einigte sich darauf, dass jeder Schüler einmal kurz allein in einen Raum gehen sollte und der Dieb ohne Angst vor Sanktionen den Schein auf den dortigen Tisch legen könne. Allerdings war diese Maßnahme nicht erfolgreich, der Geldschein blieb verschwunden.

An dieser Stelle war der Vorfall allerdings nicht vorbei, er fing vielmehr gerade erst an. Der Polizist rief Verstärkung, um danach bei den Schülern Leibesvisitationen vorzunehmen! Hierbei wurde einigen Jugendlichen sogar in die Unterhose und in den BH geschaut. Wohlgemerkt, wir reden hier über den Verlust von 5 Euro, so dass es schwerfallen dürfte, hier von einer Verhältnismäßigkeit der Maßnahme auszugehen.

Der Geldschein wurde übrigens nicht gefunden. Ich frage mich sowieso, wie ich mir das hätte vorstellen dürfen. Warum hätte der vermeintliche Dieb (wenn es denn überhaupt einen unter den Klassenkameraden gab) sich den Schein in die Unterwäsche stecken sollen? Wäre die Geldbörse nicht ein viel logischerer Ort zur Aufbewahrung gewesen? Und was wäre passiert, wenn einer der Schüler nun tatsächlich einen 5 Euro Schein in seinem Portemonnaie gehabt hätte? Immerhin ist das einer der am meisten verbreiteten Scheine in Deutschland. Ich habe meist auch ein paar davon bei mir. Wie hätte man bitteschön feststellen sollen, dass es sich genau um den vermissten Schein handelte? Hatte das Mädchen sich etwa die Seriennummer gemerkt oder all ihre Scheine vorher irgendwie markiert?

Die ganze Aktion machte einfach überhaupt keinen Sinn. Sie war nicht nur komplett unverhältnismäßig, sondern auch von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Da muss man sich schon fragen, ob das nicht wenigstens einem der vor Ort anwesenden Beamten und Beamtinnen hätte auffallen können, als sie mit der Leibesvisitation anfingen. „Interessant“ ist in diesem Zusammenhang auch das Verhalten des anwesenden Lehrers, der sich über den gesamten Zeitraum hinweg passiv verhielt und nicht „gegen die Obrigkeit“ eingriff. Da bekamen die Schüler dann mal einen spürbaren Eindruck davon, wie sich mangelnde Zivilcourage anfühlt. Aber ob die Schulung tatsächlich so gedacht war, darf wohl bezweifelt werden.

Aber bei jugendlichen Achtklässlern ist noch lange nicht Schluss – zumindest nicht in Frankreich. Dort ging die Polizei sogar gegen eine Fünfjährige vor und führte diese vor den Augen ihrer Mitschüler zur Wache ab! Warum? Weil sie in der Schulkantine gegessen hatte. Das ist an sich in Frankreich natürlich nicht verboten. Allerdings hatten die Eltern des Kindes trotz wiederholter Aufforderung das Essensgeld nicht bezahlt oder bezahlen können. Statt nun allerdings gegen die Eltern vorzugehen, sie vielleicht auf die Zahlung zu verklagen oder es sich anderweitig von den Eltern zu holen, nahm die örtliche Polizei kurzerhand das fünfjährige Kind fest.

Beide Vorfälle machen fassungslos. Es lässt sich mit gesundem Menschenverstand schlichtweg nicht erklären, warum keiner der handelnden Polizeibeamten auf die Idee kam, das eigene Vorgehen einmal infrage zu stellen. Es muss doch jedem Menschen, der halbwegs bei Verstand ist, einleuchten, dass in beiden Fällen das Vorgehen maßlos übertrieben war und die davon betroffenen Kinder sicherlich für einige Zeit -vielleicht sogar lebenslang- psychisch belastet sind.

Wie eingangs erwähnt, will ich hier nicht generell den Stab über die Polizei brechen. Viele der Beamten machen sicherlich tagtäglich einen guten Job. Dennoch fragt man sich, was da verkehrt läuft, dass es überhaupt zu solchen Vorfällen kommen kann. Sind das zufällig die schwarzen Schafe gewesen, die da auf die Schüler losgelassen wurden? Oder waren die Beamten in dem Moment so überfordert, dass sie kurzzeitig den Kopf verloren haben? Wie konnte es dazu kommen?

Welche Erfahrungen habt ihr persönlich denn so im Laufe der Zeit mit der Polizei gemacht? Waren die Beamten hilfsbereit, verständnisvoll, doch überfordert oder gar bösartig? Oder hattet ihr noch nie Kontakt mit ihnen?

Foto: Arno Bachert / pixelio.de

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