Entlassung wegen zu gutem Aussehen?

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MietvertragIn den USA wurde die Zahnarzthelferin Melissa Nelson nach über 10 Jahren zuverlässiger Arbeit von ihrem Chef gefeuert. Das kann immer passieren. Aber die Begründung für die Entlassung lässt aufhorchen: Melissa wurde entlassen, weil sie zu attraktiv war! Ihr Chef hatte daher Angst, seiner Ehefrau untreu zu werden, weswegen er es als einzigen Ausweg ansah, Melissa zu kündigen.

Die Zahnarzthelferin tat, was in so einer Situation wohl alle machen würden: sie zog vor Gericht, um diese unsinnige Kündigung rückgängig machen zu lassen. Das Verfahren zog sich hoch bis zum obersten Gericht von Iowa, welches die Kündigung nun jedoch mit 7:0 Stimmen -also ohne eine einzige Gegenstimme des ausschließlich mit Männern besetzten Gerichts- anerkannte!

Wenn man versucht, hierfür eine wie auch immer geartete Rechtfertigung zu finden, wird es allerdings schwer, trotz gutem Willen eine „vernünftige“ Argumentation zu finden:

Man könnte beispielsweise sagen, dass in den Vereinigten Staaten nun einmal eine etwas andere Kultur vorherrsche und gerade in konservativ geprägten Gegenden die Ehe einen extrem hohen, geschützten Stellenwert einnimmt. Das Problem ist nur, dass eine Gefährdung der Ehe nach objektiven Maßstäben hier gar nicht vorlag. Melissa Nelson ist -ebenso wie ihr Chef- bereits verheiratet, beide Seiten haben Kinder. Zwischen beiden liegen 20 Jahre Altersunterschied. Und sogar ihr Chef bescheinigt Melissa, dass sie ihn nie angeflirtet habe. Sie hat also nie aktiv versucht, ihn zu verführen, und es liegen auch keine Anzeichen dafür vor, dass sie es künftig vorgehabt hätte.

Vielmehr war es nur der Chef, der seine Hormone nicht unter Kontrolle hatte und ihr „Komplimente“ machte, wie die, dass sie mit der Kleidung unter ihrem Kittel für Ausbeulungen in seiner Hose sorge. Manch einer mag sich nun fragen, wie die Dame überhaupt aussieht, um die es hier geht. Man kann sie sich hier in einem Interview anschauen. Allerdings sollte man sich auch bewusst machen, dass das Aussehen von Melissa Nelson eigentlich gar nicht zur Debatte stehen darf. Selbst, wenn die aussähe, wie die personifizierte Sex-Göttin, kann das keinen Kündigungsgrund darstellen, solange sie sich ihrem Arbeitgeber gegenüber korrekt verhält.

Und genau das hat sie. Weder hat sie jemals ihren Chef „angemacht“, noch hat die ihre Arbeit vernachlässigt. Velmehr wird ihre Arbeit sogar von ihrem Chef gelobt. Der einzige Grund, warum Melissa gekündigt wurde ist, dass ihr Chef nicht weiß, ob er sich dauerhaft unter Kontrolle halten kann, da er sie zu „heiß“ findet. Komplett verrückt wird es, wenn man sich vor Augen führt, dass das oberste Gericht in Iowa dieses Verhalten auch noch billigt. Denn völlig außer Acht gelassen wird hierbei stets, dass zu einem Ehebruch immer zwei Personen gehören. Selbst wenn der Chef seine „Gefühle“ tatsächlich nicht unter Kontrolle halten könnte, könnte er ohne Einverständnis von Melissa gar keinen Ehebruch begehen, wenn er sich keiner Vergewaltigung schuldig machen wollte. Ansatzpunkte, dass Melissa Nelson sich hierauf jemals eingelassen hätte, sind aber nicht ersichtlich.

Wie also um alles in der Welt kann man so eine Kündigung rechtfertigen? Selbst wenn man den Schutz der Ehe als mögliche Begründung unter konservativen Gesichtspunkten anerkennt, gab es hier noch nicht einmal ansatzweise den Anschein, dass ein solcher Ehebruch „in der Luft“ lag oder von beiden Seiten forciert wurde. Könntet ihr euch vorstellen, dass es solche Begründungen für eine Kündigung auch hierzulande mal geben könnte? Hättet ihr es überhaupt für möglich gehalten, dass es so etwas in Amerika passieren kann?

Foto: Udo Domnick / pixelio.de
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