Sind Weihnachtsgrüße beleidigend?

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WeihnachtenMomentan kann man hinschauen und hingehen wohin man will, überall werden einem „fröhliche Weihnachten“, „frohe Festtage“ oder „schöne Feiertage“ gewünscht. Von Arbeitskollegen, von Bloggern, von der Kassiererin im Supermarkt, vom Postboten – die Liste ließe sich sicherlich sehr weit fortsetzen. Auch ich für meinen Teil mache da keine Ausnahme und verabschiede mich von anderen Leuten kurz vor Weihnachten mit entsprechenden Grüßen.

Das war bislang für mich ganz normal. Bis ich vor ein paar Tagen im Radio ein Interview gehört habe. Da wurde im Rahmen einer Aktion das „richtige Benehmen“ an Weihnachten thematisiert. Unter anderem war dann auch ein „Knigge-Experte“ eingeladen, der erläuterte, wie man sich an Weihnachten zu benehmen habe, um selbst ein schönes Fest zu haben und es gleichzeitig den Mitmenschen nicht zu versauen. Seine „Tipps“ fand ich persönlich jetzt nicht sonderlich hilfreich, denn dass man an Weihnachten beispielsweise bestrebt sein sollte, beim Weihnachtsessen mit der Familie nicht unbedingt einen Streit vom Zaun zu brechen, war mir irgendwie auch vorher schon klar. Richtig interessant wurde es aber, als er anfing, über Weihnachtsgrüße zu sinnieren:

Er erzählte, dass er selbst früher immer -wie wohl so ziemlich alle hierzulande- den Mitmenschen entsprechend „frohe Weihnachtstage“ oder ähnliches gewünscht habe und dies für ihn „zum guten Ton“ gehört habe. Allerdings habe er sich dann einmal bewusst mit einem(!) Mitmenschen unterhalten, die nichts mit dem christlichen Weihnachtsbrauch am Hut habe, und dieser habe ihm erklärt, dass er sich beleidigt, gekränkt oder zumindest „unwohl“ fühlen würde, wenn er solche Weihnachtsgrüße zu hören bekäme. Aus diesem Grund -so der „Experte“- solle man doch auf entsprechende Grüße gegenüber Menschen, die nicht an Weihnachten glauben, verzichten.

Da konnte ich nur fassungslos mit dem Kopf schütteln. Zum einen lässt sich den Menschen in der Regel eher selten von außen ansehen, welchen Glauben sie wohl haben. Soll ich also demnächst die Kassiererin im Supermarkt vorab lieber erst einmal fragen, welchen Glauben sie hat, bevor ich mich von ihr mit einem „schöne Weihnachtstage“ verabschiede? Da kämen sich wohl alle Beteiligten schön bescheuert vor!

Zum anderen denke ich, dass Weihnachten nicht zwangsläufig etwas mit dem Glauben zu tun hat. Natürlich ist die Geburt Jesu die Basis des Weihnachtsfestes. Allerdings hat sich das Fest im Laufe der Jahre „verselbstständigt“, so dass heute auch sicherlich genug Atheisten und Nicht-Christen Weihnachten in irgendeiner Form feiern. Nicht so sehr, um sich an die Geburt von Gottes Sohn zu erinnern, sondern vielleicht einfach, um einmal ein wenig Hektik aus dem Alltag zu nehmen, um sich zu besinnen, um ein paar schöne Tage mit der Familie zu verbringen. Manche vielleicht auch einfach der Geschenke und des Konsums wegen.

Fakt ist doch nun einmal, dass Weihnachten hier bei uns historisch-traditionell einen derart hohen Stellenwert hat, dass ihm gleich zwei bundesweite Feiertage gewidmet werden, so dass wirklich jeder etwas davon hat – ganz unabhängig vom Glauben. Was sollte also jemanden, in dessen Glauben (oder Nicht-Glauben) Weihnachten keine zentrale Rolle spielt, dagegen haben, wenn man ihm für diese freien Tage einfach wünscht, dass diese Tage „schön“ oder „fröhlich“ werden mögen? Meiner Meinung nach spricht nichts dagegen.

Schließlich wünscht ja niemand einem anderen „eine angenehme Zeit, in der Sie es hoffentlich schaffen, sich auf die Geburt von Jesus zu besinnen, um dieses religiöse Ereignis gebührend zu ehren und zu feiern“, sondern man wünscht schlicht und einfach, ganz wertneutral „frohe Weihnachtstage“, „fröhliche Weihnachten“ oder ähnliches. Und selbst wer das Fest nicht als Fest begeht, kann doch eigentlich nichts dagegen haben, wenn man ihm wünscht, dass die Freizeit, die ihm bevorsteht, eine schöne, frohe, fröhliche Freizeit werden solle, oder?

In diesem Sinne wünsche ich all meinen Lesern, egal welchem Glauben oder Nicht-Glauben sie angehören, hiermit

Frohe Weihnachten und erholsame Feiertage!

Wie seht ihr das? Kann man jemandem tatsächlich emotional „auf die Füße treten“, wenn man ihm frohe Weihnachtstage wünscht? Oder müssen Menschen das hierzulande einfach „verkraften“ können? Oder gibt es vielleicht gar nichts zu verkraften, weil es keinen Grund gibt, wegen Weihnachtsgrüßen beleidigt zu sein?

Foto: Konstantin Gastmann / pixelio.de

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