Verlinkungsverbot auf Webseiten? Drehen langsam alle durch?

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ParagraphenNormalerweise weiß man ja, dass es für eine Internet-Seite förderlich ist, wenn diese auf anderen Internetseiten verlinkt wird. Zum einen wird die Seite dadurch den Lesern der anderen Quellen überhaupt erst bekannt, zum anderen sind solche Verlinkungen, wenn sie nicht gekauft sind, für das Ranking bei Google von Vorteil. Vor allem in sozialen Netzwerken, aber zum Glück auch immer noch in Blogs, werden daher gerne Seiten verlinkt und geteilt, die man Freunden, Bekannten und Lesern empfehlen möchte.

Solange man da keine Seiten empfiehlt und verlinkt, die illegale Inhalte bieten, ist rechtlich auch alles im grünen Bereich – denkt man. Neulich bin ich jedoch auf eine Seite gestoßen, wo ich mich beim Lesen des Impressums erst einmal am Kopf kratzen musste und mir nicht sicher war, ob die Damen und Herren dort vielleicht einen oder mehrere Sprünge in der Schüssel haben. An dieser Stelle sage ich nicht, um welche Seite es sich genau handelte… denn genau da liegt das Problem:

Die Seite will gar nicht genannt und erst recht nicht verlinkt werden! Jedenfalls nicht einfach so ohne Rücksprache. Im Impressum steht hierzu deutlich ein eigener Absatz:

Der Inhalt und das Layout dieser Website sind urheberrechtlich geschützt. Jegliche Form der Verlinkung anderer Websites mit dieser Website oder Inhalten und Bildmaterial dieser Website ist nur mit ausdrücklicher Zustimmung der [*vom Autor zensierter Name des Unternehmens*] gestattet.

Warum ich mich „traue“, diesen Auszug hier einfach so ohne Rücksprache mit dem Unternehmen zu posten? Nein, ich bin nicht lebensmüde. Selbstverständlich achte und respektiere ich die Wünsche eines Webseiten-Betreibers, selbst dann, wenn sie mir weltfremd und schwachsinnig vorkommen. Aber zum einen denke ich, dass der oben genannte Auszug unter das deutsche Zitatrecht fallen dürfte. Zum anderen habe ich nach kurzer Recherche via Google feststellen müssen, dass diese Klausel auf zahlreichen deutschen und österreichischen Webseiten verwendet wird, so dass sie zu allgemeingültig ist, um auf die Klausel selbst eine Urheberschaft begründen können zu dürfen.

Generell bin ich mir nicht so sicher, ob so eine Klausel einem gerichtlichen Verfahren zwangsläufig standhalten würde, oder ob nicht sogar das Gericht zur Erkenntnis käme, dass eine solche Klausel am „normalen“ Internet-Standard vorbeiläuft. Andererseits kann man sich in der heutigen Zeit, in der niemand so recht weiß, wie man das Internet und das Urheberrecht für alle Seiten vernünftig „unter einen Hut“ bekommen soll, auch bei so manchem Gericht nicht mehr wirklich sicher sein, in welche Richtung da eine diesbezügliche Entscheidung ginge.

Aber ist das nicht erschreckend, dass solche Klauseln in dieser und ähnlicher Form auf einer Vielzahl von Webseiten eingesetzt werden? Was soll der Mist? Wollen solche Unternehmen wirklich die volle Kontrolle über jeden einzelnen Backlink haben? Was sagt denn so ein Kontroll-Wahn über ein solches Unternehmen und dessen Kenntnisse über die „Funktionsweise“ des Internets aus? Und Hand aufs Herz, wer von euch schaut jedes mal im Impressum einer Seite nach, bevor er eine Seite auf sozialen Netzwerken oder im Blog weiterempfiehlt? Ob es da manches Unternehmen vielleicht sogar darauf abgesehen hat und nur darauf wartet, dass es ungenehmigt verlinkt wurde, um dann kostenpflichtig mit einem Anwalt zu drohen? Oder ist das nur wieder so eine Klausel, die sich irgendwann mal jemand für ein Muster-Impressum ausgedacht hat, und die dann einfach tausendfach ohne Nachdenken kopiert wurde?

Foto: Bernd Wachtmeister / pixelio.de

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