Verdirbt World of Warcraft den (politischen) Charakter?

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ComputerspielIm Wahlkampf wird oft und gerne „schmutzige Wäsche gewaschen“, um den politischen Gegner zu diskreditieren. Eigentlich schade, da so die eigentliche politische und thematische Auseinandersetzung der Kandidaten leider meist auf der Strecke bleibt. Aber man kennt es kaum noch anders. Und wahrscheinlich wirkt diese Art der politischen „Kriegsführung“ auch ziemlich gut, sonst würde es ja nicht ständig praktiziert werden.

Hierzulande geht das auch noch halbwegs human zu. Da geht es meist „nur“ um Vorfälle, wo sich ein Politiker einen eigenen Vorteil erschlichen und vielleicht sein Amt missbraucht hat, um an Geld oder sonstige Geschenke zu kommen oder einem Freund einen finanziellen Vorteil zu verschaffen. In Amerika werden da regelmäßig ganz andere Geschütze aufgefahren. Da wird so lange in der Vergangenheit der Politiker gesucht, bis man eine Prostituierte findet, die man an der Ampel stand, über die der Kandidat mit 16 Jahren mal über Rot gefahren ist… oder so ähnlich.

Aktuell schärfen in Amerika die Republikaner einmal mehr ihr arg konservatives Profil. Völlig ungewöhnlich haben sie eine Internet-Seite veröffentlicht. Doch bevor man auf den Gedanken käme, dass dies ein Zeichen von Modernität und Aufgeschlossenheit sein könnte, macht das Thema der Seite diese Hoffnung sofort wieder mit einem Schlag zunichte:

Die Internetseite handelt nämlich -wie nicht anders zu erwarten war- vom politischen Gegner, in diesem Fall der Demokratin Colleen Lachowicz. Sie kandidiert derzeit für einen Platz als Abgeordnete im Senat von Maine. Die Republikaner haben allerdings etwas herausgefunden, was diese Frau nach republikanischer Meinung für dieses hohe Amt absolut disqualifiziert. Was mag das wohl sein? Hat sie Geld veruntreut? Steuergelder verschwendet? Einen dienstlichen Flug für private Zwecke missbraucht? Nein – viel, viel schlimmer! Sie spielt das MMORPG World of Warcraft!

Und es kommt noch schlimmer. In WoW spielt sie nicht irgendeinen edlen Paladin oder eine tapfere Heilerin. Nein, stattdessen wagt es Colleen Lachowicz doch glatt, eine Ork-Schurkin mit Namen Santiaga zu spielen. Die schleicht sich, wie es sich für das Spiel gehört, heimlich von hinten an ihre Gegner an, um sie dann blitzschnell mit Giften zu meucheln. Und man mag es kaum glauben, aber genau das machen ihr nun die Republikaner nun allen Ernstes zum Vorwurf!

Als Argument führt man nicht etwa an, dass die Dame aufgrund des mitunter zeitintensiven Spiels ihr Amt vernachlässigen würde – was zwar auch an den Haaren herbeigezogen wirken würde, aber immerhin noch irgendwie als Argument nachvollziehbar wäre. Stattdessen führen die Republikaner jedoch aus, dass die im Spiel zur Schau gestellte Heimtücke Rückschlüsse auf den Charakter von Frau Lachowicz zulasse und zeige, dass sie für das angestrebte politische Amt nicht geeignet sei. Das meinen die wirklich so. Mit einem ähnlich schwachsinnigen Argument hätte man wohl auch Arnold Schwarzenegger damals die Eignung zum Gouverneur von Kalifornien verwehren können, schließlich wollte der Terminator einst die Herrschaft der Maschinen herbeiführen. Damals hat man übrigens nichts gesagt… Schwarzenegger war ja schließlich Republikaner.

Was sagt ihr zu der ganzen Geschichte? Einfach nur peinlich? Oder wird sich die Seite für die Republikaner als lohnend erweisen? Was würdet ihr denn von zockenden Politikern in Deutschland halten?

Artikelbild: Stefan Bayer / pixelio.de
Quelle: Zeitung

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