Leben wir im Zeitalter des optischen Minimalismus? Was kommt danach?

Der Trend in vielen Bereichen unseres Lebens geht scheinbar immer mehr hin zum optischen Minimalismus. Das sieht man beispielsweise gut an der Entwicklung im Bereich der Mobiltelefone. Es ist noch gar nicht so lange her, da waren Handys eckig, klobig, hatten oben in der Ecke eine mehr oder weniger störende Antenne, unten eine größere oder kleinere Telefontastatur und kamen in grauem Plastik daher. Inzwischen sieht die Welt diesbezüglich ganz anders aus.

Wo früher Ecken und Kanten vorherrschten, kommen moderne Smartphones heute mit abgerundeten Ecken und klaren Linien und Formen daher. Antennen stehen nicht mehr hervor, sondern sind im Inneren des Geräts integriert. Wenn das Gerät überhaupt noch eine echte Tastatur besitzt, ist sie oft als Slider ins Gerät eingebaut oder in den meisten Fällen nur noch virtuell über den alles dominierenden Touchscreen bedienbar. Ging es früher in erster Linie „nur“ darum, dass ein Handy eine Vielzahl von Funktionen (Telefon, Fotokamera, Videokamera, Radio, Terminplaner, Kalender, Wecker etc.) hatte, muss es heute auch noch ein ansprechendes Design besitzen. Und wie gesagt, da geht es -nicht zuletzt dank der Design-Philosophie von Apple- ganz klar in Richtung Minimalismus. Wohlgemerkt nicht im Bezug auf die Funktionen, sondern lediglich im Hinblick auf die Optik.

Wikipedia definiert den Minimalismus im Bezug auf Architektur als einen Stil, „der sich im Wesentlichen durch seine einfache Formensprache und durch den Verzicht auf Dekorationselemente auszeichnet“. Das bringt die Sache recht gut auf den Punkt.

Und es lässt sich auch in anderen Bereichen unseres Lebens immer mehr beobachten, dass der Trend oftmals -zumindest in optischer Hinsicht- hin zum Minimalismus geht. Besonders deutlich fällt mir das inzwischen vermehrt auch im Bereich der Wohnungseinrichtung auf. Erinnert euch mal zurück. Bei unseren Großeltern stand ja noch gerne die massive Eichenholz-Schrankwand im Zimmer, mit all den geschnitzten Verzierungen an den Türen. Die Schrankwand bot viel Stauraum, sorgte aber -zumindest nach heutigem Empfinden- auch immer dafür, dass die Räume überladen und eng wirkten.

Im Laufe der Jahre wurden die Schrankwände dann immerhin durch Vitrinen ersetzt oder ergänzt, die das Gesamtbild oftmals etwas auflockerten. Wenn aber heutzutage Freunde von uns ihre Wohnungen neu einrichten und nicht allzu sehr aufs Geld achten müssen, dann wird da auffällig häufig zu Möbeln gegriffen, die man ebenfalls als minimalistisch bezeichnen kann. Da stehen nicht mehr Massivität der Objekte und Stauraum im Vordergrund, sondern es geht in erster Linie um klare Formen, aufgeräumte Strukturen und edle Optik, die den Raum möglichst „luftig“ wirken lässt. Trotzdem muss ich zugeben, dass es nicht langweilig wirkt. Zumindest nach heutigen Maßstäben.

Allerdings glaube ich, dass das Design im Hinblick auf den Minimalismus langsam am Ende angekommen ist. Noch mehr lässt sich doch kaum noch wegrationalisieren, ohne dass es nicht mehr ästhetisch wirkt, oder? Wie sieht es bei euch daheim aus? Setzt ihr auch auf Minimalismus bei Möbeln oder würdet gerne darauf setzen, wenn das Budget es zulässt? Oder ist euch das zu „kühl“ und ihr bevorzugt einen anderen Stil? Was glaubt ihr generell, wohin der Trend in den nächsten Jahren und Jahrzehnten gehen wird? Gleich geblieben ist der Geschmack ja schließlich nie. Wird es noch puristischer, oder wird vielleicht irgendwann die Schrankwand aus Eiche rustikal wieder modern werden, so wie es bei Kleidung im Bezug auf die Retro-Bewegung immer mal wieder der Fall ist, dass alte Mode wieder modern wird? Ich bin sehr daran interessiert, eure Meinungen und Überlegungen zu dem Thema zu lesen. Schließlich hat da jeder andere Erfahrungen damit gemacht.


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