Was macht die Faszination am Münchener Oktoberfest aus?

Der September neigt sich langsam dem Ende entgegen und der Oktober kündigt sich an. Das bedeutet auch, dass für Bayern und speziell für München die wahrscheinlich angenehmste Zeit des Jahres anbricht. Während das Image der Bayern außerhalb des Freistaates ja zumeist ein wenig „speziell“ ist und man ihnen aufgrund des bayerischen Selbstbewusstseins und Selbstverständnisses gerne Arroganz und Hochnäsigkeit vorwirft, wandelt sich die Außendarstellung Bayerns um den Oktober herum immer schlagartig und Menschen aus allen Teilen der Republik scheinen zumindest zeitweise zu regelrechten Fans zu mutieren. Leute, die sonst lautstark singen, dass sie den Bayern die Lederhosen ausziehen wollen, tragen plötzlich selbst begeistert welche.

Der Grund ist klar: das Oktoberfest startet. Und spätestens, wenn dann das erste Bierfass offiziell „o’zapft is“ (angezapft ist), schwappt diese mysteriöse Begeisterung für das Münchener Volksfest bis weit über die Landesgrenzen hinaus in die Welt.

Trachtenmode

© Screenshot von Wenz

Das ist fast wie Weihnachten, man kann sich diesem Fest medial kaum entziehen. Schlägt man hier in NRW derzeit die Zeitung auf, fallen einem Werbeprospekte entgegen, die alle das Oktoberfest thematisieren. Supermärkte und Discounter werben mit Weißwurst, Brezeln, Leberkäs‘ und natürlich Weizenbier. Surft man auf Mode-Seiten im Internet, begrüßen einen derzeit, wie auf dem nebenstehenden Screenshot von wenz – der online shop, nicht selten direkt „fesche Madln und Buam“ (hübsche Mädels und Jungs) in traditionellen Dirndln und Lederhosen. Und spätestens zum Start des diesjährigen Oktoberfestes werden sich auch wieder die Klatschreporter der Boulevard-Magazine die Hände reiben und voller Inbrunst darüber berichten, wer neben wem in welchem Festzelt seine Maß (einen Bierkurg mit 1 Liter Bier) getrunken hat.

Nun will ich niemandem den Spaß daran nehmen. Wer Freude an diesem Fest hat, dem sei es von Herzen gegönnt. Was ich jedoch interessant finde, ist diese fast schon magische Begeisterung, welche viele Menschen Jahr für Jahr zu diesem Fest erfasst. Wie gesagt, darunter sind auch immer wieder Leute, die sonst nur genervt die Augen verdrehen, wenn von Bayern die Rede ist. Aber pünktlich zum Oktoberfest ist München dann plötzlich der geilste Ort der Welt, an dem man gerne und ohne mit der Wimper zu zucken bis zu 9,50 Euro (Stand: 2012) für einen Liter Bier hinblättert, um dieses dann in traditionellen Klamotten zu trinken, die man sonst wahrscheinlich nahezu niemals trägt. Wie kommt das?

Liegt es am Event-Charakter, weil es eine große Massen-Kirmes ist? Ist es vielleicht eine Art Status-Symbol, weil man zeigt, dass man sich einen ausgiebigen Besuch dort leisten kann? Weil man vielleicht dem ein oder anderen Promi begegnen kann? Oder reicht -zumindest für Männer- einfach nur die Kombination von viel Alkohol und Mädels in „offenherzigen“ Outfits? Oder hat es am Ende doch noch etwas mit der Tradition zu tun, die dort natürlich auch mit entsprechenden Kapellen-Konzerten und ähnlichem gepflegt wird?

Was meint ihr, woran liegt diese Faszination für das Münchener Oktoberfest? Habt ihr vielleicht am Oktoberfest schon einmal (oder mehrmals) teilgenommen? Wie hat es euch gefallen? Und was hat euch dazu bewogen? Oder würdet ihr gerne mal daran teilnehmen? Wenn ja warum? Oder warum nicht? Würde mich wirklich mal interessieren.


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