Warum das „Mohammed-Video“ nicht verboten werden darf

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Über das sog. „Mohammed-Video“ und seine Folgen wird derzeit überall eifrig diskutiert. Ich persönlich kenne nur einige wenige Ausschnitte und textliche Zusammenfassungen des Videos. Diese wenigen Eindrücke reichen mir in dem Fall aber schon aus, um der weitgehend allgemeinen Meinung zuzustimmen, dass das Video nicht viel mit Kunst oder Komik zu tun hat, sondern einzig und allein die Beleidigung und Provokation des islamischen Glaubens im Vordergrund stehen. Dennoch stelle ich mir die Frage, ob man Aufführungen des Videos -wie es von einigen Politikern nun gefordert wird- wirklich verbieten sollte, um Unruhen oder Gewalt-Eskalationen zu vermeiden.

Die Begründung des Vorstoßes von Pro Deutschland, das Video in jedem Fall öffentlich vorführen zu wollen, um ein Zeichen für die in Deutschland geltende Meinungsfreiheit zu setzen, ist in meinen Augen lediglich vorgeschoben. Pro Deutschland geht es meiner Meinung nach lediglich darum, zum einen die aufgeheizte Stimmung unter den Muslimen weiter anzufachen, und zum anderen den deutschen Rechtsstaat vorzuführen, der nun den Eiertanz zwischen Grundrechten wie Menschenwürde und Achtung der Religion auf der einen Seite und Meinungs- sowie Kunstfreiheit auf der anderen Seite vollführen muss. Ganz nebenbei erhält Pro Deutschland durch diese Aktion noch eine Menge PR und Aufmerksamkeit.

Obwohl ich die von mir vermuteten Beweggründe von Pro Deutschland nicht teile, bin ich dennoch der Meinung, dass ein Verbot der Aufführung des Videos, und sei es noch so abgrundtief schlecht und billig, falsch wäre.

Zwar kann ich verstehen, dass das Video islamischen Gläubigen sicherlich nicht gefallen wird, sie wütend sind und sich durch das Video verletzt fühlen. Und natürlich haben sie daher auch das Recht, ihren Unmut über das Video zu äußern und dagegen öffentlich zu protestieren. Aber Gewalttaten rechtfertigt dieses Video dennoch nicht. In Deutschland lebende gläubige Muslime müssen solch ein Video einfach „aushalten“, ohne handgreiflich zu werden.

Genauso wie es die Christen aushalten mussten, als der Papst im Laufe des Jahres von der Titanic „auf’s Korn genommen“ wurde. Man mag nun richtigerweise einwenden, dass es bei der Titanic im Hinblick auf das Wortspiel mit der doppelten Bedeutung des Wortes „undichte Stelle“ um Satire ging, die aktuelle Vorfälle im Vatikan aufgriff, wohingegen es im Mohammed-Video scheinbar einzig und allein darum geht, Menschen mit islamischem Glauben zu verunglimpfen und sich über diese lustig zu machen. Dennoch gibt es gewisse Parallelen zwischen beiden Vorfällen, da sich auch beim Titanic-Titelbild viele gläubige Christen verletzt vorkamen, da sie in dem satirischen „Angriff“ auf den Papst eine Verunglimpfung ihres Glaubens sahen.

An dieser Stelle will ich gar nicht weiter ausführen, ob man das so sehen kann, denn darum geht es gar nicht. Es geht darum, wie die Menschen, die sich dadurch verletzt sahen, mit ihrem Ärger umgegangen sind. Sie haben ihn kundgetan, über die Medien, in Foren, in Alltags-Diskussionen, manche gingen auch auf die Straße. Aber sie haben keine Botschaften niedergebrannt und niemand musste um sein Leben fürchten. Und genau so einen Umgang erwarte ich in Deutschland auch von den hier lebenden gläubigen Muslimen. Sie dürfen wütend sein auf das Video, dürfen sich darüber aufregen, von mir aus auch pfeifend durch die Straßen ziehen. Das finde ich völlig legitim und das müssen wir akzeptieren. Aber die Muslime müssen es hierzulande ihrerseits akzeptieren, dass eben auch Videos veröffentlicht werden, in denen Glauben satirisch aufgegriffen wird oder -wie in diesem Fall- den Eindruck macht, als wäre es eine Aneinanderreihung dümmlichster Schülerwitze, die irgendjemand komisch fand oder der damit einfach nur billig provozieren wollte.

Soviel Stärke, Selbstbeherrschung und Souveränität muss man von Muslimen in Deutschland erwarten können, denn es ist genau das, was wir auch von jedem anderen und uns selbst erwarten. Es ist Grundlage unserer Gesellschaft, dass wir nicht mit körperlicher Gewalt gegeneinander vorgehen, selbst wenn wir gereizt und provoziert werden. Ein Verbot des Videos hielte ich daher für das falsche Signal, da wir zensieren und gesetzlich garantierte Freiheiten (in diesem Fall von recht dünner „Kunst“) einschränken würden, nicht weil es gesetzlich notwendig wäre, sondern nur aus Angst vor möglichen Unruhen, welche ihrerseits keine gesetzliche Rechtfertigung hätten.

Was denkt ihr zu dem Thema? Soll das Video verboten werden? Wäre andernfalls wirklich mit Krawallen zu rechnen? Oder ist das nur Panik-Mache und die überwiegende Mehrheit der in Deutschland lebenden Muslime hätte sich trotz Aufführung des Videos im Griff?


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