Böse Fettnäpfchen

Anzeige

FehlerFettnäpfchen kennt jeder. Vermutlich sind die meisten von uns auch schon mehr als einmal in ein solches hinein getreten. Schließlich passiert es schnell mal, dass der Mund schneller arbeitet als der Kopf und einem deswegen etwas hinausrutscht, was man SO in dieser Situation eigentlich gar nicht sagen oder zum Ausdruck bringen wollte. Allerdings merkt man das für gewöhnlich erst, wenn es schon zu spät ist.

Je nach Situation und beteiligten Personen können dabei lustige Fettnäpfchen entstehen, oder aber auch welche, die eher peinlich wirken. Das kommt sicherlich auch immer ein wenig auf das Auge des Betrachters an. Hier mal zwei relativ aktuelle Beispiele für Fettnäpfchen, welche diejenigen, die in sie getreten sind, wohl gerne vermieden hätten:

Fettnäpfchen 1: wolkenlos in der Firma

Das erste Beispiel ereignete sich vor wenigen Wochen bei mir auf der Arbeit. Wir haben dort einen Kollegen, der hier im Blog auch gerne mitliest und schon ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel hat. Um es genauer zu sagen, sind es nicht mehr allzu viele Jahre bis zur Rente. Ich nenne ihn hier einfach mal X. Er hat seinen Platz im Büro mit einem direkten Blick aus dem Fenster und unterhielt sich neulich mit einem Kollegen, der keinen solchen direkten Fensterblick hat, vom Alter her aber noch deutlich jünger ist. Diesen jüngeren Kollegen nenne ich hier einfach mal Y.

X und Y unterhielten sich eigentlich über das Wetter… eigentlich! Denn tatsächlich nahm die Unterhaltung dann eine ungewollte Wendung, über die alle Beteiligten glücklicherweise aber nachträglich herzlich lachen konnten. Ganz genau kann ich mich an den Wortlaut des Gesprächs zwischen den beiden nicht mehr erinnern, aber sie spielte sich ungefähr wie folgt ab. An die dargestellte „Pointe“ kann ich mich zum Glück noch sehr gut erinnern:

Y: „Ob es gleich in der Pause regnet?“
X (blickt aus dem Fenster): „Ach was, ist doch keine einzige Wolke am Himmel. Sieht man doch.“
Y: „Ja, Sie sehen den Himmel ja auch viel eher als ich.“

Ich glaube, Y wusste in dem Moment gar nicht, WAS er da gesagt hatte bzw. WIE man das, was er gesagt hatte, auch interpretieren konnte. Das wurde ihm erst bewusst, als wir uns alle erstaunt ansahen und anfangen mussten, zu lachen. X bemerkte dann auch noch mit einem Lachen, dass er SO alt nun auch noch nicht sei.

Man sieht an diesem Beispiel jedoch sehr schön, wie etwas, das man ganz anders gemeint hat, in Abhängigkeit von der Situation völlig anders aufgefasst werden kann. Hätte sich Y mit einem ungefähr gleichaltrigen Kollegen unterhalten, wäre der Gesprächsausschnitt von jedem nur so aufgefasst worden, wie er von Y auch gedacht war, nämlich darauf bezogen, dass der andere einfach einen besseren, direkteren Blick aus dem Fenster hat und somit den Himmel eher sehen kann als Y selbst. Erst durch das etwas höhere Alter von X entwickelte der Kommentar von Y eine andere, ungewollte Eigendynamik, durch das Y voll ins Fettnäpfchen trat.

Fettnäpfchen 2: die Stadtwerke München

Ähnlich lief es auch bei den Stadtwerken München ab. Allerdings entwickelte hier das getroffene Fettnäpfchen durch den sensiblen Hintergrund eine irgendwie unangenehmere Dynamik. Jeder wird es von seinen eigenen Stadtwerken kennen. Wenn diese irgendwo bei einem größeren Projekt tätig werden, stellen Sie gerne ein großes Schild auf, damit auch der letzte Bürger erfährt, was da eigentlich gerade gemacht wird. Da stehen dann solche Sprüche wie „Hier verlegen wir für Sie neue Telefonleitungen“, „Wir arbeiten am Gasnetz“ oder auch „Wir verlegen neue, moderne Wasserleitungen“. Darunter steht dann meist noch, für welches Projekt genau die Arbeiten jetzt gerade erledigt werden.

So haben das auch die Stadtwerke München gehandhabt und wiesen darauf hin, dass Sie gerade Arbeiten am lokalen Gasnetz vornahmen. Eigentlich nichts schlimmes. In Verbindung mit der Stelle, an der diese Arbeiten jedoch vorgenommen wurden, entwickelte das Schild eine sicherlich ungewollte, unglücklich formulierte Kombination:

Stadtwerke München, Gasnetz Arbeiten

aufgestelltes Schild der Stadtwerke München

Zwar mag man nun sagen, dass das hier vorliegend ja nicht böse gemeint war und es sich nur um Standard-Schilder handelt. Auch kann man einwenden, dass das Schild rein sachlich und objektiv betrachtet völlig korrekt ist. Und dennoch ist die Kombination von „Gasnetz“ und „Opfer des Nationalsozialismus“ einfach eine unglückliche Kombination, bei der es nur eine Frage der Zeit war, bis sich jemand daran stören würde. Das mit der unglücklichen Kombination sah man wohl auch bei den Stadtwerken München so, denn das Schild wurde inzwischen entfernt.

Aber man sieht, wie schnell man ungewollt in ein Fettnäpfchen treten kann, wenn man mal kurz nicht aufpasst und eine zweideutige oder mehrdeutig interpretierbare Wortwahl trifft. Das ist wohl jedem von uns schon einmal passiert, oder? In welche Fettnäpfchen seid ihr denn schon so getreten? Oder bei welchen Gelegenheiten wart ihr dabei, als jemand anderes in ein lustiges oder peinliches Fettnäpfchen getreten ist?

Quellen: [via] & [via]
Personenfoto: Benjamin Thorn / pixelio.de

Anzeige