Kurz kommentiert: Wie die Olympischen Spiele ihren eigenen Gedanken mit den Füßen treten

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Die Olympischen Spiele 2012 gehen los. Und ja, ich freue mich irgendwie darauf. Warum, kann ich gar nicht genau sagen. Manch einer wird jetzt in den nächsten Wochen meckern und sich darüber beschweren, dass er den Fernseher einschalten kann, wann er will und immer nur Sport läuft. Ich allerdings finde genau das gerade einfach interessant: sich in geballter Form sportliche Wettkämpfe anschauen zu können, vor allem auch in Sportarten, die sonst oft nur wenig bis gar keine mediale Aufmerksamkeit erhalten.

Allerdings hält Olympia 2012 auch wieder einige negative Höhepunkte für uns bereit, die einem die Laune am Sport zwar nicht zwangsläufig verderben, die aber dennoch zeigen, dass sich die Spiele inzwischen leider viel zu sehr verselbstständigt haben. Der Sport ist nur noch nach außen hin das zentrale Thema von Olympia, der kommerzielle Gedanke der „Marke Olympia“ scheint der alleinige Zweck der Veranstaltung zu sein.

Darüber, dass die Organisatoren mittels Nutzungsbedingungen allen Ernstes versuch(t)en, Autoren das Verlinken der offiziellen Olympia-Seiten zu verbieten, wenn in den Artikeln negative Äußerungen über die Olympischen Spiele, deren Veranstalter oder Sponsoren vorhanden sind, ist im Internet bereits ausführlich berichtet worden. Da duldet man von Seiten der Organisatoren wohl keine negative Publicity, welche die „Marke Olympia“ beschmutzen könnte. Der Schuss dürfte gewaltig nach hinten losgegangen sein.

Noch krasser finde ich jedoch, wie sich die Veranstalter gegenüber den Sportlern verhalten! Die hätten ja -vor allem in den weniger bekannten Sportarten- nun endlich mal die Möglichkeit, im Rampenlicht zu stehen und Werbung für sich zu machen. Stattdessen schließen gerade viele Sportler für den Zeitraum der Olympischen Spiele ihre Webseiten und Blogs, da die Organisatoren den Sportlern jegliche Werbung verbieten, die nicht für offizielle Sponsoren getätigt wird. Da die meisten Sportler jedoch keine (Fußball-)Millionäre sind, lassen sie sich ihren Sport von Sponsoren bezahlen, die nicht unbedingt offizielle Olympia-Partner sind und deren Logos überall auf den Seiten der Athleten auftauchen. In diesem Umfeld dürfen aber keine aktuellen Artikel des Sportlers auftauchen.

Toll, oder? Gerade zu der Zeit, wo der Sportler einer Randsportart endlich einmal im Fokus der Öffentlichkeit steht, darf er sich dort nicht präsentieren. Tolle Logik, ihr Organisatoren. Aber Hauptsache, ihr könnt euren Sponsoren das Geld dank Garantie von Exklusivität aus der Tasche ziehen. Dass es eigentlich nicht um euch und eure Kohle, sondern um die Sportler und den Sport gehen sollte, ist euch wohl entgangen. Ich hatte den Olympischen Gedanken jedenfalls irgendwie anders in Erinnerung.

Freut ihr euch auf Olympia? Stört es euch, wie sich die Spiele entwickelt haben? Oder blendet ihr das aus und konzentriert euch rein auf den Sport? Oder meidet ihr die nächsten Wochen das Fernsehen, weil euch die Olympischen Spiele nicht interessieren?

Foto: Alexandra H. / pixelio.de

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