Cloud-Dienste: Microsoft SkyDrive mit gefährlichen AGB und möglichen Account-Sperrungen

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Cloud-Dienste kennt inzwischen jeder. Das ist -vereinfacht ausgedrückt- eine Festplatte im Internet. Ich nutze selbst Cloud-Dienste wie Dropbox oder auch SugarSync*, bei welchem man im Gegensatz zu Dropbox ohne Tricks und symbolische Links mehrere Ordner definieren kann, die mit der „Internet-Festplatte“ synchronisiert werden sollen.

Warum ich Cloud-Dienste nutze? Im Prinzip vor allem aus drei Gründen: zum einen hat man -wenn der Anbieter die Synchronisation anbietet- immer auf allen Rechnern und Laptops, an denen man regelmäßig arbeitet, seine aktuellen Daten, ohne mit USB-Sticks oder sonstigen Speichermedien hin- und herkopieren zu müssen. Außerdem hat man somit auch immer ein auswärtig gesichertes Backup seiner Daten. Denn was nützt einem ein Backup auf einer zweiten Festplatte, wenn einem das Haus abbrennt? Drittens hat man von überall dort, wo man auf das Internet zugreifen kann, auch Zugriff auf seine Daten, wenn man mal schnell unterwegs eine bestimmte Datei benötigt, an der man daheim gearbeitet hat.

Clouds können also wirklich sehr praktisch sein. Allerdings haben sie natürlich auch einen gewaltigen Nachteil, den man nicht verschweigen sollte und der jetzt gerade wieder ganz aktuell wird:

Wenn die eigenen Dateien nicht mehr nur auf der eigenen Festplatte lagern, sondern auch in der Cloud im Internet, dann hat man nicht mehr nur selbst den Zugriff auf die eigenen Dateien, sondern auch der Anbieter der Cloud. Da muss dann letztlich jeder für sich selbst entscheiden, welche Daten er dem Anbieter anvertraut und welche zu persönlich sind. Ich persönlich lege auch privatere Daten in der Cloud ab, eben schon allein wegen des Backup-Gedankens. Allerdings werden diese privaten Daten von mir vorher sorgfältig verschlüsselt, damit eben nicht jeder Angestellte des Cloud-Anbieters einfach mal einen Blick in mein Privatleben werfen kann.

Denn das muss euch klar sein: genau diese Blicke in eure Daten gibt es! Ganz krass wird dies derzeit durch ein Beispiel von Microsoft. Die bieten mit ihrem Cloud-Service SkyDrive, der wohl auch im kommenden Windows 8 tief ins Betriebssystem verwurzelt sein wird, immerhin satte 25 GB Speicherplatz gratis im Internet an. Das ist schon eine Menge. Allerdings untersucht Microsoft auch eure hochgeladenen Daten auf AGB-Verletzungen und sperrt bei Vorliegen einer solchen Verletzung wohl auch recht schnell den gesamten Account!

Hierzu werden die hochgeladenen Dateien scheinbar von Microsofts Algorithmen gescannt und wenn genug Auffälligkeiten bestehen, die den Verdacht nahelegen, dass ein Verstoß gegen die AGB vorliegt, wird die jeweilige Datei von einem Mitarbeiter noch einmal genau unter die Lupe genommen, damit man nicht aufgrund eines Algorithmus-Fehlers gesperrt wird. Erhärtet sich der Verdacht, wird der Account gesperrt. Das kann ganz schön blöd sein, da der Acount mit dem Windows-Live-Zugang verknüpft ist, so dass auch kein Zugriff mehr auf E-Mail und weitere Live-Services erfolgen kann.

Nun kann man natürlich einwenden, dass man selbst ja nur legale Daten hochladen würde und daher nichts zu befürchten habe. Ein Blick in die AGB von Microsoft belehrt einen da aber mitunter schnell eines besseren, denn die haben es wirklich in sich. Denn gesperrt wird der Account nicht nur, wenn man deutlich illegale Inhalte hochlädt oder gar teilt, sondern es kann auch passieren, wenn man vielleicht gar nicht damit rechnet. Beispiele gefällig? Verboten sind z.B.:

Nacktaufnahmen, einschließlich vollständiger oder teilweiser Nacktaufnahmen von Menschen oder in Cartoons, Science Fiction oder Manga.

Da darf man sich schon die Frage stellen, was die Jungs bei Microsoft unter teilweisen Nacktaufnahmen verstehen? Wie sieht es mit Fotos vom Strandbesuch aus, wo man nur eine Badehose oder einen Bikini getragen hat? Kommt es dann darauf an, was der Mitarbeiter von Microsoft unter „züchtig“ versteht? Definitiv nicht „züchtig“ findet man bei Microsoft wohl künstlerische Teil-Akt-Fotos. Die hatte ein Aachener Photograph im letzten Jahr auf seinen SkyDrive-Account hochgeladen – der Account wurde gesperrt. Wer sich mal einen Eindruck von dessen Bildern machen möchte, kann hier einen Blick darauf werfen.

Personenbezogene Informationen von Minderjährigen (Personen unter 18 Jahren) abrufen oder sammeln, einschließlich, aber nicht beschränkt auf: Name, E-Mail-Adresse, Privatadresse, Telefonnummer oder den Namen ihrer Schule.

Klar, damit will Microsoft vermeiden, dass Pädophile irgendwelche Adress-Datenbanken untereinander verteilen. Verständlicher Ansatz, aber die Umsetzung ist dennoch kritisch. Denn was ist mit Eltern oder Lehrern von (Grund-)Schulkindern oder Betreuern von Pfadfindergruppen, Leitern von Tanzschulen für Kinder etc., die entsprechende Adresslisten verwalten oder aus der Schulzeit bekannte, typische Notfall-Rundruflisten verteilen wollen?

Von Ihnen bereitgestellte oder hochgeladene Inhalte mit falscher Darstellung oder Inhalte, die dieselben oder ähnliche Inhalte wie schon von Ihnen bereitgestellte Inhalte beinhalten.

Ganz tolle Klausel. Es kann also passieren, dass Microsoft einem den Account sperrt, wenn man Dateien hochlädt, die man vorher schon einmal hochgeladen hat. Ok, es macht wenig Sinn, Dubletten hochzuladen, aber es kann immer mal passieren. Was soll’s? Wenn man 25 GB bekommt, kann man die doch -im rechtlichen Rahmen- füllen, wie man lustig ist. Besonders fies ist der Passus, dass dies auch schon für Inhalte gilt, die dem bereits hochgeladenen einfach nur ähnlich sind! Wer also ein Dokument oder Bild leicht bearbeitet und das Original aus Sicherheitsgründen oder Nachverfolgunszwecken ebenfalls online auf dem SkyDrive speichert, dem droht auch hier wieder eine Account-Sperrung.

Ihr seht, Cloud-Dienste haben zweifellos praktische Vorteile. Man sollte sich jedoch bewusst machen, dass man seine Daten einem Dritten anvertraut. Das ist nicht generell schlecht oder böse, denn das machen wir beispielsweise bei E-Mails ja auch, wo der Anbieter theoretisch alles mitlesen kann, was wir an Mails erhalten und versenden. Schützen kann man sich da nur, indem man allzu persönliche Daten eben nicht hochlädt, oder indem man diese Daten passend verschlüsselt. Dann ist der Umgang mit der Cloud zwar nicht mehr ganz so bequem, aber man ist wieder auf der sichereren Seite.

Nutzt ihr Cloud-Dienste? Wenn ja welche? Und wie bzw. wofür nutzt ihr sie? Macht ihr euch dabei auch Gedanken um eure Privatsphäre? Verschlüsselt ihr private Daten oder vertraut ihr den Anbietern? Und was haltet ihr von den AGB von Microsoft – völlig in Ordnung oder doch zu weit gefasst?

Foto: Klicker / pixelio.de
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