Die Zutaten für ein perfektes Fußballspiel

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BratwurstIn dieser Woche geht es beim Projekt EM-Abseits um das Thema Fußball-Rezepte. Fußball-Rezepte? Da stellt sich doch die Frage, ob ein echter Fan beim Fußball überhaupt etwas zu Essen haben will. Das will ich nicht gänzlich verneinen, es hängt aber auch ganz entscheidend von den „Begleitumständen“ ab. Damit ist nicht gemeint, dass es sich zwangsläufig dadurch unterscheidet, mit wem man ein Spiel schaut, sondern wo .

Schaut man sich Fußball im Fernsehen an, greift man meist zu „Knabberzeug“ und Bier oder nicht-alkoholischen Getränken. Im Stadion selbst sieht das anders aus. Dort steht -neben dem Bierbecher- die „Stadionwurst“ auf Brötchen meist ganz oben im Kurs. Hierzu gibt es regelrechte „Glaubenskriege“. Die einen schwören auf Knack- bzw. Bockwürste, für die anderen darf es im Stadion nur eine Bratwurst sein. Wenn man ein wenig im Internet sucht, wird man feststellen, dass es da auch Ranglisten gibt, bei denen die Stadionwürste der unterschiedlichen Bundesliga-Teams regelmäßig miteinander verglichen und Rankings erstellt werden.

Aber sind wir mal ehrlich: Egal ob Knabberzeug, Stadionwurst oder sonst etwas. Wenn das eigentliche Spiel richtig gut ist, wird das Essen zur absoluten Nebensache. Dann hat man eh keine Zeit dafür und konzentriert sich auf das Match. Aber was macht ein richtig gutes Fußballspiel aus? Was sind die richtigen Zutaten dafür?

Zutaten gibt es einige: feine Techniker, kräftige Kämpfer, künstlerische Freistöße, Zauberpässe, Gewaltschüsse, disziplinierte Abwehrreihen, Torfestivals, haushoch überlegene Favoriten, sympathische Underdogs usw. Doch egal, in welchen Maßstäben man diese Zutaten mixt, das gesamte Spiel steht und fällt mit der meiner Meinung nach wichtigsten Zutat, dem „Gewürz“ schlechthin: der Dramatik!

Ein Spiel mit vielen Toren ist meist natürlich interessanter anzuschauen, als ein torloses Rasen-Schach mit diszipliniert auftretenden Defensiv-Reihen, an denen sich meist nur die Trainer erfreuen können. Aber nur, weil ein torreiches Spiel, dass 5:0 ausgeht, für den neutralen Zuschauer und den Fan des Sieger-Teams interessant anzuschauen ist, ist es vielleicht ein unterhaltsames, aber noch lange kein richtig gutes Spiel. Richtig gut würde es nur durch Dramatik.

Dramatisch sind nicht die hochüberlegenen Spiele, sondern die knappen. Die, in denen der Sieg jederzeit auf des Messers Schneide steht. Dramatisch war 1999 das Champions League Finale zwischen Bayern und Manchester, bei dem Bayern bis zur 88. Minute 1:0 führte und dann noch durch zwei Tore in der regulären Spielzeit 2:1 verlor. Dramatisch sind auch die Spiele, in denen ein klar unterlegenes Team nach einem glücklichen Tor versucht, den Vorsprung mit allen Mitteln über die Zeit zu retten, während das überlegene Team immer wieder dagegen anrennt.

Das müssen optisch nicht die schönsten Spiele sein. Man erfreut sich nicht unbedingt an Hackentricks und Pässen, bei denen man mit der Zunge schnalzen will. Stattdessen geht es um die reine Spannung. Statt dem oben genannten 5:0 kann ein 3:2 viel spannender, viel dramatischer sein. Zur Pause noch 2:0 geführt, mit dem Schlusspfiff noch das 3:2 kassieren und das Spiel verlieren – da muss es nicht schön gewesen sein, aber es war dramatisch. Das sind die Spiele, auf die man als Fan insgeheim immer hofft. Die man natürlich nicht jede Woche erlebt. Im Laufe einer normalen Saison kommen sie in überschaubarer Anzahl vor. In Turnieren kommen sie -schon allein durch die K.O.-Runden und die damit einhergehende, „natürliche“ Dramatik- häufiger vor.

Aber man kann sich sicher sein: wenn ein solches Spiel läuft, dann wird ein echter Fan -egal ob vor dem Fernseher oder im Stadion- ganz sicher nicht ans Essen denken, sondern mit seiner Mannschaft mitfiebern. Oder seht ihr das anders? Was sind die Zutaten, die für euch bei einem perfekten Fußballspiel nicht fehlen dürfen?

Foto: A. Reinkober / pixelio.de

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