Dekoration zu Großereignissen – ein Statement der eigenen Einstellung

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FlaggenWoran merkt man, dass ein großes Fest ansteht? Ein Anhaltspunkt könnte sicherlich oftmals der gestiegene Anteil an Werbeprospekten in Zeitungen sein. Aber selbst Leute, die nie einen Blick in die Zeitung werfen, bekommen in der Regel mit, wenn Weihnachten oder andere Feste vor der Tür stehen, selbst wenn sie sich für diese Feste möglicherweise gar nicht interessieren. Der Grund dafür liegt meist in der unmittelbaren Nachbarschaft. Große Feste kündigen sich nämlich meist auch dadurch an, dass die Leute ihre Umgebung, seien es nun ganze Häuser oder auch nur die Fenster und Fensterbänke von Mietwohnungen, passend dekorieren.

An Karneval / Fasching hängen in vielen Fenstern Luftschlangen und Ballons. Zu Ostern hat meine Mutter immer osterliche Fensterbilder gebastelt und an Türen und Fenstern aufgehangen. Zu Sankt Martin wurden zumindest früher immer viele Laternen in die Fenster gehangen. Inzwischen wimmelt es zur Martinszeit allerdings auch oft von ausgehöhlten Kürbissen, wenn sich St. Martin und das eher neuzeitliche Halloween terminlich ein wenig in die Quere kommen. Zu Weihnachten werden die Lichterketten ausgepackt und mit weißem Spray werden weihnachtliche Fensterbilder ans Fenster gesprüht, Krippen stehen auf den Fensterbänken und durch so manches Wohnzimmerfenster lässt sich sogar der prächtig geschmückte Weihnachtsbaum erkennen, während im Vorgarten eine Weihnachtsmannfigur aus dem aufgestellten Schlitten zuwinkt. An Silvester können dann wieder die Luftschlangen verwendet werden, die von Karneval noch übrig geblieben sind.

Aber es gibt noch andere Feste, die sich in den letzten Jahren in Deutschland etabliert haben und mit entsprechender Dekoration gefeiert werden:

Die Rede ist von Welt- und Europameisterschaften, vornehmlich im Fußball und dort in erster Linie beim Herren-Fußball. Während es früher und auch heute oftmals noch unüblich war und ist, mit Deutschland-Fahnen durch die Gegend zu laufen oder damit sein Haus zu schmücken, sieht die Sache heutzutage bei den genannten Großereignissen gänzlich anders aus. Menschen, die sonst Onkel Jupp in seinem Schrebergarten verwundert ansehen, wenn er dort seine Deutschlandfahne hisst und sich den Kopf darüber zerbrechen, ob er es mit seinem Nationalstolz vielleicht übertreibt, haben plötzlich kein Problem mehr damit, sich Deutschlandfähnchen ans Auto zu hängen, Flaggen am Fenster des Hauses zu befestigen, sich Schwarz-Rot-Gold zu schminken und mit Millionen anderer Leute beim „Public Viewing“ der eigenen Mannschaft ganz offen und parteiisch die Daumen zu drücken.

Selbstverständlich verfüge auch ich über ein passendes „Arsenal“ an Fan-Dekoration, welches sich über die Jahre so angesammelt hat:

wm-trikot

Ist zwar nicht so sehr als Dekoration für Fenster und Türen geeignet, schmückt mich hingegen wunderbar. Und natürlich habe ich Depp beim Aufnehmen des Fotos noch die Flagge im Schrank vergessen -.-

Prinzipiell finde ich es auch gar nicht verwerflich, auf diese Art und Weise während eines Turniers im wahrsten Sinne des Wortes für „sein“ Team „Flagge zu zeigen“. Vielmehr bin ich froh, dass gerade in den letzten Jahren hierzulande endlich ein wenig lockerer mit der Thematik umgegangen wird und die Leute nicht mehr „verschämt“ wirken, wenn sie sich als Deutsche „outen“. Immerhin reden wir hier von einer rein sportlichen Ebene. Das ganze Jahr über fiebern Millionen Fußballfans mit ihren Vereinen in der Saison mit, schlafen in der Bettwäsche des Lieblings-Vereins, ziehen zu den Spielen die passenden Trikots an usw. Warum sollte man dann nicht während einer EM oder WM auf die gleiche Weise mit dem Team seines Landes mitfiebern dürfen?

Wie sich spätestens bei der WM 2006 hier in Deutschland gezeigt hat, funktionierte das ziemlich unproblematisch, ohne dass die anderen Länder dieser Erde beim Anblick der ganzen Deutschland-Fahnen gleich in Sorge geraten wären, wir würden gleich auch wieder unsere Panzer aus der Garage holen. So gesehen war für mich die damalige Weltmeisterschaft im Jahre 2006, das Bild, welches wir dabei nach außen abgegeben haben und die Art, wie wir selbst mit diesem Großereignis und unserem Team umgegangen sind, ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Es zeigte sich, dass man trotz der eigenen Geschichte und der vorhandenen historischen Verantwortung einen entspannten Umgang mit seiner Herkunft haben kann.

Sicherlich brauche ich nicht das ganze Jahr über Deutschland-Wimpel an den Autos oder gehisste Fahnen an jeder Ecke. Aber zu sportlichen Großereignissen will ich mit „meinem“ Team genauso mitfiebern, mitleiden und mitfeiern dürfen, wie andere Fans überall auf der Welt auch… oder wie es auch jeder Bundesligafan ganz selbstverständlich während einer Saison mit seinem Verein tut.

Auch wenn ich hin und wieder die Dekorationen zu manchen Festen fast schon ein wenig übertrieben empfinde, bin ich froh, dass die Fußball-Dekoration bei EM und WM ihren Teil dazu beigetragen hat, dass wir diese sportlichen Ereignisse inzwischen als das begreifen, was sie wirklich sind: ein sportlicher Wettstreit, bei dem man ganz offen sympathisieren und mitfiebern darf.

Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr auch eine Fan-Kluft für Spiele der Nationalmannschaft? Oder schminkt ihr euch zu Großereignissen? Oder habt ihr sonstige Deko für Auto, Wohnung oder Haus? Oder würdet ihr euch immer noch irgendwie „unwohl“ fühlen, mit Deutschland-Fanartikeln vor die Tür zu gehen?

Flaggenfoto: Br!gg0r / pixelio.de

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