Activia statt Abspann – der schleichende Wegfall des Filmabspanns

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movieMit dem Abspann am Ende eines Films ist es so eine Sache. Der StevieO hat erst kürzlich aufgezeigt, dass er im Kino bis zum Ende des Abspanns sitzen bleibt, da das für ihn eine Frage des Respekts und der Wertschätzung für die Filmcrew ist. Ganz so weit geht es bei mir persönlich nicht unbedingt, aber auch ich bleibe nach einem Film gerne noch ein wenig sitzen, genieße die Musik und lasse beim Abspann den Film erst so richtig „sacken“.

Zugegeben, bei einem simplen Actionfilm oder einer lustigen Komödie braucht man nach dem Film oftmals nicht lange, um alles zu verarbeiten. Aber bei einem Drama oder generell einem Film mit einer bewegenden Handlung oder einem mitreißenden Ende, da kann es durchaus vorkommen, dass man noch ein paar Augenblicke darüber nachdenken will. Wie gesagt, auch die Musik beim Abspann tut da ihr übriges dazu.

Und während ich so darüber nachdachte, fiel mir etwas auf:

Die jüngeren Leser unter euch werden es vielleicht gar nicht oder kaum noch kennen, aber früher war es auch im Fernsehen ganz normal, dass der Abspann nach dem Film noch komplett gezeigt wurde. Irgendwann kam dann ein findiger Werbe-Fachmann auf die glorreiche Idee, dass man sich den Abspann doch eigentlich sparen könnte. Wenn ein Abspann 5 Minuten lang ist, macht das bei drei Filmen an einem Abend immerhin 15 Minuten, in der man das Publikum stattdessen auch schön mit gewinnbringender Werbung beglücken kann.

So ist es heute gar nicht mehr ungewöhnlich, dass der Film noch nicht ganz aus vorbei ist, da verschwindet die letzte Szene in ein Miniaturbild, rechts, links oder darunter werden kurz die wichtigsten Hauptdarsteller und der Regisseur eingeblendet – und dann folgt schon der nächste Werbe-Block. Produktinformationen statt Filminformationen. Bei den oben genannten Actionfilmen mag das nicht weiter störend sein. Bei Komödien hingegen sind auch gerne mal lustige Outtakes (herausgeschnittene Szenen) in den Abspann mit eingearbeitet, die der Fernsehzuschauer dann ggf. nicht zu Gesicht bekommt. Gleiches gilt heutzutage oft für Filme, in denen nach dem Abspann noch eine kurze Szene kommt, die auf eine Fortsetzung hinweist – die werden im Fernseh-Programm schlichtweg unterschlagen!

Ganz furchtbar ist es bei dramatischen Filmen mit aufwühlendem Ende. Man sitzt auf der Couch, ist noch ganz ergriffen vom furiosen Finale des Films, möchte am liebsten noch ein paar Minuten den Film „sacken“ lassen und einfach der Musik lauschen… stattdessen wirft einem Oliver Kahn seine „Brutzler“ um die Ohren und Vera Int-Veen preist den Activia-Joghurt, damit man wieder so richtig mit Dampf furzen und die Keramik besprenkeln kann.

Da fällt es logischerweise schwer, einen klaren Gedanken zu fassen und die vielleicht bedrückenden Ereignisse aus dem Film zu verarbeiten, wenn man gleichzeitig von der WC-Ente angequackt wird. Mit einem Schlag sind sämtliche Emotionen weg, die Stimmung, die der Film mühevoll aufgebaut hat, sofort verschwunden. Als würde es nicht reichen, die besten Szenen zwischendurch schon mit Werbung zu verschandeln (was ich ja noch irgendwie nachvollziehen kann), aber den Film gänzlich im Sinne der Werbe-Vermarktung um seinen Abspann zu beschneiden, finde ich schon ein starkes Stück!

Das regt mich regelrecht auf. Umgehen kann man das nur, indem man sich Filme nur noch auf DVD oder Bluray anschaut oder auf die wenigen Sender -meist im PayTV- ausweicht, die den Mist nicht mitmachen und noch den Abspann zeigen – mit allen Outtakes, Abschluss-Szenen und der guten Musik, die man im Abspann meist genießen kann.

Sehe ich das zu streng? Wie schaut es bei euch aus? Nervt euch dieser fließende Übergang in die Werbung auch? Oder habt ihr damit kein Problem und braucht keine Zeit nach einem Film, um diesen zu verarbeiten? Wer von euch kann sich eigentlich noch an die Zeiten erinnern, als nach einem Film der komplette Abspann lief?

Foto: vivito / pixelio.de

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