Planetia Utopia – ein Gedankenspiel um die Zukunft der Menschheit

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universumNeulich hatte ich eine angeregte Diskussion mit einigen Arbeitskollegen. Schnell hatten sich zwei Lager mit unterschiedlichen Meinungen zum Thema gebildet, weswegen ich es auch gerne hier noch einmal in einem größeren Kreis mit euch diskutieren möchte, um vielleicht noch weitere Blickwinkel und Betrachtungsweisen zu gewinnen.

Wir hatten uns während einer Arbeitspause über Technik und künstliche Intelligenz unterhalten und auf Basis dieser Themen irgendwann ein Szenario entworfen, welches uns spontan durch den Kopf schwirrte. Im Rahmen dieses Szenarios entwickelte sich dann die besagte Diskussion. Kurz zusammengefasst, sah unser fiktives Szenario in etwa folgendermaßen aus:

Wir gehen einfach mal davon aus, dass der technische Fortschritt irgendwann einmal soweit voranschreiten wird, dass es möglich sein wird, sämtliche Aufgaben, die zur Aufrechterhaltung des täglichen Lebens erforderlich sind, von Computern, Maschinen und Robotern mit entsprechender künstlicher Intelligenz ausgeführt werden können und es -frei nach Star Trek- auch so eine Art „Replikatoren“ geben wird. Das ist aus heutiger Sicht natürlich ein Zustand, der noch in weiter Ferne liegt, doch darum soll es gar nicht gehen.

Ziel des Szenarios sollte einfach sein, einen Ort zu erschaffen, an dem Menschen bestimmten Tätigkeiten nicht mehr gezwungenermaßen nachgehen MÜSSEN, da diese nun auch von Maschinen erledigt werden, sondern dass sich die Menschen darauf konzentrieren können, Tätigkeiten nachgehen zu KÖNNEN, so wie sie dies wollen. Wenn beispielsweise niemand unbedingt den Müll abholen will, dann wird es eben von entsprechenden Robotern erledigt. Diese könnten bei Bedarf auch Felder bestellen und abernten, Rohstoffe fördern, Konsumgüter zusammenbauen (wie es ja heute bereits vielfach fast weitgehend von Maschinen erledigt wird) etc.

Wir gehen davon aus, dass sich die Menschen dann nicht alle einfach auf die „faule Haut legen“ würden, nur weil die Jobs von Robotern erledigt werden würden. Das ist z.B. an Rentnern oder auch Arbeitslosen gut zu erkennen, die zwar vielfach die erste arbeitslose bzw. „rentnerische“ Zeit genießen, irgendwann nach ein paar Wochen aber an den Punkt kommen, wo es sie dann plötzlich doch wieder „in den Fingern juckt“ und sie irgendetwas tun wollen. Das können und sollen die Menschen dann in unserem Szenario auch tun können.

Sie können sich dann eine Arbeit oder ein Projekt suchen, was genau ihren Vorstellungen entspricht. Der Vorteil der Szenario-Welt wäre, dass niemand mehr „Handlangertätigkeiten“ nachgehen müsste (es sei denn, er möchte dies), sondern man sich ganz gezielt so ausleben könnte, wie man das möchte. Wer beispielsweise das innere Bedürfnis hat, anderen Menschen medizinisch helfen zu wollen oder das Ansehen eines Arztes zu haben, beschäftigt sich in diesem Bereich. Wer Bücher schreiben möchte, weil ihm dies ein Anliegen ist, wird eben Autor. Das sind auch durchaus zwei Bereiche, die sich nach heutigem Stand der Dinge nicht oder nicht so einfach durch Maschinen ersetzen ließen.

Es wäre generell damit zu rechnen, dass in dieser Szenario-Welt viele Menschen eher kreativen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Tätigkeiten nachgehen würden, um sich dort entsprechend zu verwirklichen. Also genau in solchen Bereichen, die von Maschinen und Robotern nicht oder nur unzureichend wahrgenommen werden könnten. Wer hingegen eher körperliche Vorzüge hat und seine Zukunft nicht in geistigen Tätigkeiten sieht, könnte sich beispielsweise immer noch auf eine sportliche Karriere konzentrieren und dort mit anderen Gleichgesinnten dem menschlichen Urbedürfnis nach Wettbewerb frönen.

Streitpunkt bei unserem Szenario wurde letztlich der Punkt „Geld“. Die eine Seite, zu der auch ich gehörte, war der Ansicht, dass Geld in einem solchen Szenario überflüssig werden würde. Geld wurde ja ursprünglich „erfunden“, um ein Tauschmittel zu haben, welches sich leicht transportieren und tauschen ließ. Vor der Zeit des Geldes tauschte man Kühe, Nahrungsmittel, Felle etc. direkt miteinander, was mitunter natürlich so manche Schwierigkeiten mit sich brachte, die durch Geld erleichtert wurden.

Heute dient Geld dazu, die Menschen zur Arbeit zu motivieren, um ihnen damit das Tauschmittel zur Verfügung zu stellen, mit dem sie sich ihre Wünsche realisieren können. Doch wäre das in unserem Szenario überhaupt noch notwendig? Durch die Automatisierung der Konsumgütererstellung sowie den Einsatz von Replikatoren (diese erlauben es, jeden in seiner atomaren Struktur vorher erfassten oder programmierten Gegenstand zu duplizieren, vor allem natürlich Dinge des täglichen Bedarfs, zum Beispiel Lebensmittel) kann sich jeder die Konsumgüter replizieren, die er haben möchte. Auch sonst ist ein „Antriebsmittel“ zur Arbeit nicht mehr nötig, da alle wirklich notwendigen Arbeiten ja sowieso durch Maschinen vollführt würden.

Gegen diesen Gedanken, dass Geld überflüssig werden würde, wurde eingewendet, dass „die oberen Zehntausend“ dies garantiert nicht zulassen würden, um ihren Status nicht zu verlieren. Hier muss man jedoch bedenken, dass ja nichts verloren würde. Diese Menschen könnten weiterhin ein unbeschwertes, luxuriöses Leben leben führen, und müssten nur damit leben können, dass es anderen nicht mehr schlechter geht. Zwar mag es manchen Reichen geben, für dessen Ego dies von Nachteil wäre, dennoch glaube ich, dass dies nicht für die breite Masse der Reichen zutrifft.

Ein weiteres Argument gegen die Abschaffung des Geldes war immer wieder, dass es dann ja gar nicht mehr gäbe, wofür es sich zu arbeiten lohnen würde und dass damit Arbeit, um sich einen Traum zu realisieren, entwertet würde. Auch dem kann ich nicht zustimmen. Selbstverständlich gäbe es dann noch einen Grund, zu arbeiten, auch wenn man kein Geld mehr dafür bekommt. Der Hauptgrund wäre, dass man sich genau so entfalten könnte, wie man sich das wünscht – was doch eigentlich die perfekte Ausgangslage darstellt, oder? Der Lehrer würde nicht des Geldes wegen lehren, sondern in erster Linie, weil er Wissen vermitteln will. Der Forscher, um Wissen zu vermehren. Der Künstler, um frei von Zwängen etwas zu erschaffen. Die Selbstverwirklichung läge im Zentrum, nicht mehr die Existenzsicherung.

Zudem glaube ich nicht, dass man dann, nur weil man sich alle Konsumgüter kostenfrei nach Belieben reproduzieren könnte, keine Träume mehr hätte, auf die man hinarbeiten könnte. Schließlich gibt es doch nicht nur materielle Träume, oder sehe ich das falsch? Vielleicht würde diese Besinnung auf gerade die Erfüllung imaterieller Träume und Wünsche dazu führen, dass man diese, die man mit Geld nicht kaufen kann, sondern die auf Erlebnissen, auf Gefühlen und Emotionen jedweder Art beruhen, noch intensiver in den Fokus gerückt würden und somit noch wertvoller und besonderer für uns würden.

Klar, es wäre schwerer, sich von der Masse abzuheben, wenn plötzlich jeder einen Sportwagen fahren könnte… wenn er denn wollte. Jedoch hat es der Mensch bislang immer geschafft, sich auf die ein oder andere Weise von seiner Umwelt insoweit zu unterscheiden, dass er seine Individualität ausleben konnte. Mit ein wenig Kreativität könnte man sich eigene Autos und Kleidungsstücke entwerfen und replizieren lassen. Oder man sucht gleich völlig andere Wege der Selbstverwirklichung.

Was meint ihr dazu? Könntet ihr euch -unter der Annahme, dass eine solche Szenario-Welt existiert- ein Leben dort ohne Geld vorstellen? Wie würdet ihr euch dort fühlen? Was würdet ihr tun? Oder seht ihr das eher skeptisch? Wo lägen Gefahren oder Probleme, die ich bislang übersehen habe? Ich freue mich auf eine angeregte Diskussion mit euch und bin auf eure Blickwinkel und Ansichten schon sehr gespannt.

Foto: Gerd Altmann / pixelio.de

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