Die Qual der Wahl

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WeggabelungWenn ich mir das Leben bildlich vorstelle, ist es für mich immer ein langer Weg, an dem alle paar Meter eine Gabelung wartet. Diese Weggabelung steht symbolisch für eine Entscheidung, die ich treffen muss. Je nachdem, wie ich mich entscheide, geht es im Leben für mich eben in die eine oder in die andere Richtung.

Solche Entscheidungen fällen wir alle tagtäglich unzählige Male, auch wenn wir uns das vielleicht nicht so oft bewusst machen, auch weil manche Entscheidungen nicht „so wichtig“ erscheinen. Stehe ich morgens pünktlich auf oder drücke ich noch mal die Schlummertaste und drehe mich für 5 Minuten um? Tanke ich an der Tankstelle auf dem Weg zur Arbeit E10 oder normales Super Benzin? Tanke ich überhaupt, oder spekuliere ich darauf, dass der Sprit morgen doch ein paar Cent günstiger wird? Mache ich mir Fleisch oder Fisch zum Essen? Oder etwas vegetarisches? Nehme ich Pommes, Reis oder (Brat-)Kartoffeln als Beilage?

Es müssen nicht immer die vermeintlich „groß“ und „wichtig“ erscheinenden Entscheidungen sein, die großen Einfluss auf unser Leben haben können. Auch die vermeintlichen „Kleinigkeiten“ können sich nachhaltig auswirken:

Drehe ich mich noch einmal für fünf Minuten um, statt pünktlich aufzustehen, gehe ich auch 5 Minuten später aus dem Haus und laufe vielleicht dem betrunkenen Fahrer vor das Auto, dem ich nie begegnet wäre, wenn ich pünktlich aufgestanden wäre. Oder ich treffe ihn gerade deswegen nicht, weil er eben fünf Minuten vorher die Straße entlang gefahren ist und mich erwischt hätte, wenn ich pünktlich gewesen wäre.

Vielleicht läuft einem statt dem Betrunkenen aber auch der Partner fürs Leben über den Weg. Man weiß es einfach vorher nicht, welche Auswirkungen die Wahl eines eingeschlagenen Weges, einer genommenen Abzweigung oder Gabelung hat oder haben kann. Man steht an den Gabelungen, ohne dass ein genauer Wegweiser vorhanden wäre, der einem zeigt, wohin die Reise geht oder welche genauen Auswirkungen der Weg, den wir wählen, für uns haben wird.

Am 13.05.2012 sind hier in Nordrhein-Westfalen Landtagswahlen. So manchen höre ich bei dem Thema aufstöhnen. Kann ich verstehen. Eine Partei zu finden, mit deren Zielen und Ansichten man in jeder Hinsicht zu 100% übereinstimmt, dürfte ein Ding der Unmöglichkeit sein. Mancher spricht in dem Zusammenhang davon, dass er einfach nur das „kleinste Übel“ wählt. Dennoch folgt hier mein Appell: Leute, geht wählen!

Wahlzettel Ich habe es schon erledigt. Am Wochenende kamen meine Briefwahlunterlagen. Man muss also noch nicht einmal am Sonntag zum Wahllokal marschieren, wenn man das nicht will.

Natürlich ist die Entscheidung nicht einfach. Über die Jahre hinweg haben Politiker unterschiedlichster Parteien viel Kredit bei uns Wählern verspielt. Andererseits möchte ich wenigstens das kleine bisschen Einfluss, welches ich auf die politische Willensbildung habe, auch wirklich nutzen! Viele beschweren sich, dass ihnen dieser Einfluss nicht ausreicht. Sie wollen mehr, als nur alle paar Jahre Kreuzchen machen. Sie wollen häufiger gefragt und eingebunden werden. Dieses Bedürfnis kann ich verstehen. Aber warum sollte mich dieses Bedürfnis davon abhalten, jetzt zu wählen? Wenn ich noch nicht einmal von meinem jetzigen Wahl- und Mitspracherecht Gebrauch mache, wie könnte ich dann ernsthaft und glaubwürdig verlangen, noch mehr Mitspracherecht zu bekommen?

Wo ihr letztlich euer Kreuz macht, müsst dürft ihr selbst entscheiden. Vor allem solltet ihr darauf achten, was die einzelnen Parteien in Bezug auf NRW planen, denn hier geht es diesmal schließlich nicht um eine Bundestagswahl, sondern um eine Landtagswahl. Da ist es mir herzlich egal, was Regierung und Opposition in Berlin verzapfen. Wichtig sind mir die Leute „vor Ort“ und das, was die in NRW „verzapfen“ wollen. Wer sich bislang nicht so sehr damit beschäftigt hat, welche Partei hier für NRW welche Schwerpunkte setzen und welche Ziele verfolgen will, kann sich beispielsweise auch Hilfsmitteln wie dem Wahl-O-Mat bedienen. Nach Beantwortung einiger Fragen zeigt der euch an, mit welchen Parteien ihr -zumindest ausgehend von ihren Wahlprogrammen- die meisten Gemeinsamkeiten habt. Auch könnt ihr für Themen, die euch besonders wichtig sind, eine separate, stärkere Gewichtung vorgeben.

Die Ergebnisse von solchen Tools wie dem Wahl-O-Maten sind natürlich nur eine Hilfestellung, aber wer ansonsten gar keine Orientierung im Parteien-Dschungel hat oder wer sich vielleicht zwischen zwei oder drei Parteien aus seiner engeren Auswahl nicht entscheiden kann, für den können solche Hilfsmittel vielleicht nützlich sein.

Ob meine Wahl die richtige Entscheidung war, weiß ich jetzt noch nicht. Das wird die Zeit zeigen. Ebenso habe ich keinen Einfluss darauf, ob die jeweiligen Parteien ihre Programme letztlich auch wie geplant durchsetzen wollen und können. Kommt ja auch gerne mal auf die Koalitionspartner an.

Und natürlich hat man als einzelner Wähler nur verhältnismäßig wenig Einfluss mit seiner Stimme – bzw. seinen zwei Stimmen, die man bei der Landtagswahl verteilen darf. Aber ich muss mir wenigstens später nicht vorwerfen lassen, dass ich meinen Teil nicht beigetragen hätte. Ich darf dann meckern, wenn es nicht läuft. Und ich habe meine Wahl getroffen, bin an der Weggabelung abgebogen. Nun bin ich gespannt, wohin die Reise gehen wird.

Wie sieht es bei meinen Lesern aus NRW aus? Auch schon gewählt? Oder werdet ihr das noch tun? Und wie handhaben das meine übrigen Leser aus anderen Bundesländern? Macht ihr von eurem Wahlrecht noch Gebrauch? Oder seid ihr wahlmüde oder politikverdrossen geworden?

Foto Weggabelung: Silke Maier / pixelio.de

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