Der Shaolin-Mönch mit dem Bein aus Stahl

Anzeige

shaolinManchmal kommt man sich vor, wie im falschen Film. Noch gut kann ich mich daran erinnern, wie ich mal mit meiner besseren Hälfte auf der Couch saß und wir auf der Suche nach dem passenden Abendprogramm waren. Wir zappten durch die Programme der „üblichen Verdächtigen“, auf denen -mal wieder- nichts Interessantes lief. Man kennt ja diesen inzwischen typischen Abendprogramm-Mix aus altbekannten Wiederholungen von US-Filmen, deutschen Eigenproduktionen mit Fremdschäm-Charakter, irgendwelchen grottenschlecht gemachten Doku-Soaps sowie irgendwelchen Castingshows, in denen wieder jemand gesucht wird, nach dem nach dem Gewinn der Sendung kein Hahn mehr kräht.

Nachdem also auf den typischen Kanälen nur der typische Mist lief, zappten wir einfach mal ziellos weiter auf die hinteren Kanäle. Dorthin, wo z.B. die Einkaufs-Kanäle auf gelangweilte Opfer lauern, um einem irgendwelchen Krempel anzudrehen, den man eigentlich nicht benötigt. Doch glücklicherweise kommen vor den Einkaufskanälen noch Sachen wie die regionalen und dritten Programme… und ARTE! Das Programm dort ist natürlich auch Geschmackssache, aber dadurch, dass dort regelmäßig Themen-Abende veranstaltet werden, ist hin und wieder auch was für den eigenen Geschmack dabei.

Kultur-Fernsehen à la ARTE muss nämlich nicht immer ernst und langweilig sein. Das konnten wir an besagtem Abend wieder einmal feststellen, als wir dort beim Zappen an einem asiatischen Film hängen blieben. Wer hier bereits länger mitliest weiß, dass meine bessere Hälfte ein großer Asien-Fan ist. Bei mir ist das nicht ganz so ausgeprägt, aber auch ich schaue mir hin und wieder ein paar Streifen von „dort drüben“ an.

Der Film hatte gerade erst begonnen und zeigte eine Szene, die ziemlich schnell deutlich machte, dass es sich nicht um einen ernsten Film handelte, sondern das Genre der asiatischen Filme mit ihren teilweise überdrehten Special-Effects und den meterweit durch die Luft fliegenden Kämpfern aus historischen Filmen ein wenig selbst auf die Schippe nehmen sollte. Wir schauten kurz in den Videotext, um zu gucken, wie der Film überhaupt hieß. Der Name ließ mich noch neugieriger werden. „Shaolin Kickers“ – also ein Film über Fußball und Shaolin-Mönche? Wie sollte das zusammengehen?

Tja, eigentlich ganz einfach. Durch einen Zufall begegnen sich der ehemalige Shaolin-Mönch Sing, der sich irgendwie durchs Leben schlägt, und der alte Fung. Fung war früher Fußballspieler, bis sein damaliger Mitspieler Hung dafür sorgte, dass Fungs Knie so stark verletzt wurde, dass dieser mit dem Fußball aufhören musste. Der gealterte und frustrierte Fung erkennt nun das Potential von Sing, der über einen unwahrscheinlich harten Schuss (einem „Bein aus Stahl“) verfügt, diesen aber noch nicht richtig kontrollieren kann. Fung wird Sings Trainer. Gemeinsam überreden sie Sings Brüder aus der Shaolin-Zeit, die ebenfalls alle den Halt im Leben verloren haben, aber jeder für sich über „Spezialfertigkeiten“ verfügt, ein Fußballteam zu gründen. Nachdem sie zu einer Mannschaft zusammenwachsen und lernen, ihre Fähigkeiten im Spiel einzusetzen, gelangen sie in einem Turnier bis ins Finale.

Dort wartet das Team der Teufelsdrachen. Das Team gehört Fungs altem Rivalen Hung, welcher seine Spieler so stark gedopt hat, dass diese sogar dem Shaolin-Team überlegen scheinen. Es entwickelt sich ein furioses Finale, in welchem mit Witz, Romantik und Special Effects -wie eigentlich im ganzen Film- nicht gegeizt wird. Leider handelt es sich um einen Film, der im deutschen Free-TV so gut wie nie gezeigt wird. Wer also Interesse daran hat, sollte ggf. einmal online danach suchen oder einen Blick in die Videothek seines Vertrauens werfen. Der Film ist bekannt unter dem deutschen Titel „Shaolin Kickers“ oder auch dem internationalen Titel „Shaolin Soccer“.

Hier mal ein kleiner Trailer zum Film, von dem es bei Interesse scheinbar auch „recht viel“ bei YouTube zu sehen gibt *räusper* Achtet bitte vor allem mal auf die Szene im Trailer, wo dem Torwart die Klamotten vom Leib „fliegen“:

Scheinbar handelt es sich bei der Szene aus dem Trailer um eine entschärfte Version für den amerikanischen Markt. Im Original geht es in der Sequenz mit dem Torwart der Teufelsdrachen nämlich weitaus „brutaler“ zu, wie euch hier der Ausschnitt aus dem Original beweist:

Aber mit solchen „nackten Tatsachen“ gibt es auf manchen Märkten halt immer wieder mal Probleme 😉 Shaolin Soccer ist für mich ein Film, der das Thema Fußball mal auf erfrischend andere Weise aufgreift, nebenbei asiatische Filme per se ein wenig auf die Schippe nimmt und zeigt, dass Special Effects nicht nur gut sind, um harte, ernste Actionfilme zu machen.

Interessiert ihr euch eigentlich auch hin und wieder mal für Filme aus dem asiatischen Raum? Oder aus dem sonstigen Ausland, außer den USA? Oder seid ihr Hollywood gänzlich verfallen?^^

Foto: Jörg Kalt / pixelio.de

Anzeige