Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer – fliegt in Fußballstadien aber regelmäßig tief!

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SchwalbeDenkt man an Fußball, kommen einem viele Ideen in den Kopf. An Tiere jedoch denkt man in dem Zusammenhang wohl eher selten. Zwar wurden Fußbälle früher aus Tierleder gefertigt, diese Zeiten sind jedoch längst vorbei. Das freut nicht nur die Tiere, sondern auch die Spieler, da die Bälle aus Tierleder leichter verformbar waren und in den Flugeigenschaften „flatterhafter“. Für den dynamischen Präzisionsfußball der heutigen Zeit wären solche Tierlederbälle eher weniger geeignet.

Dennoch sind Tiere in der Fußballwelt immer noch allgegenwärtig, vor allem in geflügelter Form. Die Rede ist von den Schwalben! Von einer solchen Schwalbe spricht man im Fußball, wenn ein Spieler versucht, einen Freistoß oder Elfmeter zu „schinden“, indem er sich in einem Zweikampf mit einem Gegenspieler absichtlich und meist besonders theatralisch fallen lässt, um den Schiedsrichter entsprechend zu täuschen. Der Begriff „Schwalbe“ geht wohl darauf zurück, dass der Spieler für sein Täuschungsmanöver „abhebt“ und „fliegt“ – hierbei wird dann auf die Redewendung „Die Schwalben fliegen heute wieder tief“ Bezug genommen.

Vor allem der italienische Fußball hat oftmals mit dem Vorurteil zu kämpfen, dass dort Spieler besonders leicht „Opfer der Schwerkraft“ werden und wie ein sterbender Schwan zu Boden sinken. Das genaue Gegenteil in dieser Hinsicht stellt die englische Liga dar. Dort sind Schwalben auch heute noch sehr verpönt. Dort werden Spieler nach eindeutigen Schwalben gnadenlos ausgepfiffen – oftmals sogar von den eigenen Fans!

Das war auch der Grund, warum es Jürgen Klinsmann zu Beginn seiner Zeit in England schwer hatte. Er war aus Italien nach England gewechselt und hatte den Ruf, in der italienischen Liga gerne und häufig Schwalben produziert zu haben. In England spricht man statt von Schwalben von sog. „Divern“, so dass Klinsmann in England schnell den Spitznamen „the Diver“ hatte. Allerdings gelang es ihm schnell, die Sympathien der Briten zu erlangen, da er sich -zur Überraschung der Fans- mit geradezu britischem Humor mit seinem Spitznamen umging. Statt beleidigt über den Spitznamen zu sein, begann er, nach geschossenen Toren mit ausgebreiteten Armen auf die Kurve seiner Fans zuzulaufen, dann abzuheben, sich auf den Boden zu werfen und auf dem Bauch mit von sich gestreckten Gliedmaßen über den Boden zu rutschen, um so eine Schwalbe bzw. einen klassischen Diver nachzuahmen.

Denkt man an Schwalben im deutschen Profifußball, trifft man zwangsläufig auf Andreas (Andi) Möller, der 1995 im Trikot von Borussia Dortmund gegen den Karlsruher SC ohne Fremdeinwirkung im Strafraum zu Boden ging und damit erfolgreich einen Elfmeter zugesprochen bekam. Zum damaligen Zeitpunkt stand es noch 1:0 für Karlsruhe, die durch den Elfmeter den Ausgleich hinnehmen mussten und später das Spiel sogar noch komplett verloren. Möller behauptete später, dass es sich um eine „Schutzschwalbe“ gehandelt habe, da er Angst hatte, dass ihn sein Gegenspieler ansonsten „voll umgehauen“ hätte. Aufgrund seiner Uneinsichtigkeit bezüglich seines Fehlverhaltens war der öffentliche Protest so groß, dass Andi Möller der erste Fußballer im deutschen Profifußball wurde, der vom DFB für eine Schwalbe nachträglich gesperrt wurde. Zeitweise wurde er vom damaligen Nationaltrainer Berti Vogts hierfür sogar aus der Nationalmannschaft verbannt.

Wer diese „historische“ Schwalbe gerne einmal sehen möchte, wird im folgenden Video fündig. Es handelt sich um eine Sammlung besonders kurioser Schwalben. Möllers Schwalbe ist die erste im Video:

[Hier ist ein Video eingebunden, welches du dir im Artikel ansehen kannst.]

Mein persönlicher Favorit ist jedoch die zweite Schwalbe im Video, wo sich der chilenische Nationalspieler mit der Hand seines Gegenspielers selbst schlägt, um ein vermeintliches Foul an sich nachzustellen. Keine Schwalbe im „klassichen Sinne“, aber eine sehr interessante Ausprägung davon 😉

Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

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