Wie viel Einfluss darf ein Leser auf einen Blog haben?

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Bei der Zeitzeugin bin ich auf einen interessanten Artikel in eigener Sache gestoßen, der mich zum Nachdenken und letztlich zum Schreiben dieses Artikels bewegten.

Kurz zusammengefasst ging es in dem verlinkten Artikel darum, dass sie in den vergangenen Wochen häufiger Aussagen wie

“Schade, dass dein Blog nicht mehr so viel Fantasycontent enthält. Früher war der besser” oder

“Hm. Irgendwie schreibst du gar keine ironischen Postings über Klischees mehr”.

an den Kopf geworfen bekam. Da es sich wohl um mehrere solcher Aussagen innerhalb verhältnismäßig kurzer Zeit handelte, sah sich die Zeitzeugin “genötigt”, noch einmal klarzustellen, dass es sich um ihren eigenen Blog handelt, sie ohne Honorar dort Artikel veröffentlicht und daher auch darum bittet, selbst über die Inhalte entscheiden zu dürfen, die sie auf ihrem Blog veröffentlicht. Oder um sie selbst zu zitieren:

“(…)solange ich kein Honorar bekomme und den Blog nur als Hobby betreibe, lasst mich doch bitte posten, was ich will und wonach mir der Sinn steht. Kritik an meiner Themenwahl finde ich daher auch reichlich unpassend.”

Soweit der gekürzte Überblick. Zunächst wollte ich einfach in den Kommentaren meinen Senf zu dem Thema abgeben. Als ich dann aber merkte, dass der Kommentar länger werden würde und ich noch ein paar andere Gedanken auf meinen eigenen Blog bezogen dazu hatte, beschloss ich, es im Rahmen dieses Artikels hier zu verarbeiten.

Vorschreiben lassen würde ich mir natürlich auch nicht, was ich auf meinem Blog zu schreiben habe. Insofern gebe ich der Zeitzeugin hier gerne bei ihrer Argumentation Recht, dass der Blogbetreiber selbst darüber entscheiden dürfen muss, welche Themen er auf seinem Blog behandelt und wie die gesamte Ausrichtung des Blogs -sofern es denn eine solche gibt- ausschauen soll. Das folgt dann frei dem Motto: “Wer die Kapelle bezahlt, darf auch bestimmen, welche Musik gespielt wird.”

Andererseits finde ich die von der Zeitzeugin angesprochenen Beispiele in der Einleitung zum Artikel jetzt auch nicht soooo dramatisch. Da wird ja nicht explizit gefordert, sondern einfach eher eine Form von Feedback gegeben bzw. Wünsche geäußert. Ich vermute mal, dass bei ihr vielleicht auch E-Mails mit anderem “Tonfall” eingegangen sind, und die letztlich dann der Auslöser für ihren Artikel waren.

Die explizit genannten Beispiele finde ich persönlich jedenfalls völlig in Ordnung. Klar ist es schöner, wenn man für seinen Blog und seine Artikel gelobt wird und Honig um den Mund geschmiert bekommt, das geht wohl jedem von uns Bloggern so. Aber auch mit negativem Feedback muss man leben können. Teilweise bringt es einen ja auch durchaus weiter. Ich empfinde es als positiv, wenn mir meine Leser ab und zu via E-Mail oder anderen Kommunikationswegen mitteilen, was sie gut, aber auch weniger gut an meinem Blog finden.

Klar ist es mein Blog, aber er lebt ja auch von seinen Lesern. Würde ich nur für mich schreiben, täte ich das sicherlich nicht im öffentlichen Internet. Wenn ich hier schreibe, dann mache ich das auch, weil ich hoffe, dass es zu Reaktionen seitens der Leser kommt. Insofern interessiert es mich selbstverständlich schon ein Stück weit, ob ich mit der eigenen Themenwahl -die mich natürlich auch und in erster Linie erst einmal selbst interessieren muss- auch das Interesse meiner Leser treffe. Das kann mitunter etwas symbiotisches haben.

Sicherlich hat die Zeitzeugin Recht, wenn sie sagt, dass man ihren Blog auch wieder “entabonnieren” kann, wenn einem die Inhalte nicht mehr gefallen. Und wie eingangs erwähnt, habe ich absolutes Verständnis dafür, dass man sich nicht vorschreiben lassen will, über welche Themen man auf dem eigenen, privaten Blog schreibt. Solange man damit gegen keine Gesetze verstößt, sollte das in der Tat jedem Blogger selbst überlassen bleiben.

Auf der anderen Seite habe auch ich schon mal Aussagen wie die eingangs erwähnten erhalten. In der Art fand ich die allerdings nicht schlimm und auch nicht “fordernd”, sondern allenfalls als Wunschäußerung. Solche Äußerungen von Wünschen muss man seinen Lesern meiner Meinung nach zugestehen müssen. Mitunter kann das sogar positiv und förderlich sein. Ein Beispiel aus eigener Erfahrung: ich habe hier eine ganze Zeit allmonatlich über die lustigsten Suchbegriffe berichtet, mit denen Leute via Google und anderen Suchmaschinen auf meinem Blog gelandet sind. Nachdem sich viele Begriffe mit der Zeit jedoch immer wieder wiederholten, habe ich die “Serie” erst einmal pausiert, da ich fürchtete, dass ich sonst mit der Veröffentlichung eben jener Begriffe auch immer wieder nur die gleichen Suchanfragen “provozierte”.

Allerdings wurde die angedachte Pause immer länger und ich muss gestehen, dass ich die Serie ein wenig aus den Augen verloren habe. Irgendwann meldeten sich dann aber einige Leute in den Kommentaren, per Twitter oder auch E-Mail bei mir und schrieben, dass sie es schade finden, dass ich die Serie derzeit nicht fortsetze, da sie die Zusammenfassungen immer sehr gern gelesen haben. Teilweise wurde ich dann auch gefragt, ob ich die Serie nicht wieder fortsetzen könne.

Die Anfragen fand ich durchaus legitim und habe die nicht als Aufforderung, sondern vielmehr als Wunsch bzw. reine Anfrage verstanden. Davon abgesehen ist mir die Serie an sich und ihre Beliebtheit bei einigen meiner Leser dadurch erst wieder ins Gedächtnis gerufen worden. Es ist nicht so, dass ich darüber nicht mehr schreiben wollte, ich hatte es schlichtweg im Laufe der Zeit “vergessen”. Insofern waren die Anfragen in dem Fall eher eine positive “Gedächtnisstütze”, die mir das Thema erst wieder vor Augen führten. An dieser Stelle sei dann auch darauf hingewiesen, dass ich beabsichtige, die Serie -in loser Folge, also nicht mehr unbedingt 1x pro Monat- fortzusetzen.

Wie so oft im Leben macht hierbei wohl auch ganz gewiss der Ton die Musik. An einer freundlich formulierten Anfrage ist sicherlich nichts Verwerfliches. Auch hat in meinen Augen jeder Leser das Recht, seine Meinung zur Entwicklung eines Blogs abzugeben, sei es nun positiv oder auch negativ. Schließlich nehmen wir Blogger uns dieses Recht gegenüber anderen Medien ja auch heraus, kritisieren (in positiver oder negativer Form) Schlagzeilen in Zeitungen, Sendungen aus dem Fernsehen, schreiben Film- und Buchrezensionen, veröffentlichen Produkte-Tests oder bewerten die Leistung von Sportlern, Musikern und Politikern. Warum sollten wir also nicht auch unsere Meinung über andere Blogs äußern dürfen?

Wichtig scheint mir in dem Zusammenhang einzig die richtige Wortwahl zu sein, sowie den mitunter schmalen Grat zwischen einem Wunsch oder einer Kritik bzw. vielleicht sogar dem Geben eines Tipps auf der einen Seite und dem versuchten Eingriff in die Themenwahl, also dem Mitbestimmen bzw. Fordern von Themen auf der anderen. Während ich die erstgenannten Punkte völlig in Ordnung finde, sind die letzten ein absolutes “No Go” und sollten einzig und allein dem jeweiligen Blogbetreiber überlassen bleiben.

Wie seht ihr das? Wie stark hört ihr auf eure Leser? Wie sehr geht ihr auf sie ein? Melden sich bei euch auch manchmal Leute mit Kritik oder Wünschen? Wie geht ihr mit Kritik in dem Fall um?

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