Made in Germany – alles nur Etikettenschwindel?

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Made in GermanyIch bin in einer Zeit aufgewachsen, als das Siegel „Made in Germany“ sowohl im In- als auch erst Recht im Ausland ein Beweis für Qualität war. Man sprach in dem Zusammenhang auch immer gern von „deutscher Wertarbeit“. Derartige Produkte galten als langlebig, ausgereift, geprüft und sicher. Kurz: wer sich ein Produkt „Made in Germany“ kaufte, zahlte mitunter vielleicht etwas mehr Geld, musste sich im Anschluss jedoch kaum Sorgen machen, konnte sich im Umkehrschluss aber darauf verlassen, dass es wesentlich länger hielt als vergleichbare Produkte aus gewissen anderen Ländern – und aufgrund der hohen deutschen Prüfstandards musste man sich auch keine Sorgen machen, dass das jeweilige Gerät plötzlich ohne Vorwarnung in Flammen aufgehen würde.

Allerdings kam die Zeit, in der Verbraucher plötzlich Geiz ziemlich geil fanden. Und das schon eine gewisse Zeit, bevor sich ein großer Elektromarkt mit Planeten im Namen dies als Slogan auf die Fahnen schrieb. Das war für die Unternehmen aber kein Problem. Sie verlagerten einfach einen Großteil der Produktion ins Ausland. Das taten sie sowieso schon, um Gewinne zu maximieren, weil man ja positive Bilanzen vorweisen können musste, um an der Börse nicht blöd dazustehen. So konnten sie die Produktionskosten senken, weil der Arbeitslohn im Ausland oft deutlich niedriger war als in Deutschland. Und niedrigere Produktionskosten resultierten dann auch in teilweise günstigeren Produktpreisen. Die Marketing-Abteilungen der Unternehmen trugen ihr übriges dazu bei, dass der Verbraucher ständig der Ansicht war, ein Anrecht auf Schnäppchen zu haben.

Es gab nur ein Problem bei der ganzen Sache:

Zwar wollte jeder nur wenig Geld zahlen, dafür aber dennoch viel Qualität bekommen. Daher achteten die Unternehmen penibel darauf, dass der letzte Bearbeitungsschritt der Produkte „daheim“ in Deutschland durchgeführt wurde. In dem Fall durfte nämlich weiterhin das verkaufsfördernde Label „Made in Germany“ auf dem Produkt angebracht werden, selbst wenn 90% des Produktes aus dem Ausland kam und dort gefertigt worden war.

Diesem Treiben will man nun in der EU einen Riegel vorschieben. Laut einem Bericht im Spiegel plant EU-Kommissar Algirdas Semeta, Siegel wie „Made in Germany“ nur noch dann zuzulassen, wenn mindestens 45% des Wertanteils auch tatsächlich aus Deutschland stammen. Der Plan ist zwar selbst innerhalb der Kommission mehr als umstritten, dennoch bringt sich die deutsche Industrie schon einmal in Stellung:

Das Label „Made in Germany“ gerate mit der angedachten Änderung beim Warenursprungsrecht in Gefahr, sagte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann der „Welt“. „Wenn künftig Herkunft und Wert der Vormaterialien entscheidend sind, werden viele Produkte nicht mehr als deutsch gelten“, sagte er.

Das ist in der Tat ein ziemlich zweischneidiges Schwert. Einerseits ist es schon eine ziemliche Verarschung, wenn beispielsweise ein Produkt zu 90% aus Material aus Südamerika besteht und in China gebaut wird, nach Deutschland gebracht wird, um noch zwei Schrauben festzudrehen und dann einen fetten „Made in Germany“-Stempel darauf anzubringen. Andererseits kann man auch argumentieren, dass die grundsätzliche Idee der jeweiligen Produkte bzw. Bauplan oder Design oft aus Deutschland stammen und hier auch die abschließende Qualitätskontrolle stattfindet. Selbst wenn ein Großteil vielleicht im Ausland aus ausländischen Rohstoffen gefertigt wird, wird es dennoch nach den aus Deutschland stammenden Standards gefertigt, die mitunter einfach höher sind. Die Einhaltung der Standards ist ja auch nötig, um die hiesigen Prüfstellen (TÜV etc.) zufriedenzustellen.

Wie sollte man da eurer Meinung nach vorgehen? Reicht die Einhaltung deutscher Standards aus, um das Gütesiegel „Made in Germany“ zu rechtfertigen? Oder sollte die EU-Kommission tatsächlich einen Wertanteil von 45% fordern? Oder sind 45% euch sogar noch viel zu wenig, weil es dann immer noch nicht mal die Hälfte wäre? Achtet ihr eigentlich noch auf Siegel wie „Made in Germany“? Sind die euch wichtig? Oder hat dieses Siegel inzwischen bei euch an „Wert“ und Aussagekraft verloren?

Gerd Altmann / pixelio.de

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