Woher kommt die Konsum-Hysterie?
Die Szenen kommen einem bekannt vor. Menschenmassen übernachten vor den Geschäften. Kurz vor den Öffnungszeiten gehen Türen zu Bruch. Einige Leute geraten in Panik. Es kommt zu Prügeleien. Selbst eine Messerstecherei kann nicht verhindert werden. Verkäufer und Sicherheitspersonal werden der Lage kaum Herr. Was ist passiert?
Nein, es steht nicht das neue Apple-Produkt in den Startlöchern. Auch wurde nicht völlig überraschend noch ein Harry-Potter-Band veröffentlicht. Die nächste Ergänzung zu WoW lässt auch noch auf sich warten. Und es steht auch kein Sensations-Konzert auf dem Programm. Vielmehr geht es um etwas ganz anderes. Um Schuhe!
Trotzdem bestehen die Menschenmassen vor den Geschäften nicht aus Frauen. Zumindest nicht nur. Sondern überwiegend aus Männern. Männer, die sich dermaßen für Schuhe interessieren? Wie ist das möglich?
Zunächst muss man sagen, dass sich diese Szenen in den USA ereignet haben. Und dort ging es nicht einfach um irgendwelche Schuhe, sondern natürlich um ganz besondere: die neuen Nike “Air Jordans”. Benannt nach dem bekannten Basketball-Star Micheal “Air” Jordan. Und natürlich nur in limitierter Ausgabe erhältlich, für ca. 180$ pro Paar. Wenn man sich die Bilder bei Spiegel Online anschaut, sehen die Dinger noch nicht einmal besonders toll aus. Besser Basketball spielen wird man damit vermutlich auch nicht.
Trotzdem fanden die Schuhe -erwartungsgemäß- reißenden Absatz und sorgten für Tumulte vor den Geschäften. Vielleicht, weil einige mit den Schuhen ihrem Idol huldigen wollen. Für andere mag es ein Status-Symbol sein, welches sie sich gerade so leisten können. Ich habe auch schon Berichte von Leuten gesehen, die solche Schuhe als Wertanlage nutzen, da der Verkaufspreis von 180$ innerhalb kurzer Zeit oft um ein Vielfaches steigt… sofern die Treter nicht getragen wurden.
Ich finde es einfach nur immer wieder interessant, wie der “Jäger & Sammler”-Trieb in uns Menschen erwacht und wahre Hysterien auslösen kann. Und zwar quer durch die Schichten der Gesellschaft und ebenso quer durch die Interessengebiete. Schließlich kennt man all die verschiedenen Geschichten: WoW-Fans, die zum Mitternachtsverkauf vor dem Technikmarkt warten, um eines der Exemplare zu ergattern. Harry-Potter-Fans, die sich verkleidet zu nächtlicher Stunde in Buchhandlungen einfinden, um zusammen Lesungen aus dem neuesten Teil beizuwohnen. Bei Apple-Fanboys sieht es nicht großartig anders aus, wenn ein neues Apple-Produkt auf den Markt kommt und sich belagerungsartige Zustände vor Apple-Stores entwicklen.
Film- und Konzert-Freaks campieren ebenfalls ganz gerne mal vor Kinos und Konzerthallen, um eine Karte oder einen besonders guten Platz zu ergattern. Jetzt die Horden, die sich teilweise gegenseitig mit Waffen bedroht haben, um Geld für einen Schuh ausgeben zu dürfen! Und ich spanne den Bogen noch weiter: wirklich anders verhalten sich die freundlichen Omis vor dem Aldi auch nicht, wenn dort wieder mal ein verlockendes Angebot wartet. Ich habe da schon Gehstöcke durch die Luft schwingen sehen, um sich kurz vor der Öffnung eine optimale Ausgangslage an der Eingangstür zu sichern.
Ich frage mich nur immer wieder, woher diese Konsum-Hysterie kommt? Sind es wirklich nur die Gene bzw. unser Jäger&Sammler-Trieb? Oder steckt mehr dahinter? Habt ihr euch auch schon mal für irgendetwas “verrückt” angestellt und vor einem Geschäft / Kino übernachtet oder campiert? Oder für welche Güter oder Veranstaltungen würdet ihr eine solche Last auf euch nehmen?
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Vorneweg gesagt, ich hab mich noch nie stundenlang vor ein Geschäft gestellt oder gar davor campiert.
Ich persönlich kann mir kein Produkt vorstellen für das ich derartige Aufwendungen betreiben würde – womöglich noch im Winter campieren – geht ja gar nicht.
Solche Aktionen halte ich für nicht angebracht. Um mal kurz beim Apfeltelefon zu bleiben… das gibt es noch heute zu kaufen. Warum also sollte ich stundenlang vor dem Store stehen? Nur damit ich es “früher” habe als andere? Bei jedem anderen Produkt sehe ich das jedoch genauso.
Ob so ein Verhalten mit den Genen zu erklären ist weiß ich nicht, vorstellen kann ich es mir nicht wirklich. Vielmehr ist es das persönliche Ego um dann sagen zu können “ich habe den Artikel schon und Du noch nicht”. Halbwegs verstehen könnte ich es noch, wenn der jeweilige (hochpreisige) Artikel 80-90% billiger wäre, aber sonst…. ne.
Für Schuhe, ein Buch oder gar einen Kinofilm halte ich schon fast ein wenig für krank, sorry. Natürlich muss das jeder für sich selbst entscheiden.
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@Thomas
Zur Ehrenrettung(?) der Leute vor den Schuhläden sei gesagt, dass es sich in dem Fall halt um eine limitierte Auflage handelte. 3 Tage später gab es die -so wie es vor und in den Läden aussah- scheinbar nicht mehr. Ansonsten muss ich dir -auf das Generelle bezogen- jedoch recht geben, letztlich wollen viele “ihre” Produkte wohl deswegen sofort haben, um sie als exklusive Status-Symbole präsentieren zu können… womit man dann wieder irgendwie bei den Genen wäre
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Sagen wir so: Ich verstehe diesen Wahnsinn von der psychologischen Seite betrachtet und lache mir als Marketer einfach einen Ast ab wie einfach es ist solche Hypes auszulösen. Auf der anderen Seite verachte ich soviel Dummheit aber weil es nichts dämlicheres gibt, als sich für – was auch immer – zu einer Herde (Horde) Wahnsinniger zu gesellen und mit ihen wie hirnlose Lemminge etwas nachzurennen, was ich drei Tage später in aller Ruhe genausogut erstehen kann. Ohne Stress, ohne Gefahr für meinen Körper und die Spitze ist: Keiner merkt es, dass ich mein Teil erst drei Tage später gekauft habe.
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@vanilleblau
Wie bereits bei Thomas gesagt, in dem speziellen Fall mit den Schuhen handelte es sich um eine limitierte Auflage, so dass ggf. -je nach Limitierung- vielleicht in der Tat Eile angebracht war. Wobei ich die Schuhe optisch wirklich nicht besonders ansprechend fand – da werden die auch durch eine Limitierung nicht besser. Sonst müsste ich ja auch mit Vorliebe Hundehäufchen aufsammeln, sind schließlich alle mit viel Liebe gefertigte Unikate
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Der Mann an sich, ist ein Herdentier. Deshalb hat er bis jetzt überlebt und soviele Dinge im Schrank, außer Tassen.
(… eigentlich kann man das für die gesammte, konsumorientierte Menschheit so sagen, glaub ich.)
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@copudor
Der Spruch mit den Tassen ist wirklich passend^^
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Wen man allerdings in die USA rüberschaut erkennt man das der Air Jordan nicht gerade ein Schuh ist der von Intellektuellen getragen wird. Um es mal vorsichtig auszudrücken.^^
Allerdings kann ich mir das von den Apple Jüngern und WoW-Mitternachts-Campern auch nicht vorstellen.
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@Dragonlover
Mal vom intellektuellen Standpunkt abgesehen, sieht der Schuh noch nicht mal sonderlich bequem aus^^
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Die Leute haben zuviel Kohle? *lol*
Mal im Ernst… Ich verstehe es teilweisse nicht ganz egal nun ob Mann oder Frau,irgendwie ist es schon ein “muss” alles zu haben und zu wollen??
Oder der berühmte Gruppenzawang wie in der Schule damals… “Alle haben das nur ich nicht,ich will haben!!”
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@Arven
Genau. Und selbst die, die unbedingt anders sein wollten, kamen nicht ohne Konsum aus, sondern haben dann meist gezielt das gekauft, was die anderen nicht hatten… und was natürlich trotzdem ne Stange Geld kostete. Naja, irgendwie muss es sich ja auszahlen, dass die Industrie seit vielen Jahren sehr viel Geld in Kampagnen steckt, um Konsumwünsche zu Produkten zu wecken, von denen man nie gedacht hätte, dass man sie überhaupt jemals brauchen würde.
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Das einzige, wofür ich mich frühmorgens stundenlang angestellt habe, waren Seminarplätze auf der Uni. Und das würde ich bei Bedarf auch jederzeit wieder machen, um nicht ein Semester lang Däumchen drehen zu müssen oder zu einer für mich unmöglichen Zeit ein vielleicht auch noch unmögliches Thema vorgetragen zu bekommen (allerdings gibt es mittlerweile an meiner Uni ein flächendeckendes Online-Anmeldesystem, dessen wirklich einziger Vorteil darin besteht, dass man sich beim Nervenzerrütten nicht auch noch den Arsch abfriert).
Beim Einkaufen kann ich es nicht wirklich nachvollziehen. Anscheinend müssen wir in unserer Überflussgesellschaft den Überlebenskampf mühevoll nachstellen,und zwar mit verknappten angeblichen Luxusgütern, während wir auf der anderen Seite Tonnen von Lebensmitteln auf den Müll kippen und/oder ziemlichen “Dreck” in uns reinfressen. :-/
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@Jü
Oh ja, die Unis führen dieses System ja auch auf ihre ganz eigene Weise fort. Immerhin sind manche Unis wenigstens dazu übergegangen, die völlig überfüllten Hörsäle zu entlasten, indem die Vorlesung auch ins Netz gestreamt wird. Bei Seminaren hilft das freilich wenig. Da fand ich es früher auch immer interessant, wie früh manche Studenten plötzlich aufstehen konnten, wenn es um heiß begehrte Plätze bei einem guten Prof ging
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Also ich muss ehrlich sagen, dass mir so etwas noch nie passiert ist. Klar, es gibt sehr viele Dinge die ich gerne kaufen würde, aber deswegen mich in Menschenmassen quetschen und vor einem Laden campen? Wirklich nicht.
Ich wäre ehrlich gesagt etwas genervt wenn soviele Menschen dastehen und genau das möchten was ich will. Aber zum Glück ist es bei mir eh oft so, dass die Dinge die jeder toll findet für mich irgendwie total uninteressant sind, gerade weil es jeder haben will
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@Miss K.
Das ist dann natürlich ideal, wenn der eigene Geschmack ein wenig feiner oder anders ist, als der Massen-Geschmack. Wobei sich ja leider nie ganz ausschließen lässt, dass man nicht irgendwann doch mal etwas toll findet, was plötzlich auch alle anderen toll finden – wenn man quasi ein Trendsetter war und etwas schon gut fand, bevor die breite Masse es für sich entdeckt hat