Ist das Gewissen nichts mehr wert?
Politik wird hier im Blog eher wenig thematisiert. Davon muss ich heute mal eine Ausnahme machen. Gleichzeitig denke ich, dass der Grund hierfür spannend oder wenigstens interessant genug ist, um euch sicherlich nicht zu langweilen. Wie die meisten von euch sicherlich in den Medien mitbekommen haben, hat der Bundestag mehrheitlich vor wenigen Tagen die Beteiligung Deutschlands am sog. “europäischen Rettungsschirm” beschlossen, mit dem in die Krise geratenen, europäischen Staaten geholfen werden soll. Deutschland beteiligt sich an diesem 440 Milliarden Euro schweren Schirm mit satten 211 Milliarden Euro.
Wie man sich denken kann, gab es bei solchen Summen im Vorfeld einige hitzige Diskussionen, denn die zahlt auch ein Land wie Deutschland nicht mal eben so aus der “Porto-Kasse”. So durfte es eigentlich auch wenig wundern, dass es bei der Abstimmung im Bundestag dann auch einige Abgeordnete gab, die sich gegen diese Beteiligung aussprachen und entsprechend abstimmten. Einer von ihnen war Wolfgang Bosbach von der CDU. Selbst wenn man nicht viel mit Politik am Hut hat, kennen den sicherlich einige von euch aus dem Fernsehen. Jedenfalls hatte sich Wolfgang Bosbach nun entschlossen, gegen den Rettungsschirm bzw. die deutsche Beteiligung daran zu stimmen. Obwohl bereits im Vorfeld der Abstimmung klar war, dass auch große Teile der Opposition der Beteiligung zustimmen würden, das “Projekt” also nie wirklich in Gefahr war, machte sich Bosbach mit seiner Weigerung in den eigenen Reihen nicht unbedingt viele Freunde. Das brachte nach der Abstimmung ausgerechnet der Chef des Bundeskanzleramtes, Ronald Pofalla (CDU), zum Ausdruck, dem Bosbach über den Weg lief:
Er soll ihn dabei mit Sätzen wie “Ich kann Deine Fresse nicht mehr sehen. Ich kann Deine Scheiße nicht mehr hören” doch eher ‘unsanft’ verbal attackiert haben.
Erstaunlich finde ich die öffentlichen Reaktionen auf diesen Ausraster von Pofalla. Dort wird mehrheitlich die Art und Weise kritisiert, WIE er sich geäußert hat. Mir ist das persönlich ziemlich egal. Warum sollen sich Politiker nicht auch so äußern dürfen, wie es normale Bürger jeden Tag ebenfalls tun? Natürlich ist der Ton -gerade unter Kollegen der gleichen Partei- für den Moment nicht unbedingt förderlich für das Arbeitsklima, aber wie gesagt, so etwas kann immer und überall mal vorkommen, manchmal hat so ein reinigendes Gewitter ja langfristig sogar gute Eigenschaften. Nein, mich stört hier nicht die Art, WIE Herr Pofalla ausgerastet ist, sondern WESWEGEN er ausgerastet ist. Hierzu muss ich ein wenig ausholen:
Ich werde zunächst mal Ricardas Vorschlag aufgreifen und meine eigenen Defizite offenlegen. Ich bin wahrlich kein Experte auf dem Gebiet der Finanzpolitik. Für mich als “normalen Bürger” ist es natürlich schwer zu verstehen, warum man jahrelang hört, dass kein Geld mehr für Kindergärten, Schulen, Renten und das Gesundheitssystem da ist, hierfür auch keine weiteren Schulden gemacht werden können und alles über Selbstbeteiligungen der Bürger geregelt werden muss, auf der anderen Seite dann aber plötzlich doch mal eben 211 Milliarden Euro vergeben werden können, um ein marodes Finanzsystem irgendwie künstlich am Leben zu halten. Andererseits -und da sind wir bei meinem mangelnden Wissen auf dem Gebiet- habe ich auch schlichtweg keine Ahnung über die Zusammenhänge. Ich weiß nicht, wie es sich auswirken würde, wenn wir nichts tun. Welche Auswirkungen das beispielsweise für Europa, die Griechen und auch uns selbst hätte, wenn wir beispielsweise Griechenland vor die Hunde gehen ließen. Würde der Euro das als Währung überstehen? Oder hätten wir bald wieder die D-Mark? Könnte man die überhaupt einfach so wieder einführen? Und selbst wenn das ginge, wäre sie dann wieder so stark wie einst oder nicht vielleicht auch viel, viel geschwächter?
Das Thema ist viel zu vielschichtig und komplex, als dass ich mir da in kurzer Zeit einfach so den nötigen Background aneignen könnte. Nebenher muss ich ja schließlich auch noch andere “Kleinigkeiten” wie beispielsweise meinen Job erledigen. Bezüglich der Unwissenheit bin ich allerdings scheinbar in guter Gesellschaft. Einige Abgeordnete, die über den Rettungsschirm abstimmten, wussten allem Anschein nach ja ebenfalls nicht so genau, worüber oder über wie viel Geld sie da entschieden. Das stimmt einen dann schon nachdenklich. Ich verlange ja nicht, dass alle Politiker, die darüber zu entscheiden haben, plötzlich Finanzexperten sein sollen. Auch unter Politikern hat nun mal jeder so eine Interessen- und Fachgebiete. Aber wenn ich schon über so einen Batzen Geld entscheide, dann weiß ich doch eigentlich wenigstens ungefähr(!), in welchen Dimensionen sich das Bürgschaftsrisiko da bewegt, welches ich durch meine Entscheidung / Abstimmung da mitzuverantworten habe, oder?
Aber ich schweife vom Thema ab. Was ich eigentlich zum Ausdruck bringen wollte war, dass ich nicht den Erfahrungs- oder Wissenshorizont habe, um entscheiden zu können, ob dieser Rettungsschirm nun notwendig ist oder nicht, ob er sinnvoll ist oder uns ins Verderben stürzt. Darum maße ich mir mir auch nicht an, darüber ein Urteil zu fällen. Zumal ja selbst “Experten” diesbezüglich unterschiedlichster Meinung sind, was uns zu dem Punkt bringt, dass vielleicht niemand wirklich voraussagen kann, wie sich das alles entwickeln wird und es ein reines Glücksspiel wird. Vielleicht ist der Rettungsschirm jetzt das Beste, was wir tun konnten… vielleicht auch nicht. Genau sagen kann das zur Zeit wohl niemand.
Vor diesem Hintergrund halte ich es für völlig nachvollziehbar, dass sich ein Wolfgang Bosbach, nachdem er sich im Rahmen seiner Kenntnisse sicherlich Gedanken darüber gemacht hat, dazu entschlossen hat, gegen den Rettungsschirm zu stimmen. Dafür von Herrn Pofalla “gescholten” zu werden, DAS ist für mich der eigentliche Skandal an dessen Ausraster. Mich regt es auf, wie selbstverständlich es in der Politik geworden ist, dass man einer von der Spitze vorgegebenen Parteilinie folgen solle. Tut man dies -wie hier Wolfgang Bosbach- nicht, wird man als “Nestbeschmutzer” behandelt, der wieder “auf Linie / Kurs” gebracht werden müsse.
Genau dieser Ansatz ist doch völlig falsch! Ein Abgeordneter des Deutschen Bundestages ist nicht irgendeiner vorgegebenen Parteilinie unterworfen, sondern gemäß Artikel 38 des Grundgesetzes einzig und allein seinem eigenen Gewissen ohne irgendwelche Bindungen an Weisungen oder Aufträge. Wenn also Herr Bosbach für sich selbst zu dem Entschluss gekommen ist, dass eine Beteiligung Deutschlands am Rettungsschirm nicht zum Wohl des deutschen Volkes ist, dann war es sein Recht uns seine Pflicht, gegen eben jenen Rettungsschirm zu votieren. Genau so, wie es für jeden anderen Abgeordneten, der sich Sich von Herrn Pofalla dafür beschimpfen lassen zu müssen, dass er (Bosbach) sich absolut korrekt verhalten hat, halte ich für ein Unding. Dass hierüber kaum gesprochen wird, sondern allenfalls die Wortwahl Pofallas kritisiert wird, ist für mich der eigentliche Skandal an der ganzen Sache.
Ich jedenfalls würde mich freuen, wenn es mehr Abgeordnete wie Wolfgang Bosbach gäbe. Nicht, dass ich stets mit seinen Ansichten und seinem Abstimmungsverhalten übereinstimmen würde. Aber einer wie er, der den Schneid hat, auch öffentlich und bei namentlicher Nennung seinem Gewissen zu folgen, in dem festen Wissen, dass ihm dies sein Leben nicht leichter macht, ist mir persönlich 1000x mal lieber als ein “Lemming”, der blind und gehorsam all das absegnet, was die Führung will, nur damit eine “Partei-Linie” gewahrt und eine Pseudo-Geschlossenheit nach außen zelebriert wird.
Mich würde nun interessieren, ob vielleicht nur ich das so sehe? Ist die “Parteilinientreue” inzwischen bereits als so selbstverständlich in der Bevölkerung verankert, dass wirklich allenfalls noch über den Wortlaut von Pofalla diskutiert werden muss und nicht mehr darüber, dass er einen Kollegen diffamiert, weil sich dieser an seinen vom Grundgesetz gegebenen Auftrag gehalten hat? Wofür wählen wir denn dann überhaupt noch mehrere hundert Volksvertreter in den Bundestag, wenn die doch eigentlich eh nur noch das Abnicken sollen, was die wenigen “Alphatiere” an der Parteispitze beschließen wollen?
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Gewissen? Was ist das?
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@vanilleblau
So etwas ähnliches wie Hunger. Meldet sich halt manchmal von Zeit zu Zeit. Aber nicht so sehr vom Magen her, sondern eher von Herz und Hirn her… vielleicht ist das ja der Grund, warum es in der Politik so selten zum Vorschein kommt
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Auf in die Diktatur der Alphatiere! Warum noch Diäten verschleudern für soundsoviele Lemminge? Weil es immer noch Individualisten gibt und je mehr Abgeordnete es sind, desto größer ist vielleicht auch die Zahl der Bosbachs unter ihnen. Deine Schlussfrage klingt mir nach Abschaffung der Demonkratie aus Resignation und das willst du doch bestimmt auch nicht.
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@HansdasJo
Nein, die Demokratie will ich weiß Gott nicht abschaffen, auch wenn natürlich auch die Demokratie so ihre Schwächen hat – aber welche Regierungsform der Menschheitsgeschichte war schon vollkommen? Ich würde mir nur wünschen, dass diese Demokratie wieder mehr gelebt würde, auch von denjenigen, denen wir durch unsere Wahl unser Mandat dazu verschafft haben. Die müssen dann nicht zwangsläufig immer das tun, was ICH will (es geht ja auch nicht immer nur um mich^^), aber es wäre doch schon schön, wenn man zumindest das Gefühl hätte, dass die Abgeordneten ihre Entscheidungen fällen, weil sie sich selbst dazu entschlossen haben, nachdem sie sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben… und nicht, weil die Richtung von einigen wenigen so vorgegeben wurde.
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Man schaue sich die FDP an. Die wirkt nach außen wie: eine Partei viele Meinungen. Was hat’s gebracht – den Absturz. Jede Partei hat eine Basis, die die Richtung für die “Alpha-Politiker” vorgeben “sollte”. Das bedeutet aber auch, dass die Partei als Partei agiert und nicht als Haufen Eigenbrödler. Das Thema Griechenland ist auch für unsere Politiker zu komplex. Griechenland ist ein Fall Lehmann-Brothers und bei jedem Politiker sollten die Alarmglocken schrillen. Wenn Deutschland nichts tut, sind wir diejenigen die am härtesten getroffen werden.
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@Julia
Naja, was die FDP angeht, bin ich mir nicht so sicher, ob das nur an den vielen Meinungen innerhalb der Partei gelegen hat, dass die in der Wählergunst so nach unten durchgereicht wurden. In dem speziellen Fall haben ja auch die “Alpha-Tiere” in der FDP (wenn man sie als solche überhaupt bezeichnen mag) in Gesamtheit, sprich als Parteispitze, nur selten eine gute Figur gemacht und sind konsequent in so ziemlich jedes Fettnäüfchen getreten, welches auch nur ansatzweise im Blickfeld stand.
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Also das es mehr solcher Leute wie Bosbach geben sollte, damit bin ich ganz und gar nicht einverstanden. Bosbach ist ein Querulant. Ich weiß ja nicht wie weit hier Polit-Talkshows im öffentlich rechtlichen gekuckt werden, aber gefühlt sieht man in jeder zweiten Talkshow seine “Fresse” und er gibt auch zu allen möglichen Themen seine “Scheiße” wieder. Sei es zu Nacktscannern bis zu Eurorettungsschirm. Profilierungssucht par Excellence. Insoweit kann ich den Pofalla verstehen. Auch wenn der Bosbach vielleicht diesmal nicht so falsch liegt. Aber wie du sagtest weiß das ja keiner.^^
Die Art wie Pofalla hier seinen Parteigenossen rügt finde ich auch nicht in Ordnung. Protest und Kritik auch aus den eigenen Reihen muss man schon hinnehmen können. Wie er es allerdings ausgedrückt hat, stört mich nicht im geringsten, im Gegenteil. Er sagt wenigstens offen was er denkt. Das würde ich mir wiederum von vielen anderen Politikern wünschen als immer um den heißen Brei herumzureden mit hohlen Worthülsen die kaum einer versteht nur um ja gut in der Presse darzustehen. Früher bis in die 80ziger war sowas Gang und Gebe im Parlament.
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@Dragonlover
Wie gesagt, die Wortwahl von Pofalla stört mich persönlich auch nicht. Warum soll er sich nicht ausdrücken düfen, wie andere Menschen am Stammtisch auch? Klare Worte -sie müssen ja nicht immer ausfallend sein- würde ich mir in der Politik sowieso viel öfter wünschen, wobei man ja nie so genau weiß, was da hinter verschlossenen Türen so abgeht. Wenn ich da so unsere Kommunalpolitik als Maßstab nehmen kann, kann ich sagen, dass da auf jeden Fall noch “echte Menschen” am Werk sind, um es mal vorsichtig auszudrücken^^
Ich gebe dir auch Recht, dass man Herrn Bosbach recht häufig im Fernsehen sieht. Ob das nun an ihm liegt oder er von der Partei nicht einfach gerne vorgeschickt wurde, vermag ich nicht zu sagen. Allerdings hat er dann in den Talkshows -soweit ich mich erinnern kann- ja doch meist eher die Parteilinie wiedergegeben. In einem Interview vor ein paar Tagen hat er auch gesagt, dass er vielleicht das ein oder andere mal zu oft eine Faust in der Tasche gemacht und die Parteilinie trotz Bedenken mitgetragen habe. Klingt zumindest auf den ersten Blick nicht unbedingt wie der typische Querulant.
Ich glaube, die einizgen, bei denen man sich derzeit ziemlich sicher sein kann, dass sie sich nicht an irgendwelche Parteivorgaben halten, sind ausgerechnet die Politiker von der FDP… und auch nur aus dem Grund, weil dort derzeit einfach keine klare Linie vorhanden ist, der man folgen könnte
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Ich stimme Deinen Ansichten vollkommen zu, ich bin auch kein Finanzexperte aber so wie ich es hier in Peru von aussen mitbekomme und die Einschätzungen der amerikanischen Wirtschaftsexperten lese sind die massiven Probleme Griechenlands und Spaniens nur der Anfang der europäischen Finanzkrise und selbst ein 440 Miliarden schwerer Auffangschirm wird dies nicht auf lange Sicht abwenden können.
Diese Probleme waren aber wohl auch schon vor der Einführung des Euros von verschiedenen Finanzexperten als absehbar dargestellt worden, besonders in Deutschland gab es hierzu heftige Kritik – wie sich jetzt als sehr angebracht herausstellt. Deutschlands Wirtschaft hat nun ebenfalls unter den Misständen anderer europäischer Länder zu leiden und angesichts der hohen Staatsverschuldung Deutschlands verstehe ich auch nicht ganz wie solche Gelder mal eben so aufgebracht werden konnten. Der einzige Weg ist wahrscheinlich Währungsmässig wieder autark zu werden – aber das wird wohl kaum durchführbar sein. Also ich sehe da so ziemlich schwarz für die nächsten Jahre.
Vor zwei Jahren stand hier der Euro bei 4,30 Nuevo Soles und jetzt ist er bei bei 3,65 – Tendenz stark abfallend.
Hinzu kommt, dass die amerikanische Wirtschaft auch stark schwächelt – wenn der Westen finanzmässig so massiv einbricht – wer wird denn dann die weltweite Führung übernehmen? China etwa?
Was Pofallas Wortverfehlung betrifft finde ich dies sowohl von der Ausdrucksweise für einen Politiker echt erbärmlich und auch inhaltlich vollkommen inkorrekt. Aber er ist auch wohl nur ein Mensch dem anscheinend seine Vorbildfunktion als hoher Politiker in dem Moment einfach egal war, kein Wunder dass sich das öffentlich so breitgetreten hat.
LG Divena
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@Divena
Den Euro per se empfinde ich selbst gar nicht als so starkes Problem. In der Tat kann er irgendwann einmal der erste Schritt für eine große Chance eines einheitlicheren Europas gewesen sein. Das Problem war aus meiner Sicht eher diese vorschnelle Verbreitung des Euro. Man hatte das Gefühl, dass jeder Staat, der nicht bei Drei auf dem Baum war, den Euro bekam, wenn er denn wollte. Stattdessen hätten gerade Neumitglieder doch erst einmal in aller Ruhe langsam in die EU hineinwachsen können und ihre wirtschaftlichen Fähigkeiten unter Beweis stellen können. Ich glaube, da wollten manche Entscheider einfach zu viel und den Prozess einer Europäischen Einheit mit der Brechstange vorantreiben. Dabei ist es doch eigentlich logisch, dass so etwas nur über Jahre / Jahrzehnte langsam zusammenwachsen kann.
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Sascha, ich stimme Dir in der Hinsicht zu, dass es wirklich zu wenig Politiker gibt, die nach dem Paragraph 38 handeln. Viel mehr wird auf Parteitreue und Parteilinie geachtet und öffentlich sogar dazu aufgefordert entsprechend zu stimmen. Ist das nicht strafbar? Oder steht der Paragraph so als Richtlinie im Gesetz, an die man sich halten kann oder auch nicht?
Mich stört aber auch die Art und Weise der Kritik. Kein Mensch darf mit solchen Gossenjargon beleidigt werden, vor allem nicht im beruflichen Leben. Das ist einfach unterstes Niveau. Versteht mich nichts falsch – nichts gegen Beleidigung und nichts gegen Kritik oder Meinung sagen, aber bitte mit etwas Niveau.
Ob der Bosbach nun ein Querulant ist oder nicht – er sagt zumindest seine Meinung und das ist mehr, als viele andere Politker heute leisten.
Und zum Rettungsschirm – auch hier aus Bayern kommen Stimmen (CSU), die sagen, dass nun bald mal Schluss sein muss, nicht das Deutschland auch noch vor die Hunde geht. Aber was nun die richtige Reaktion ist, ist wirklich momentan schwer zu entscheiden, denn Erfahrungswerte gibt es wohl nicht.
Mella
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@Mella
Naja, das mit der Strafbarkeit ist so eine Sache. Wie will man den Leuten schon beweisen, dass eine Abstimmung nicht in Einklang mit ihrem Gewissen abgelaufen ist? Artikel 38 ist da eher als Schutzrecht zu verstehen.
Die Sache mit der Ausdrucksweise ist schwierig zu beurteilen. Natürlich sind Beleidigungen -gerade wenn es um Kritik geht- unangebracht. Dennoch sehe ich das etwas entspannter. Es bringt einen in der Sache nicht weiter, das stimmt, denn dazu ist es eben keine konstruktive, sondern rein destruktive Kritik. Andererseits habe ich es auch schon erlebt, dass es für die Beziehung von Menschen -auch Arbeitskollegen- durchaus förderlich sein kann, wenn es mal zu solchen “Ausfällen” und ein paar “klaren Worten” kommt. Das hat etwas von einem reinigenden Gewitter, bei dem man “ablässt”, was sich im Laufe der Zeit angestaut hat. Wichtig ist in dem Fall nur, dass man danach Mann genug ist, sich mit dem anderen an einen Tisch zu setzen, ein Bier zu trinken und sich auszusprechen… und im Fall von Pofalla sollte vielleicht noch ein Eingeständnis hinzukommen, dass die Aktion wirklich unangebracht war… in jeglicher Hinsicht.
Vielleicht können wir uns ja darauf einigen, dass es nicht unbedingt beleidigend zugehen muss, aber dass es dennoch nicht schlecht wäre, wenn man in der Politik wieder ein wenig “menschlicher” werden würde und auch mal offen Klartext spricht (untereinander und mit dem Volk). Wenn man sich manchmal diverse Alt-Kanzler in Interviews ansieht, sieht man ja gut, wie das aussehen kann. Die legen gern den Finger in die Wunde, schelten die aktuellen Regierungsverantwortlichen, werden aber nie ausfallend. Eher stichelnd
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Ähm Sascha, Gewitter und klare Worte bitte. Menschlichkeit auch. Doch der “Gossenjargon” muss nicht sein.
Meine Kids zum Beispiel dürfen nicht mehr Du Arsch sagen. Dafür ist der Bruder nun eine Murmelgroße Bakterie. Das Gewitter und die Luft rein machen bleibt. Die Menschlichkeit auch, nur ist das Niveau nun besser.
Und in der Politik wünsche ich mir sogar mal ein paar klare Worte!
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Hallo.
Ich stimme dir bei deinem Artikel (der sehr gut ist) vollkommen zu!
Meiner Meinung nach ist die Finanzkriese eineiger Länder (Griechenland usw.) erst der Anfang der gesammten EUROPÄISCHEN Kriese. Meiner Meinung nach hat nur Deutschland einen gesicherte Zukunft!
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@Gustav Rainer
Das Problem ist ja, dass wir nur dann eine gesicherte Zukunft haben können, wenn es auch den anderen Staaten um uns herum gut geht. Wer das moralisch nicht begründet sieht, sieht es vielleicht zumindest ganz rational dahingehend, dass Deutschland eine Export-Nation ist. An wen sollen wir unsere Güter denn exportieren, wenn den übrigen Staaten das Geld fehlt, um unser Zeug zu kaufen? Sich nur auf die Asiaten zu verlassen wäre wohl doch ziemlich riskant.
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Guter Artikel, Sascha.
In Deutschland gibt es die Meinungsfreiheit.
Somit kann Bosbach sagen, was ihm nicht passt und somit auch gegen die Aufblähung des Rettungsschirmes sein.
Aber auch ein Pofalla darf sagen was er will.
Nur ist es oft die Sache des “wie” und da hätter er sich sicherlich geschickter anstellen können.
Da Politik aber eh ein Kasperltheater ist, schaue ich dem Schauspiel sowieso gelassen zu!
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@Alex
Wie gesagt, der Tonfall von Pofalla ist mir in dem Fall noch ziemlich egal. Natürlich kann er sagen, was er will. Die Frage ist nur, ob es etwas über seine politische Eignung aussagt, wenn er als Chef des Kanzleramtes seinem Abgeordneten- und Parteikollegen grundgesetzlich geschützte Rechte absprechen will bzw. in dafür angeht, dass Bosbach dieses Recht für sich in Anspruch genommen und anders abgestimmt hat, als es Pofalla getan hat. In meinen Augen hat er sich als Politiker dadurch selbst disqualifiziert – völlig egal, ob er das nun beleidigend getan hat oder wenn er es höflich ausgedrückt hätte. Seine unbeherrschte Ausdrucksweise hat die Angelegenheit vorliegend nur noch verschärft.
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Sascha, kann ich so unterschreiben!
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Ich habe – zu meiner Schande – Deinen Artikel nur schnell überflogen. Und mir fällt dazu nur ein: Wim Duisenberg dreht sich bei diesem EFSF sicher im Grab rum. Denn diesen abgrundtiefen Mist hat der “Architekt des Euro” so nie geplant…traurig, was aus unserer wirklich schönen Währung geworden ist.
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@Martin
Tja, das passiert halt, wenn eine Währung zu einem politischen Spielball bzw. politischen Status-Symbol wird… leider.