Werden Gast-Artikel schlechter kommentiert?
Gast-Artikel sind immer so eine Sache. Von Bloggern werden sie insbesondere dann gerne verwendet, wenn sich der Blogger selbst im Urlaub befindet und sich in dieser Zeit nicht um den Blog kümmern kann oder will. Um in dieser Zeit dennoch für frischen Content (Inhalt) auf dem eigenen Blog zu sorgen, lässt man dann andere Leute Artikel auf dem eigenen Blog veröffentlichen. Das ist für alle Parteien von Vorteil: der “Heim-Blogger” kann auch während seiner Urlaubszeit seinen Lesern Inhalte bieten, der Leser muss keine “Pause” auf seinem bevorzugten Blog verzichten und der “Gast-Blogger” hat die Möglichkeit, durch seinen Artikel -wenn er denn gut ist- auf sich aufmerksam zu machen und neue Leser zu finden.
Soweit die Theorie. In der Praxis kann es hin und wieder auch anders ablaufen. Wenn man sich auf Blogs umsieht und sich insbesondere die Gast-Artikel genauer anschaut, fällt auf, dass gerade Gast-Artikel häufig nur wenige Kommentare bekommen. Das ist nicht nur mein Eindruck, sondern diese Erfahrung hat auch Jana gemacht, als sie mal von Vertretungen in ihrer Urlaubszeit Gebrauch gemacht hat. Aus diesem Grund hat sie kürzlich ein wirklich interessantes Experiment hierzu gestartet:
Jana hat während ihrer diesjährigen Urlaubszeit eine Urlaubsvertretung auf ihrem Blog schreiben lassen, ohne dass sich diese Urlaubsvertretung (Susan) als Vertretung zu erkennen gab. Janas Leser waren also nicht über Janas Urlaub informiert und dachten, dass die Artikel von ihr geschrieben worden seien. In der Folge wurden auch die Artikel von Susan auf Janas Blog eifrig kommentiert – den Unterschied bemerkte niemand.
Nachdem Jana das Experiment nun nach ihrem Urlaub aufgelöst hat, waren manche Leser natürlich nicht erfreut darüber und fühlten sich getäuscht. Ich sehe das nicht so tragisch, zumal ja keine böse Absicht dahinter stand und auch niemand zu Schaden kam oder kommen sollte. Vielmehr finde ich den Ausgang des Experiments bzw. dessen Auswertung interessant, denn es lief ja genauso, wie Jana das anscheinend vorab schon fast vermutet hatte: die Leser kommentierten fleißig und eifrig weiter, wohingegen sie das in der Vergangenheit bei Artikeln, die ausdrücklich als Gast-Artikel deklariert waren, nicht getan hatten.
Die spannende Frage ist doch an dieser Stelle, warum das so ist? Wenn ich hierbei mich selbst und meine Lese-Gewohnheiten ehrlich hinterfrage, muss ich gestehen, dass ich auch immer etwas kritischer bin, wenn ich auf einem Blog einen Gast-Artikel lese. Die Fragen, die sich mir dann unweigerlich stellen sind:
- Ist der Artikel vom Gast-Autoren nur geschrieben worden, um Werbung für den fremden Blog zu machen, oder steht tatsächlich ein interessantes Thema im Vordergrund?
- Kommt der Schreibstil an den des Blog-Besitzers heran oder gefällt mir der Schreibstil des Autors nicht?
Gefällt mir der Schreibstil nicht und fesselt mich auch das Thema nicht oder habe ich gar das Gefühl, dass der Gast-Autor in erster Linie nur Links zu seiner Webseite präsentieren will, muss ich zugeben, dass ich den Gast-Artikel ebenfalls schnell wegklicke. Bei einem nicht gekennzeichneten Gast-Artikel geht man dieses Risiko natürlich nicht ein. Die Frage der Fremdwerbung stellt sich nicht, da ja eben keine Kennzeichnung und somit auch keine Links auf den fremden Blog vorhanden sind. Und wie man an Janas Experiment sieht, machte sich scheinbar auch niemand großartig Gedanken um den leicht veränderten Schreibstil, der zwar einigen auffiel, aber nicht weiter für Beunruhigung sorgte.
Natürlich lässt sich dieses Experiment nicht so einfach übernehmen. Zum einen sollte man es sicherlich nicht übertreiben, seine Leser “auf die Probe zu stellen”, denn wie man bei Jana sehen konnte, war der ein oder andere Leser nicht sonderlich erfreut darüber, Teil eines Experiments gewesen zu sein und fühlte sich “hinters Licht geführt”. Zum anderen dürfte es auch schwierig sein, Gastautoren zu finden, die “unter falschem Namen” Artikel schreiben, ohne wenigstens einen Backlink und die Möglichkeit auf neue Leser zu gewinnen.
Doch stellt sich im Hinblick auf die ungleiche Behandlung der Gast-Artikel durch die Leser die Frage, ob wir als Leser Gast-Artikel vielleicht bewusst oder unbewusst generell kritischer betrachten als die Artikel der Stamm-Autoren. Kann das sein? Oder wie sonst ist es zu erklären, dass oftmals Gast-Artikel deutlich weniger kommentiert werden? Ist euch das überhaupt auch schon aufgefallen? Oder habt ihr vielleicht gänzlich andere Erfahrungen gemacht?
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Aufgefallen ist es mir auch schon. Und ich finde es immer wieder schade, wenn Gast-Artikel untergehen. Egal, ob ich den Artikel woanders veröffentliche oder bei mir jemand die Chance bekommt… wenn dann keine Kommentare folgen, dann ist das sicherlich schade.
Ich habe dabei generell nicht den Gedanken von Werbung im Kopf. Ich bin da eh recht aufgeschlossen, was sowas angeht. Zwar kommentiere ich auch selten Gast-Artikel, dann aber meist, weil mich die Themen nicht sonderlich interessieren. Bei der Menge an Blogs, die ich verfolge, muss ich jeden Tag Zugeständnisse machen und manche an sich auch spannend wirkenden Artikel überspringen. Sonst wäre die Freizeit futsch. So gehen sicher einige durch’s Netz.
Und ich würde bei so einem Experiment mitwirken. Sprich: Ich würde auch ohne Backlink Artikel schreiben xD.
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@Lordy
Dass du auch ohne Backlink schreiben würdest, ehrt dich. Andererseits finde ich, dass das einfach dazu gehört. Wenn sich schon jemand die Mühe macht, einen tollen Artikel für meinen Blog zu schreiben, dann sollten die Leser wenigstens erfahren, wo es bei Interesse noch mehr von demjenigen zu lesen gibt
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Huch, damit habe ich gar nicht gerechnet, das mein Experiment einen Artikel bekommt
Du hast es aber treffender weise auf den Punkt gebracht. Niemand sollte getäuscht oder verärgert werden. Es war ein Experiment, ob der veränderte Schreibstil und die andere Art der Fotos auffallen werden. Es ist nicht aufgefallen. Danach haben sich mir zwei Fragen gestellt:
1. Bin ich als Blogger beliebig austauschbar und ersetzbar?
2. Wie genau werden meine Artikel gelesen?
Susan und ich, wir waren beide sehr neugierig darauf. Die Themen sind nicht erzwungen gewesen, da wir in unseren Blogs über ähnliche Inhalte schreiben bzw. wir kennen uns beide durch viele Telefonate und haben viele Parallelen. Vielleicht hätte ich das Experiment mit einem völlig gegensätzlicheren Blogger durchführen müssen?
Nachdem die teilweise enttäuschten Kommentare bei mir geschrieben wurden, fragte ich mich auch, in wie weit die Leser das Gefühl haben mich zu kennen, um mir deswegen böse zu sein. Welches Bild wird von einem Blogger aufgebaut, sodass man glaubt ihn persönlich zu kennen? Sehr interessante Fragen, über die man sicherlich eine Doktorarbeit schreiben könnte.
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@Jana
Ich kann mir tatsächlich vorstellen, dass manche Leser eine derartig enge Beziehung zu “ihren” Blogautoren aufbauen, dass sie glauben, die Person hinter dem Blog wirklich zu kennen. Hierbei verkennen sie dann, dass man als Blogger ja selbst, wenn man sehr offen schreibt, immer nur einen Teil von sich und seinem Leben preisgibt. Andererseits gibt es dieses Phänomen ja sogar auch bei Fans von Schauspielern, bei denen die Fans glauben, den Menschen zu kennen, dabei kennen sie nur seine Rollen aus dem Fernsehen. Aber du hast Recht, darüber könnte man wahrscheinlich wirklich Bücher schreiben.
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Wenn jemand wirklich denkt, dass durch einen Gastautor nur Werbung für dessen Blog betrieben wird, dann ist er sowieso paranoid. Wie es generell viele Blogger sind. Leider.
Was spricht dagegen? Einerseits ist man für Interaktion und auf der anderen Seite regt man sich über sowas auf. Wenn ich drei Artikel vorschreibe wenn ich auf Urlaub bin und das “fliegt” auf regt man sich dann auch auf weil es ja nicht “authgentisch” ist? Manche Blogger haben halt einen Schatten und löffeln nur im eigenen kleinen Teller.
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@vanilleblau
In der Hinsicht wären Gast-Artikel sogar richtig im Vorteil. Bei denen kann immerhin der Gast-Autor die Kommentare und ggf. Fragen beantworten, wohingegen bei vorgeschriebenen Artikeln die Reaktionen des Autors auf die Kommentare der Leser ausbleiben würden.
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Also ich kann die Aufregung ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Ich lese Artikel um der Themen und Artikel Willen und dabei ist es mir eigentlich egal, wer sie schreibt. Diese Gleichgültigkeit liegt aber vielleicht auch daran, dass ich selbst nicht blogge und das Lesen und Kommentieren für mich kein existentielles Niveau hat, sondern reiner Spaß und Freizeit ist, was ich bei manchen Blogs wirklich vermisse. Hier wird vieles bierenst betrieben, ob es das Schreiben oder Lesen ist, was sich auch im hiesigen Kommentar von Lordy zeigt, wenn er sagt, beim vielen Lesen wäre die Freizeit futsch. Lesen ist für mich Freizeit. Mir ist aber als Nur-Leser schon öfter aufgefallen, dass die Damen und Herren Blogger schon einen seltsamen Bezug zu ihrem Tun haben und in manchen Fällen unangenehm publicitysüchtig auftreten.
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@HansdasJo
Wobei ich ja gestehen muss, dass wohl jeder Blogger -auch ich- bis zu einem gewissen Grad natürlich nach Publicity giert. Sind wir mal ehrlich, sonst würden wir Blogger ja nicht öffentlich ins Internet posten, wenn wir nicht wollten, dass andere es lesen und am besten auch Feedback dazu geben. Ich schreibe seit jeher gern, aber wenn es mir nur ums Schreiben ginge, könnte ich ja auch für mich in eine Word-Datei tippen^^ Also so ein wenig Interesse an Aufmerksamkeit wird wohl kein Blogger leugnen können. Wie im echten Leben gibt es aber sicherlich auch unter uns Bloggern dann extreme “Rampensäue”, die es mit dieser Sucht übertreiben und um jeden Preis im Vordergrund stehen möchten.
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Also ein guter Blog-Artikel ist ein guter Blog-Artikel, da ist es doch egal wer ihn verfasst hat. Und ein Backlink für den Autor ist doch wohl kein Beinbruch. Bei Trackbacks und Pingback regt sich doch auch keiner auf, obwohl sie eigentlich den gleichen Zweck erfüllen. Außerdem sind Blogs doch dafür erdacht, sich untereinander zu verlinken. Wie, ist dann ja wohl egal (von SPAM mal abgesehen).
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@Christian
Das sagst du so in deinem “jugendlichen” Blogger-Leichtsinn. Erst kürzlich ist Thomas aufgefallen, dass sein Trackback von einem anderen Blogger nicht freigeschaltet wurde, obwohl es sich um einen thematisch passenden Artikel handelte, Thomas also nicht einfach mit einem “blind” gesetzten Trackback einen Backlink abstauben wollte. Die gegenseitige Verlinkung wird zwar immer wieder propagiert und ich habe dadurch selbst auch noch nie einen Nachteil erlitten, aber die Verlinkung ist auch heute noch nicht selbstverständlich… sonst würden wir wahrscheinlich auch nicht immer darüber schreiben^^
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Da war es wieder, dieses Wort “Glaubwürdigkeit” in den ersten 10 Kommentaren bei Jana.
Und nebenan läuft die Glotze mit dem Unterschichten-Fernsehscheiß. Ebenfalls absolut glaubwürdig (wer Sarkasmus findet usw…)
Ich mag es ja, wenn das mal wieder in der Bloggersphäre rumgeistert. Da wird anhand der Artikel daraus geschlossen, eine Person in all in ihren Facetten zu kennen. Daß vielleicht nur ein oder zwei Facetten den Weg ins Blog finden, wird gerne übersehen. Aber Hauptsache: Glaubwürdig
Zu den Gastartikeln allgemein: läuft schlecht, ja. Sehr schlecht sogar. Ich nehme gar keine mehr rein (bzw. ich sage es dazu, daß es so laufen wird und dann erledigt sich das von selber). Allerdings ist das Experiment von Jana interessant – da könnten mal einige befreundete Musiker sich am Bloggen versuchen. Bei dieser Bevölkerungsgruppe ist die Hemmschwelle ja irgendwie höher. Mal schauen – glaubwürdiger als DSDS wird’ s allemal
Und was soll die Frage mit der Werbung? Das ist doch genaugenommen jeder Kommentar in einem anderen Blog. Irgendwie steig ich da nicht mehr durch. So ein Homo Blogus ist schon ein äußerst rätselhaftes Wesen
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“Unterschichten-Fernsehscheiß”
*lach* DAS muss ich mir merken, danke
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@Broken Spirits
Zu dieser “Glaubwürdigkeit” habe ich ja bereits Jana etwas unter ihren Kommentar geschrieben und pflichte dir da komplett bei. Man weiß doch eigentlich kaum etwas über die Blogger. Selbst, wenn man nur 2 oder 3 Facetten kennt, kann man nicht einmal über diese mit Sicherheit sagen, ob sie echt sind, oder ob der Blogger nicht ein Blender oder eine Kunstfigur ist bzw. sich in einem gänzlich anderen Licht darstellt.
Was die Werbung angeht, habe ich in der Tat schon mal Negativbeispiele erlebt. Mir ist da ein Gast-Artikel im Kopf hängen geblieben, bei dem der Autor den Artikel mit unzähligen Links zu seinem Blog bzw. Blogartikeln gespickt hatte. Da hatte man einfach vom ersten Satz an das Gefühl, dass kein Thema mit dem Artikel behandelt werden sollte, sondern es nur darum ging, Klicks auf den eigenen Blog zu sammeln oder wenigstens einen Haufen Backlinks zu setzen. So gesehen hat der Gast-Autor durch die Penetranz, die da an den Tag gelegt wurde, die Eigenwerbung für seinen Blog verspielt. Mir war es jedenfalls unsympathisch.
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Ein Blog ist etwas ganz Persönliches. Sieht man mal von den Werbe- und Firmenblogs ab.
Und da möchte ich etwas lesen von dem Betreiber. Den habe ich ausgewählt, weil mir die Schreibe gefällt, die Themen, der Umgang mit Kommentatoren (ja, auch das ist wichtig).
Wenn dieser Betreiber nun meint, er müsse jemand gestatten, in seinem Blog einen Beitrag zu schreiben ist das vollkommen in Ordnung. Idealerweise in den Rahmen des sonstigen Blogstils passend.
Dieser Gastbeitrag ist als solcher kenntlich zu machen und idealerweise stellt sich der Gastautor vor. Mit ein paar Worten.
Natürlich kann er in seinem Beitrag ein, zwei Links auf seinen Heimatblog setzen so der denn einen hat.
Ob der Gastautor viele Kommentare bekommt liegt wohl daran, wie kontrovers das Thema ist. Ich habe kein Problem, auch mal einen fremden Beitrag zu kommentieren wenn ich etwas dazu zu sagen habe.
Links, Trackbacks und Pings sind das A&O des Bloggens.
Allerdings da wo es angebracht und sinnvoll ist.
Mein Blog dient z. B. nicht dazu, Backlinks für kommerzielle Seiten zu generieren. Das machen viele gerne, daß sie einen nichtssagenden Kommentar schreiben und als URL ihre kommerzielle Seite angeben.
Wird entfernt. Der Kommentar nicht, sofern er den Blogregeln entspricht.
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@Gucky
Hm, dann werte ich die Tatsache, dass du häufiger hier vorbei schaust dahingehend, dass ich scheinbar irgendwas richtig machen muss^^