Analyse: Wie Facebook Vorschläge für ähnliche Fanseiten findet
Vor drei Wochen hatte ich zu einer kleinen Blogparade aufgerufen, um mit euch gemeinsam zu analysieren, nach welchen Maßstäben Facebook einem auf der eigenen Fanseite ähnliche Seiten mit ähnlichen Inhalten vorschlägt. Erfreulicherweise haben sich immerhin 21 Blogger und Bloggerinnen die Mühe gemacht und an der Aktion teilgenommen. Hinzu kamen auch noch vereinzelte Teilnahmen direkt im Kommentarbereich, so dass mir durchaus vielfältiges Material zur Verfügung gestellt wurde, das mir eine Auswertung der Facebook-Vorgehensweise ermöglicht.
Zunächst möchte ich mich jedoch erst noch einmal ausdrücklich bei den Teilnehmern bedanken, die sich teilweise selbst schon die Mühe gemacht haben, Vermutungen aufzustellen und Ergebnisse zu deuten. Das hat mir natürlich sehr geholfen, um mir einen besseren Überblick zu verschaffen und Gedankenansätze zu interpretieren. Doch nun genug der warmen Worte, kommen wir nun zur eigentlichen Auswertung, um Facebook da ein wenig auf die Schliche zu kommen:
1. Wie passend sind die Vorschläge von Facebook überhaupt?
Im Rahmen der Blogparade bat ich die Teilnehmer darum, in ihren Artikeln die ersten drei -also die vermeintlich ähnlichsten- Seiten, die einem von Facebook als ähnlich angezeigt werden, anzuschauen und dann zu bewerten, wie ähnlich sie die vorgeschlagenen Seiten im Vergleich zur eigenen bewerten würden. Zunächst habe ich die Aussagen der Teilnehmer analysiert und versucht, deren Aussagen in ein Punkte-Schema zu wandeln.
War der Teilnehmer der Meinung, dass eine Seite voll und ganz oder zumindest ziemlich ähnlich ist, vergab ich hierfür einen Punkt, war der Teilnehmer der Ansicht, dass nur eine geringe Ähnlichkeit vorlag, gab es 0,5 Punkte und bei keiner Ähnlichkeit eben 0 Punkte. Da jeder Teilnehmer drei Seiten bewertete, konnte er somit maximal 3 “Ähnlichkeitspunkte” vergeben. Die Punkte habe ich dann zum Schluss addiert. Von den 21 teilnehmenden Blogs konnten 19 auf diese Weise in die Auswertung eingebunden werden, bei zweien gab es keine Möglichkeit, die Ähnlichkeit zu bewerten, da bei diesen keine ähnlichen Vorschläge angezeigt wurden (hierzu später mehr). Bei 19 Blogs mit jeweils maximal 3 Punkten waren somit 19×3 = 57 “Ähnlichkeitspunkte” möglich. Nach Auswertung der Aussagen der Teilnehmer und meiner internen Punktevergabe kam man auf 37 Punkte, was immerhin knapp 65% der möglichen Punkte entspricht.
Damit lässt sich schon einmal festhalten, dass die Ähnlichkeiten bei den von Facebook vorgeschlagenen Seiten -zumindest was die ersten drei Vorschläge angeht- immerhin in knapp 2 von 3 Fällen vorhanden zu sein scheinen, der Algorithmus von Facebook diesbezüglich also grundsätzlich brauchbare Ergebnisse zu liefern scheint, auch wenn natürlich bei der Trefferquote immer noch ausreichend Luft nach oben vorhanden ist. Doch wie kommt Facebook nun zu seinen Vorschlägen?
2. Bewertet Facebook nach Inhalten der Fanseiten?
Meine erste Vermutung war, dass Facebook einfach nur die Inhalte der Fanseiten bzw. der dort verlinkten Artikel ausliest, vielleicht nach bestimmten Tags und Schlagworten untersucht und dann ähnliche Seiten miteinander verknüpft. Diese Annahme als einziges Bewertungskriterium zerschlug sich aber recht schnell, nachdem Broken Spirits mitteilte, dass bei ihm keine ähnlichen Seiten von Facebook vorgeschlagen wurden. Nun könnte man natürlich sagen, dass er eben ein echtes Unikat ist. Allerdings scheint es mir kaum nachvollziehbar, dass Facebook es nicht auf die Reihe bekommen soll, eine Ähnlichkeits-Verknüpfung von Broken Spirits Musikblog mit den zahlreichen anderen, auf Facebook vorhandenen Fanseiten vorzunehmen, die sich mit dem Thema Musik im weitesten oder auch engeren Sinne befassen. Zumal er da kein Einzelfall war, sondern auch Astrid später noch meldete, dass auch bei ihr keine ähnlichen Vorschläge aufzufinden waren.
3. Bewertet Facebook nach Geschmack der vorhandenen Fans?
Die Zeitzeugin kam dann in den Kommentaren eine Vermutung, dass Facebook die Ähnlichkeit vielleicht nur anhand gemeinsamer Fans, die die Fanseiten “liken” (also dort auf “Gefällt mir” geklickt haben) zustande kommen. Das war ein äußerst interessanter Ansatz. Zwar war ich ein wenig skeptisch, da bei den ähnlichen Seiten auch immer wieder eine Vielzahl von Produkttester-Blogs vorgeschlagen wurden und ich mir nur schwer vorstellen konnte, dass soooo viele Leute alle die gleichen Produkttestblogs “liken” sollten, aber von der Hand zu weisen war die Vermutung von der Zeitzeugin dennoch nicht so einfach. Wenn man sich nämlich mal die oben genannten Fanseiten anschaut, die keine ähnlichen Seiten angezeigt bekamen, dann sieht man, dass es sich dabei um Seiten handelt, die selbst bislang nur wenige Fans hatten. Da könnte man nun also prima sagen, dass da für Facebook einfach zu wenig “Fan-Material” vorhanden war, um ähnliche Seiten zu finden und vorzuschlagen, was dann stark für die These der Zeitzeugin sprechen würde.
Andererseits stellte Stefanie Norden dann wiederum fest, dass sie sehr wohl mehrere ähnliche Seiten angezeigt bekam, obwohl auch ihre Facebook-Fanseite zu dem Zeitpunkt nur über eine handvoll Fans verfügte. Die als ähnlich angezeigten Seiten waren nach Einschätzung von Stefanie auch durchaus wirklich ähnlich. Es kann also auch nicht nur allein an den Fans liegen.
4. Fazit: Mehrstufiger Aufbau beim Facebook-Algorithmus wahrscheinlich
Wie so oft im Leben scheint es auch hier beim Facebook-Algorithmus kein “Entweder-Oder” zu geben, sondern sowohl die thematische Ausrichtung der Fanseiten-Inhalte als auch die Geschmäcker der Fans bzw. von mehreren Fans gleichermaßen “gelikte” Seiten scheinen berücksichtigt zu werden. Das erklärt aber immer noch nicht, warum beispielsweise Broken Spirits gänzlich ohne ähnliche Vorschläge seitens Facebook auskommen muss. Die mir wahrscheinlichste Erklärung hierfür scheint zu sein, dass Facebook die Bewertung zweistufig vornimmt.
In einem ersten Schritt wird wohl überprüft, ob die Fans der Seite weitere Seiten gemeinsam mögen. Ist das der Fall, wird geprüft, ob diese bestimmte Schlagworte haben, die sich auch auf die zugrunde liegende Fanseite übertragen lassen. Nur wenn auch dies positiv ist, wird dann letztlich die jeweilige Fanseite als “ähnlich” angezeigt. Bei wenigen Fans ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese weitere Fanseiten gemeinsam haben per se schon einmal geringer. Sollten aber tatsächlich gemeinsam gemochte Fanseiten vorhanden sein, ist der ähnliche Inhalt dann die zweite Hürde, die man noch nehmen muss, um ähnliche Seiten vorgeschlagen bzw. angezeigt zu bekommen.
Natürlich ist auch das nur eine reine Vermutung, sie scheint mir aber der logischste Erklärungsversuch dafür zu sein, was bei der Analyse der Teilnehmer an der Aktion herauskam. Übrigens zeigte sich hierbei auch eine extrem weite Streuung bei den Vorschlägen von Facebook; bei der Aktion nur 4 Blogs mehr als einmal als “ähnlich” vorgeschlagen und hierbei gelang es nur dem Chaosweib, mehr als zweimal -nämlich insgesamt sogar viermal- von Facebook vorgeschlagen zu werden. Hier mal ein Überblick über alle Teilnehmer an der Aktion und die Seiten, die ihnen als ähnlich vorgeschlagen wurden.
Sollten sich die angestellten Vermutungen auch nur ansatzweise als richtig erweisen, wäre das ein weiteres Argument dafür, dass es nicht schaden kann, sich bei Facebook -sofern man eine Fanseite hat- auch eine breite Fan-Basis zuzulegen. Die teilen dann nicht nur ab und an die geposteten Links, sondern würden ferner auch dafür sorgen, dass eure Seite auf anderen Seiten als ähnliche Seite vorgeschlagen wird.
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bisherige Kommentare: 247
Sehr schöne und verständliche Auswertung, vorallem überraschend das die Fans doch anscheinend einen großen Einfluss auf die Sache haben. Also sieht es anscheinend so aus, das man als Seitenbesitzer eigentlich den eigenen Fans ausgeliefert ist und man dass kaum selbst steuern kann.
Mehr Fans also gleich größere Chance bei anderen in “Ähnliche Seiten” zu erscheinen. Wird aber mit der Masse der Fans das Ergebnis nicht unbegenauer?
Angenommen ich habe einen zum Beispiel einen Mode-Blog, habe viele Weibliche Fans, die wiederum andere Modeblogs “liken” vielleicht noch Make-up Seiten usw. Dann ist natürlich die Chance groß das die Ähnlichen Seiten auch wirklich Stimmen, aber um so größer die Fan-Basis umso mehr Gebiete umfassen die Fanseiten die meine Fans haben, also werden die Treffer ungenauer. Was man z.b bei Niklas gesehen hat.
Also bleibt für mich die Frage ob die Fan-Basis wirklich einen so großen Einfluss haben sollte, falls das wirklich so abläuft wie von dir analysiert.
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@Symm
Ein starker Einfluss der Fans lässt sich in dem Fall in der Tat nicht leugnen. Wobei ja im zweiten Schritt noch eine Verfeinerung stattfindet, so dass es nur selten zu gänzlich abwegigen Ergebnissen kommen sollte. Ich persönlich würde es auch eher bevorzugen, wenn sich Facebook einfach auf eine Auswertung von Schlüsselwörtern bzw. Inhalten konzentrieren würde.
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Interessante Analyse. Allerdings ne kleine Einschränkung: ich schreibe zwar überwiegend über Musik (als Musiker kein Wunder – trotzdem ist es eher ein Proberaum-Blog. Die ganzen Musik-Blogs, die man zum Beispiel in Blogkatalogen findet, handeln alle von den aktuellen Charts. Oder DSDS und Co. und das sind Fernsehsendungen, die nix mit Musik zu tun haben (außer, das sich da ein paar Leute singenderweise lächerlich machen). Bestenfalls wird der Prozeß des Musikmachen völlig verzerrt dargestellt.
In diesem Punkt bin ich also wohl wirklich ein Unikat (zum Glück
) und ich kenne in der hießigen Szene auch keinen bloggenden Musiker (das sind in etwa 300 -400 “Kollegen”). MySpace ist unter Musikern warum auch immer die bevorzugte Plattform.
Das alles paßt allerdings nicht zu meinem zweiten Schwerpunkt – der Fotografie. Da hätte es einige Treffer geben sollen. Allerdings beschäftigen sich meine Facebook-Fans eher weniger mit der Fotografie. Diese würde ich stichwortartig mit Meerschweinchen, Blogger, Dies&Das, Technik etc. beschreiben.
Das spricht dann durchaus für Deinen dritten Punkt, daß die Fans über die Ähnlichkeit entscheiden bzw. einen großen Einfluß auf die vorgeschlagenen Blogs haben.
Aber ich schaue mal, ob ich Deine Gedanken zu diesem Thema sinnvoll einsetzen kann. Das wird wieder so ein Langzeit-Internet-Experiment. Nur damit Du weißt, was Du jetzt angerichtet hast

Nein, Spaß, sowas interessiert mich ja auch….
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@Broken Spirits
Wäre auf jeden Fall klasse, wenn du mir berichten könntest, wie sich deine Experimente entwickelt haben. Schließlich will ich ja wissen, ob meine Thesen richtig waren oder ob ich die Ergebnisse falsch analysiert habe.
Ohje, was habe ich da nur wieder angerichtet
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Ich bin am Überlegen, wie ich ne spontane Idee umsetzen kann. Da wird aber schon die “Vorarbeit” aufwendig.
Aber ich schrub ja schon: Langzeitexperiment