Hat in München nun die totale Überwachung begonnen?
Die geplante Vorratsdatenspeicherung dürfte inzwischen jedem, der im Internet unterwegs ist, ein Begriff sein. Hierbei geht es darum, dass bestimmte Telefon- und Internetverbindungsdaten aller in Deutschland lebenden Personen für einen bestimmten Zeitraum, z.B. für 6 Monate, aufgezeichnet werden sollen. Sinn der Sache soll sein, die Kommunikationsdaten und Kommunikationswege von Leuten, die sich in irgendeiner Weise verdächtig machen, durch die auf Vorrat gespeicherten Daten besser aufschlüsseln zu können, um ggf. auch weitere, erhärtende Beweise für den Verdacht zu finden.
Das Problem an der Sache ist zum einen, dass nie ausgeschlossen werden kann, dass die Daten -wenn sie erst einmal erhoben sind- nicht auch zur Aufklärung kleinerer Straftaten und oder gar zu gänzlich anderen Zwecken herangezogen werden, der Bürger gegenüber dem Staat also zum gläsernen Bürger werden könnte. Ein weiteres Problem ist, dass die Daten verdachtsunabhängig erhoben werden, also schon zu einem Zeitpunkt, an dem man noch gar nicht verdächtig ist. Das ist rechtlich ein extrem heikler Punkt. Man stelle sich vor, das wäre in anderen Bereichen ebenfalls so geregelt und die Polizei könnte ohne Anfangsverdacht “einfach mal so” eine Hausdurchsuchung vornehmen. Der Aufschrei der Empörung wäre groß.
Doch warum erzähle ich das alles? Weil gläserne Bürger und verdachtsunabhängiges Vorgehen nicht auf das Internet beschränkt sind, sondern -zumindest in Bayern- auch längst Einzug in den realen Alltag gehalten zu haben scheinen.
Wie ich bei Thomas Stadler erfahren musste, ist man in München nämlich anscheinend dazu übergegangen, Kfz-Kennzeichen von absolut rechtmäßig abgestellten Fahrzeugen zu notieren, um somit -nach eigener Aussage- die Kfz-Bewegungen später nachvollziehen zu können.
Mit anderen Worten werden also Bewegungsprofile der Autofahrer erstellt, so dass sich feststellen lässt, wann jemand wo seinen Wagen abgestellt hat… und sich dementsprechend wahrscheinlich auch in der Nähe aufgehalten hat. Angeblich möchte man mit dieser Maßnahme den Parkplatzbedarf an verschiedenen Stellen von München ermitteln. Aber braucht man dazu wirklich Daten, die sich einzelnen Fahrern zuordnen lassen? Wozu? Warum zählt man nicht einfach die parkenden Autos, freie Parkplätze oder einfach Parkplätze suchende Autos? Dann sollte doch schnell ersichtlich werden, wo Parkplätze gebraucht werden. Auch eine simple Befragung der Autofahrer würde hier sicherlich schnell zu realistischen Ergebnissen führen – ganz ohne großartigen Aufwand und vor allem: ohne dass man Bewegungsprofile erstellt und den Bürger somit fast auf Schritt und Tritt verfolgt, als wäre er ein unter Verdacht stehender Verbrecher.
Warum macht man es sich in München so kompliziert? Will man testen, wie weit man gehen kann? Will man tatsächlich Bewegungsprofile der Stadtbewohner erstellen? Oder will man dort tatsächlich nur das Parkplatzproblem lösen, schießt dafür aber mit Kanonen auf Spatzen? Was denkt ihr?
Foto: olga meier-sander / pixelio.de
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Hallo Sascha!
Es geht also weiter. Tja! Dann würde ich mal sagen “Willkommen in der wirklichen MATRIX”!
Grüße aus Augsburg
Mike, TmoWizard
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@TmoWizard
Stellt sich nur die Frage, wer von uns zur blauen und wer zur roten Kapsel greift
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Das was mich wirklich aufregt an diesen ganzen “Erhebungen” ist nicht der Umstand, dass man es macht bzw. machen will. Die machen sowieso was sie wollen. Was mich echt aufregt sind die fadenscheinigen Argumente mit denen man versucht den Leuten alles zu verkaufen und ihnen damit erst recht so richtig deutlich sagt für wie bescheuert, blöd und unterbelichtet man sie hält. Wenn mir ein Politiker ins Gesicht sagen würde, dass er mich als “Bürger” für einen Volltrottel hält würde ich ihm die Band schütteln für so viel Ehrlichkeit. Aber was die vom Stapel lassen ist reinste Verarsche und Verhöhnung jedes normal denkenden Menschen.
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@vanilleblau
Aber was nützt es, wenn einer ehrlich sagt, was er für Foltermethoden für uns vorgesehen hat ?
Und warum darf ein Politiker die “kleinen Leute” für Volltrottel halten ?
Für mich ist ein Politiker jemand, den ICH (und natürlich viele andere) für würdig und fähig gehalten haben, uns und unsere Interessen zu vertreten.
Wenn er das “vergißt” wenn er gewählt ist, ist es einfach nur ein Arschloch und keinen Schuß Pulver wert. Die Lüger- und Verascherei paßt dann zu solch einem minderwertigen Charakter !
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@vanilleblau
Mich wundert viel mehr, dass man es diesmal nicht wieder als Maßnahme gegen den drohenden Terrorismus verkaufen möchte. Will man da diesmal Abwechslung in die Sache bringen? Oder wollte man am Ende vielleicht tatsächlich Parkplatz-Analyse betreiben? Denn das klingt so verrückt, dass man fast nicht glauben will, dass sich das jemand als Ausrede ausdenkt
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Ich habe auch davon gehört… und hoffe doch sehr, dass irgendjemand die Mittel hat dagegen zu klagen!
So langsam drehen die alle durch…
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@Marc
Ich würde fast wetten, dass viele Betroffene gar nichts von ihrem “Glück” wissen.
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Hallo @Gucky!
Warst du wirklich so naiv und hast irgend etwas von diesem Blödsinn geglaubt vor der Wahl? Deinem Beitrag nach wohl kaum!
Die verarschen uns doch schon seit Jahren, nur scheint das bei irgend welchen Wahlen niemanden mehr zu interessieren. Nein, sie wählen die gleichen Ars**lö**er wieder! Die Politiker haben also wirklich jedes Recht dazu, die meisten Bürger wie du es nennst für Volltrottel zu halten.
Für würdig und fähig halte ich übrigens keinen mehr von denen. Ich glaube zwar ab und zu an Wunder, aber in diesem Fall wäre das dann doch ein zu starker Aberglaube!
Wer ist da eigentlich schlimmer? Die Politiker mit ihren Versprechern
oder die Wähler, die den verzapften Schmarren auch noch für bare Münze nehmen?
Das sind eigentlich keine Vokls-VER-treter, das sind Volks-ZER-treter! Die kennen eigentlich nur ein einziges Wort und das kommt auch noch in der Bezeichnung für sie vor: Re-GIER-ung!
@Marc:
Wer bitte soll das finanziell stemmen können, daß er gegen unsere Re-GIER-ung ankommt? Das ist von vornherein zum Scheitern verurteilt, so viel Geld hat einfach niemand mehr, außer er ist parteihörig!
Grüße aus Augsburg
Mike, TmoWizard
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Das gab’s schon (in Brandenburg oder Sachsen, glaub ich) und zwar nicht so öde mit Bleistift, sondern mit Videoaufzeichnung an Autobahnen. Mein letzter Wissensstand ist allerdings, dass das gekippt wurde. Geht ja wohl auch keinen was an, wo ich mit meinem Auto hinfahre.
(Mein Lieblingsargument ist solchen Diskussionen: “Aber ich hab ja nichts zu verbergen.” Wenn ich das höre, krieg ich wirklich das große K…)
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@Michelle
Tatsächlich werden die Geräte, die auf Autobahnen vorhanden sind, um die Lkw auf gültige Mauts zu untersuchen, in manchen Fällen genutzt, um damit den normalen Verkehr zu überwachen, wenn man beispielsweise auf der Suche nach einem Flüchtigen ist. Lustigerweise ist genaue dieser Einsatzzweck während der Planung der Mautsysteme noch kategorisch ausgeschlossen worden.
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Das ist auch ein Fall von “Warum einfach, wenns auch kompliziert geht…” Wenn es tatsächlich um die Ermittlung von Parkplatzbedarf geht, dann ist eine Befragung oder das simple Zählen von Autos sicher auch zum Ziel führend. Allerdings: Je mehr Daten und je komplexer die Daten, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit das man dort das gewünschte Ergebnis “hineinlesen” kann. Wie schon anderortens gesagt: Traue keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast.
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@Doc Schmock
Stimmt, von der Seite habe ich es noch gar nicht betrachtet. Je mehr Daten vorliegen, desto besser können die “interpretiert” werden, um darin den gewünschten Sinn oder Unsinn zu finden und die präferierten Ergebnisse hineinzulesen^^
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Verstößt das Vorhaben in München nicht gegen den Datenschutz? Für mich hört sich das auch eher nach Überwachung an, als nach Schaffung von Parkplätzen. Das ginge wirklich einfacher und vor allem diskreter.
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@Maren
Ob es dagegen verstößt, ist halt die spannende Frage. Da kommt es letztlich wohl auch auf die Auslegung an sowie darauf, ob der verfolgte Zweck hier im Verhältnis zum eingesetzten Mittel steht.
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Hallo,
Ich denke das ist die einfachste und zielsicherste Methode, an die gewünschten Daten zu kommen. Umfragen sind denke ich mir mit gewissen Fehlertolleranzen verbunden, weil ich als Befragter nicht unbedingt die Wahrheit sagen muss oder einfach dadurch dass die Befragung nicht richtig durchgewführt wird.
Wenn ich die Datenschutzdiskussion verfolge, dann würde ich auch rechtlich angreifbar werden, denn auf meiner täglichen Tour zur Arbeit weiß ich schon ziemlich viel über Autos, Kennzeichen und wer überhaupt darin sitzt und wohin er fährt – und das sind Daten, die ich unbewusst im Laufe der Zeit angesammelt habe (Zumindest über die, die wiederkehrend die gleiche Strecke fahren). Also kann mich jeder dieser Fahrer anklagen, weil ich quasi spioniere und Bewegungsprofile erstellt habe.
Es ist unumstritten klar, dass man aus vielen kleinen Details wie das hier ziemlich genaue und erschreckende Informationen ermitteln kann und ich denke, dass wir uns – wenn wir es darauf anlegen würden, trotzdem nicht die Überwachung verhindern werden können – es gibt schließlich sehr viele Möglichkeiten, manche offensichtlich, andere nicht, die uns zum gläsernen Bürger machen. Wenn man sich in die Aufregung verbeisst, dann wird das Leben nur noch daraus bestehen. Und das ist etwas, was ich mir überhaupt nicht wünsche.
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@Lebenssonde
Der Unterschied zwischen dir und der Stadt München wäre in dem Fall aber, dass du die Daten nur “nebenbei”, also rein zufällig erheben würdest, weil du eben einem gewissen Alltagsritual folgst und dabei stets andere Personen triffst, die ebenfalls einem geregelten Tagesablauf folgen. Im Unterschied dazu erhebt München die Daten ja gerade nicht zufällig, weil da irgendeine Politesse die Straße entlang spaziert und manche Autos erkennt, die jeden Tag dort stehen; vielmehr werden hier sämtliche Autos aufgeschrieben und die Daten zielgerichtet erhoben.
Hallo und zunächst einmal Willkommen auf meinem Blog. Vielen Danke für deine ausführliche Stellungnahme. Natürlich hast du nicht ganz unrecht damit, wenn du sagst, dass jeder Mensch ein gewisses Maß an “Daten” über seine Umwelt sammelt. Gerade besonders neugierige Nachbarn tun dies mitunter ja sogar richtig zielgerichtet, die wissen irgendwann fast alles über den Menschen, der im Haus gegenüber wohnt
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Ob bewusst oder unbewusst. Unter dem Strich ist da ein sehr marginales Unterschied. Denn unter umständen kann ich aus meinen Beobachtungen auch ernste Folgen hervorrufen. Es ist zumindest denkbar.
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@Lebenssonde
Natürlich ist das denkbar. Dennoch sehe ich für mich persönlich einen großen Unterschied zwischen bewusstem und unbewusstem Handeln, eben weil ersteres zielgerichtet, aktiv und mit klarem Wissen und Wollen stattfindet, zweitgenanntes hingegen nicht.