GEZ-Gebühr zurück wegen royaler Hochzeit?

Kate und WilliamAls Kate und William am 29.04.2011 heirateten, wurde diese Hochzeit weltweit im Fernsehen übertragen. Man mag es kaum glauben, aber rund um den Globus sollen tatsächlich ca. 2 Milliarden Menschen zugeschaut haben! Bei einer Weltbevölkerung von knapp 7 Milliarden Menschen keine schlechte Quote. Da scheinen Arbeit, Krieg, Armut und Schlafbedürfnis in der Welt wohl für ein paar Stunden Urlaub gemacht zu haben.

Diejenigen, die in Deutschland den Fernseher einschalteten, konnten sich dem Ereignis jedoch praktisch kaum entziehen. Auf vielen Sendern liefen entsprechende Sondersendungen, Vor- und Nachberichte und natürlich die Übertragung der eigentlichen Hochzeitszeremonie. Auch die öffentlich rechtlichen Sender -Das Erste und das ZDF- ließen es sich, wie bereits mehrfach in der Vergangenheit bei Adelshochzeiten praktiziert, nicht nehmen, beide mit eigenen Teams und Sendungen über das Ereignis zu berichten. Genau an dieser Vorgehensweise stört man sich nun in der Politik, teilweise wird sogar geraten, die Rundfunkgebühren für diesen Tag zurückzufordern.

Während CDU, SPD und Grüne die Dauerberichterstattung auf beiden Sendern laut Express “nur” als “unnötig” kritisieren, geht der Medien-Experte der FDP, Jimmy Schulz, noch einen Schritt weiter und rät den Gebührenzahlern dazu, für diesen Tag die Gebühren von der GEZ zurückzuverlangen.

Der Sinn, dass beide öffentlich-rechtlichen Sender mit eigenen Teams und eigener Technik nach London reisen, um über das Thema zu berichten, erschließt sich mir ebenfalls nicht. Mir erschließt sich allgemein das öffentliche Interesse an einer Hochzeit zweier mir quasi völlig fremder Personen, die zudem mich und meinen Staat auch in keiner Weise repräsentieren, sowieso nicht und der Umstand, dass es sich dabei um eine Adelshochzeit handelt, macht es für mich weder besser noch schlecher, auch wenn ich es nicht ganz so krass sehe wie Enno, der für die Begeisterung absolut kein Verständnis hat. Aber darum geht es an dieser Stelle gar nicht.

Vielmehr geht es darum, dass eine gleichzeitige, doppelte Berichterstattung auf beiden Sendern wohl kaum einen sinnvollen Mehrwert für den Zuschauer bieten kann, vielmehr nur unnötigerweise doppelte Ausgaben von Gebühren bedeutet, die auch anderweitig hätten eingesetzt werden können. Anders als beispielsweise bei der Übertragung von großen Sportveranstaltungen wie der Fußball-WM oder Olympischen Spielen, bei denen sich die Sender abwechseln und somit lediglich die sowieso auftretende Last unter sich aufteilen, wechselten sich die Sender hier bei der Hochzeit ja gerade nicht ab, sondern berichteten absolut zeitgleich.

Dennoch dürfte der Vorschlag von Jimmy Schulz als undurchdachter, populistischer Blödsinn abgetan werden. Zum einen sollte ihm als “Medien-Experte” eigentlich bewusst sein, dass man die umgangssprachlich sog. “GEZ-Gebühren” gerade nicht für bestimmte Inhalte der Sender zahlt, sondern dafür, dass man entsprechende Geräte besitzt / bereit hält, mit denen der Empfang der Sender theoretisch möglich ist, unabhängig davon, ob man die Sender tatsächlich guckt oder nicht, somit auch unabhängig davon, ob einen das ausgestrahlte Programm nun interessiert oder nicht. Damit scheidet ein Anspruch auf Rückzahlung schon allein deswegen aus.

Doch nehmen wir einmal für einen kurzen Augenblick an, dass dies tatsächlich möglich wäre. Dann könnte man wohl trotzdem nicht das Geld für den kompletten Tag zurückfordern, da die offizielle Berichterstattung gerade nicht über den gesamten Tag verlief, sondern laut Blick in die Fernsehzeitung “nur” von 9-15 Uhr. Dass vorher im Morgenmagazin oder in Sendungen im späteren Verlauf des Tages darüber berichtet wurde mag sein, jedoch fanden zwischendurch durch Kochsendungen und Soaps ganz sicher abgrenzende Sendungen statt, so dass sich die kritisierte Doppelberichterstattung nicht auf einen kompletten Tag, sondern gerade mal auf sechs Stunden -also einen Vierteltag, noch dazu an einem normalen Arbeitstag- belief.

Zugunsten von Jimmy Schulz gehen wir jetzt aber dennoch davon aus, dass man a) die Gebühren zurückfordern könnte und b) dies sogar für den kompletten 29.04.11 tun könnte und nicht nur für die eigentlichen sechs Stunden. Über welchen Betrag würden wir dann denn eigentlich sprechen? Die “GEZ-Gebühren” für ein Fernsehgeräte belaufen sich derzeit auf monatlich 17,98 Euro. Macht heruntergerechnet auf einen Tag rund 0,60 Euro. Wow, ganze 60 Cent! Wenn man da noch die Kosten für den anstehenden Schriftverkehr mit der GEZ einberechnet, bleibt von dieser erklecklichen Summe quasi nichts übrig.

Alles in allem also ein ziemlich unsinniger Vorschlag, der da vom “Medien-Experten” der FDP kommt. Zum einen überhaupt nicht durchsetzbar und selbst wenn er durchsetzbar wäre, würde man letztlich sogar Verlust machen (Porto, Briefumschlag, Papier, Tinte / Toner etc.). Was soll das? Warum werden dann solche Vorschläge gemacht? Nur, um auf den populären Zug der GEZ-Nörgler aufzuspringen und ein wenig Aufmerksamkeit zu erhaschen? Gerade von einem “Medien-Experten” müsste man doch eigentlich verlangen können, dass er sich besonders gut in seinem Themenbereich auskennt und weiß, was machbar ist und was nicht.

Habt ihr euch die royale Hochzeit eigentlich angesehen? Vielleicht dafür sogar die Arbeit unterbrochen oder Urlaub genommen? Oder hat euch die Heirat von Kate und William überhaupt nicht interessiert? Fällt euch vielleicht ein Argument FÜR die gleichzeitige Berichterstattung auf beiden öffentlich-rechtlichen Sendern ein?

Foto: Gerard Stolk en route / flickr.com unter CC-Lizenz


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