Radfahrer vs. Autofahrer – drehen hier alle am Rad?

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RadfahrerKaum scheint die Sonne und die Temperaturen steigen, da kommen sie wieder aus ihren Verstecken gekrochen und überfluten die Straßen: Radfahrer! Eigentlich eine Sache, die man loben sollte. Denn zum einen bewegen sich Radfahrer aktiv, tun also etwas für ihre Gesundheit. Zum anderen kann man sich kaum umweltschonender fortbewegen.

Dennoch kommen kaum einem Autofahrer lobende Worte in den Sinn, wenn die Autofahrer an Radfahrer denken. Dabei benimmt sich der Großteil der Fahrradfahrer sicherlich ordentlich im Straßenverkehr, aber es ist wie so oft im Leben: einige wenige schwarze Schafe können den Ruf der Radfahrer allgemein nach unten ziehen, und zwar gewaltig.

Ich muss zugeben, dass auch mir in den letzten Tagen wieder vermehrt einige dieser nervigen Radfahrer negativ aufgefallen sind, bei deren Verhalten ich mich wirklich manchmal frage, was wohl in ihren Köpfen vorgehen mag. Kleine Kostprobe gefällig? Kein Problem, hier meine „Highlights“, die sich allein in den vergangenen sieben Tagen ereignet haben:

Ich wohne in der Nähe einer Allee. Rechts und links stehen die Häuser mit den Gehwegen. Dann sind natürlich noch zwei Fahrspuren für den Straßenverkehr vorhanden. Darüber hinaus befindet sich zwischen den beiden Spuren ein sehr breiter, wunderschöner Mittelstreifen. Rechts und links wird der Mittelstreifen durch die Alleebäume begrenzt und in der Mitte ist ein breiter Weg für Fußgänger und Radfahrer vorhanden. Jener Mittelstreifen wird von vielen Menschen zum Joggen, Gassi-Gehen, Spazieren oder eben Radfahren auch ausgiebig genutzt. Es ist wirklich mehr als genug Platz dort vorhanden, so dass sich niemand in die Quere kommt, zumal sich auch selten dutzende Personen gleichzeitig auf dem Mittelstreifen befinden.

Und obwohl da dieser wunderbare Allee-Streifen vorhanden ist, ließ es sich ein Radfahrer neulich morgens mal wieder nicht nehmen, den unübersehbaren und als Fußgänger- und Radweg ausdrücklich ausgeschilderten Mittelstreifen NICHT zu nutzen, sondern stattdessen auf der Straße zu fahren. Da die Fahrbahn durch parkende Autos auf der einen und den Mittelstreifen auf der anderen Seite begrenzt ist, gibt es dann für Autofahrer natürlich keine Möglichkeit, an solchen Radfahrern vorbeizufahren, so dass sich eine kleine Autokolonne ansammelte, die sicherlich fröhlich und äußerst gut gelaunt hinter dem Radfahrer her schlich. Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass der Radfahrer sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen ließ und keine Anstalten machte, wenigstens mal das Tempo ein wenig zu erhöhen oder gar auf den Mittelstreifen zu wechseln.

Auch immer schön: ich muss hin und wieder eine enge Einbahnstraße entlang fahren. Die verfügt über keinen separaten Radweg, weswegen ich mich auch gar nicht aufrege, wenn dort ein Radfahrer vor einem fährt – irgendwo müssen die ja schließlich lang fahren und die Radfahrer können ja auch nichts dafür, wenn die Stadtplaner dort den Radweg nicht realisiert bekommen. So fuhren wir vor wenigen Tagen an genau dieser Stelle mit insgesamt 3 Pkw hinter einem Radfahrer her. Der Fahrer vor mir schien es eilig zu haben, sah aber ebenfalls schnell ein, dass ein Überholen des Radfahrers in der engen Einbahnstraße schlichtweg unmöglich war.

Wir kamen dann allerdings an einen Punkt, an dem zum einen mehrere Parkplätze am Fahrbahnrand frei waren und zum anderen eine Bushaltestelle mit separater Haltebucht für den Bus vorhanden waren. Was würdet ihr nun anstelle des Radfahrers tun? Richtig, ihr würdet den sich bietenden Platz nutzen, um kurz ein Stück weit zur Seite zu fahren und den drei Pkw die Chance zu geben, an einem vorbei zu fahren, damit der Verkehr flüssig weiterlaufen kann. Alle wären zufrieden und niemand würde etwas Negatives über Radfahrer sagen können.

Und jetzt ratet mal, was das Genie getan hat, welches tatsächlich auf dem Rad gesessen hat? Er schaute sich kurz um, sah, dass da drei Pkw hinter ihm her schlichen… und fuhr einfach mitten auf der Straße weiter! Was mag in solchen Menschen vor sich gehen? Konnte er nicht mitdenken? Oder wollte er es vielleicht gar nicht, weil er seinerseits einen Hass auf Autofahrer hat?

Ich weiß es nicht. Was ich jedoch weiß ist, dass in dieser Situation mein Verständnis für Radfahrer kurzzeitig arg gelitten hat. Wie gesagt, ich will da wirklich nicht alle Radfahrer über einen Kamm scheren. Der Großteil wird sich sicherlich vernünftig benehmen, weswegen sie einem im Alltag auch nicht weiter auffallen. Aber diese negativen Ausreißer können den Ruf aller Radfahrer schon gewaltig beschädigen.

Wie ich neulich bei Mella lesen konnte, sieht es aus Radfahrersicht allerdings auch nicht besser aus. So, wie ich hier manches Negativbeispiel für schlechte Radfahrer anbringen kann, konnte sie problemlos einige negative Beispiele für schlechte Autofahrer nennen. Vielleicht ein Argument mehr, dass beide Seiten letztlich mit mehr Verständnis füreinander aufeinander zugehen sollten? Und man sich immer vor Augen führen muss, dass eben nicht alle Rad- bzw. Autofahrer solche „Pfeifen“ sind, sondern diese nur -im Gegensatz zu denen, die sich vernünftig verhalten- besonders auffällig sind und eher im Gedächtnis haften bleiben.

Welche Erfahrungen habt ihr als Autofahrer denn schon mit Radfahrern sammeln dürfen? Oder als Radfahrer natürlich auch umgekehrt mit Autofahrern.

Jens Bredehorn / pixelio.de


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