EU-Beamte wütend über Einsparpläne

Europa-FahneWir werfen den Politikern der heutigen Zeit gerne vor, dass sie wenig arbeiten, dafür total überbezahlt sind, sich Privilegien erschleichen und in die eigene Tasche wirtschaften. Noch schlimmer als die “heimischen Politiker” in Deutschland kommen dabei in der öffentlichen Meinung die Politiker und die Beamten der EU in Brüssel davon. In der Tat handelt es sich dabei um ein undurchsichtiges Geflecht bürokratischer Organisationen, die für uns außenstehende Bürger nur schwer zu erfassen sind. Selbst Experten, die sich eingehend damit beschäftigen, missbräuchliche Verwendungen von Sonderbehandlungen innerhalb der EU zu finden und aufzudecken, berichten immer wieder darüber, wie schwer es ist, überhaupt erst einmal den Einstieg in die Materie zu finden und dann nicht den Überblick zu verlieren. So versickern Jahr für Jahr unzählige Millionen Euro in dunkeln EU-Kanälen, werden zweckentfremdet oder schlichtweg verschwendet.

Umso erstaunlicher ist es, wenn dann ein Politiker das Thema einmal offen anspricht. Noch erstaunlicher ist es, wenn dieser Politiker dann auch noch offen zu einem Umdenken auffordert und konkrete Vorschläge macht, wie man jährlich Geld einsparen könnte, indem man nur auf einige kleinere Vergünstigungen verzichtet bzw. den Arbeitsablauf an “normale” Verhältnisse aus der Privatwirtschaft anpasst. Nicht so erstaunlich dürfte hingegen die Reaktion der Betroffenen auf diese Vorschläge sein – wobei: die Art und Intensität, in der auf die Vorschläge reagiert worden sein soll, ist dann vielleicht sogar doch auch wieder überraschend, da einige Reaktionen nicht so diplomatisch waren, wie man das aus EU-Kreisen sonst vielleicht gewohnt sein dürfte.

Dr. Inge Gräßle heißt die Politikerin aus den Reihen der CDU, die in ihrer Funktion als Europaabgeordnete einige Vorschläge zu Sparmaßnahmen auf EU-Ebene machte. Ob ihr Wille zu den Einsparungen daher rührt, dass sie Schwäbin ist, oder ob es andere Gründe gibt, lässt sich nicht ermitteln. In jedem Fall wollte sie bei den EU-Beamten den Rotstift ansetzen, was wohl laut Welt Online bei einigen nicht sonderlich gut ankam.

Doch was hat sie eigentlich genau vorgeschlagen? Aus Sicht eines “normalen” Arbeitnehmers in Deutschland eigentlich nichts Besonderes. Gehen wir die Vorschläge doch einfach mal nacheinander durch:

So fordert Frau Gräßle, dass in Brüssel künftig mehr als nur 37,5 Stunden pro Woche gearbeitet werden soll.
Doch während eine 40-Stunden-Woche für normale Arbeitnehmer nicht ungewöhnlich ist, treibt der pure Gedanke daran so manchem EU-Beamten wohl bereits den Angstschweiß auf die Stirn.

Zudem sollen Spitzenbeamte keinen Überstundenausgleich mehr bekommen.
Kennt man aus so manchem Arbeitsvertrag in Form von Klauseln wie “Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten”. Zwar ist diese Klausel nicht uneingeschränkt gültig, sondern nach deutscher Rechtsprechung nur auf Überstunden von 20% des Wochenpensums anwendbar. Das wären bei einer 40-Stunden-Woche jedoch bis zu 8 Stunden nicht sondervergüteter Überstunden – das will sich der EU-Beamte von Welt natürlich nicht antun.

Kein Sonderurlaub und keine Fahrtkostenerstattung mehr für die gesamte Familie für Reisen von Brüssel in die alte Heimat.
Auch diese Vergünstigungen will Frau Gräßle streichen lassen. Ob man bei den Gehältern und sonstigen Reisevergünstigungen als EU-Beamter wirklich noch eine solche Fahrkostenerstattung braucht, darüber mag man noch streiten können. Endgültig lässt das Verständnis für diese Vergünstigung jedoch nach, wenn man hört, dass dieser Anspruch auch dann besteht, wenn man die Reise tatsächlich niemals angetreten hat!

Eine britische Kommissionsbeamtin demonstrierte ihre hervorragenden Deutsch-Kenntnisse und beschimpfte Gräßle wohl in einer E-Mail als “grässliche Gräßle” und schnüffelnde Kuh. Ein anderer kramte in der Klischee-Schublade und findet ihren Ton “sehr deutsch, also selbstgerecht und kalt”. Eine weitere Beamtin versuchte, ihre Privilegien zu rechtfertigen; sie wären nicht “weltfremd”, sondern ganz normal. Ihr Gatte würde in der Privatwirtschaft weit mehr Privilegien genießen können. Umgekehrt kann man dann auch die Frage stellen, warum die gute Frau nicht ebenfalls in die Privatwirtschaft wechselt, wenn es ihr dort so gut gefällt. Ob es wohl an mangelnden Perspektiven liegt, dort einen ähnlichen Job zu bekommen? Oder sind es doch die sonstigen Beamten-Vergünstigungen, die man so in der freien Wirtschaft nicht findet?

Man muss ganz sicher nicht mit der Sozialneid-Keule um sich schlagen. Manche Menschen haben durch harte Arbeit, manche auch einfach durch gute Beziehungen oder viel Glück eben Jobs mit besseren Arbeitsbedingungen gefunden als andere Menschen. Da muss man sicherlich auch gönnen können. Dennoch muss die Frage erlaubt sein, ob solche Reaktionen, wie es sie teilweise hier gab, wirklich nötig sind? Völlig überzogen scheinen die Forderungen ja auf den ersten Blick nicht zu sein, oder? Schließlich wären es allesamt Anpassungen, wie sie in der freien Wirtschaft häufig alltäglich sind, zumal wir hier nicht (nur) von Spitzenbeamten reden, sondern auch von ganz “normalen” Beamten, die hier um Priviliegien kämpfen, die teilweise schon Manager-Niveau haben. Man würde hier ja keine Existenzgrundlagen vernichten, sondern allenfalls Streichungen von Privilegien auf hohem Niveau vornehmen. Was meint ihr dazu? Ein richtiger Weg? Oder haben die EU-Beamten allen Grund, so wütend zu reagieren?

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de


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